Goldpreis-Crash trifft Minenaktien — Coeur Mining stemmt sich gegen den Trend
Coeur Mining schließt trotz historischem Goldpreisverfall seine größte Übernahme ab, während andere Minenwerte wie Newmont und First Majestic starke Verluste verzeichnen.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis erlebt stärksten Wochenverlust seit 1983
- Coeur Mining vollendet strategische Übernahme von New Gold
- Newmont Mining und First Majestic mit zweistelligen Kursverlusten
- Vizsla Silver durch Sicherheitsvorfall in Mexiko belastet
Minus elf Prozent beim Goldpreis in einer einzigen Woche. So heftig hat es das Edelmetall seit 1983 nicht mehr erwischt. Der Auslöser: Die eskalierende Iran-Krise treibt den Ölpreis nach oben, befeuert Inflationserwartungen und rückt Zinssenkungen in weite Ferne. Ausgerechnet in diesem Umfeld schließt Coeur Mining seinen größten Deal der Firmengeschichte ab, während Newmont Mining, First Majestic Silver, Vizsla Silver und Silver Viper Minerals mit teils zweistelligen Wochenverlusten kämpfen.
Ein Paradox erschüttert den Sektor
Gold als Krisengewinner — diese Logik hat im März 2026 ausgedient. Seit Beginn des Iran-Konflikts hat der Goldpreis über 14 Prozent eingebüßt. Der Mechanismus dahinter:
- Steigende Ölpreise treiben die Inflationserwartungen global nach oben
- Zinssenkungen rücken in die Ferne — die Fed hält still, renditebringende Anlagen gewinnen an Attraktivität gegenüber Edelmetallen
- Momentumtrades lösen sich auf — die monatelange Rallye hatte spekulative Positionen aufgebaut, die nun abgewickelt werden
- Silber fällt noch stärker als Gold, da das Industriemetall stets mit höherem Hebel auf Stimmungswechsel reagiert
Dabei waren die Vorzeichen noch bis vor Kurzem glänzend: Gold legte 2025 um 66 Prozent zu, Silber sogar um 135 Prozent. Banken wie J.P. Morgan halten trotz der Korrektur an einem Jahresendziel von 6.300 US-Dollar je Unze Gold fest. Deutsche Bank peilt 6.000 US-Dollar an. Die strukturellen Kauftreiber — Zentralbanknachfrage, hohe US-Defizite, langfristig weicher Dollar — bestehen fort.
Für die Minenunternehmen stellt sich die entscheidende Frage: Kann operative Stärke den Preisverfall kompensieren?
Coeur Mining: Mega-Fusion mitten im Sturm
Während der gesamte Sektor blutet, setzt Coeur Mining einen strategischen Kontrapunkt. Am 16. März schloss das Unternehmen die Übernahme von New Gold Inc. ab. Die Aktie notiert bei 15,28 Euro — rund 34 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, aber immer noch knapp 160 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Der fusionierte Konzern spielt nun in einer neuen Liga. Sieben Minen in Nordamerika sollen 2026 rund 1,25 Millionen Goldäquivalent-Unzen produzieren, darunter 900.000 Unzen Gold und 20 Millionen Unzen Silber. Über 80 Prozent der Erlöse stammen aus den USA. Das Management erwartet für 2026 ein EBITDA von rund 3 Milliarden US-Dollar und einen freien Cashflow von etwa 2 Milliarden — eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr.
Die Zahlen für 2025 untermauern den Aufwärtstrend: Der Umsatz verdoppelte sich nahezu auf 2,07 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn erreichte 586 Millionen. CIBC nahm die Aktie mit „Outperformer“ und einem Kursziel von 40 US-Dollar in die Bewertung auf. Am 23. März — also morgen — veröffentlicht Coeur die konsolidierte Prognose für 2026 samt Reserven-Updates für die neuen Minen New Afton und Rainy River. Dieser Termin dürfte die Tonalität für die kommenden Wochen setzen.
Newmont Mining: Der Branchenprimus unter Druck
Kein Minenwert ist immun gegen einen Goldpreiseinbruch dieser Größenordnung. Schon gar nicht der weltgrößte Goldproduzent. Newmont handelt bei 82,54 Euro — ein Rückgang von fast 14 Prozent in nur einer Woche und über 25 Prozent unter dem Januar-Hoch. Die 100-Euro-Marke, die Anfang Januar noch als solide Unterstützung galt, ist durchbrochen.
Die Schwäche hat zwei Ebenen. Makroseitig drückt die gesamte Edelmetallkorrektur. Unternehmensspezifisch hat Newmont für 2026 eine Produktionsdrosselung auf 5,3 Millionen Unzen Gold angekündigt — gegenüber 5,9 Millionen im Vorjahr. Gleichzeitig steigen die All-in Sustaining Costs. Ein schrumpfendes Volumen bei höheren Kosten und fallenden Goldpreisen ist die denkbar ungünstigste Kombination.
Das vierte Quartal 2025 war noch stark: Bereinigter Gewinn von 2,52 US-Dollar je Aktie bei Erlösen von rund 6,8 Milliarden. Die Dividende von 0,26 US-Dollar je Quartal wird am 26. März ausgezahlt. Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von umgerechnet rund 141 US-Dollar — fast 70 Prozent über dem aktuellen Niveau. Achtzehn von neunzehn Analysten empfehlen den Kauf. Die nächsten Quartalszahlen am 23. April werden zeigen müssen, ob das Management die Kostenseite im Griff hat.
First Majestic Silver: Rekordzahlen, Rekordverluste
Kein Wert in dieser Gruppe ist so abhängig vom Silberpreis wie First Majestic Silver. Rund 58 Prozent der Erlöse stammen direkt aus dem weißen Metall. Was 2025 ein gewaltiger Vorteil war, schlägt jetzt in die Gegenrichtung durch. Die Aktie verlor in einer Woche knapp 20 Prozent und notiert bei 15,82 Euro — mehr als 41 Prozent unter dem Februarhoch.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Coeur Mining?
Dabei sind die operativen Ergebnisse beeindruckend. Der Jahresumsatz 2025 sprang um 124 Prozent auf 1,26 Milliarden US-Dollar, vor allem dank der Integration der Los-Gatos-Mine, die allein 490 Millionen beisteuerte. Nach einem Nettoverlust von 102 Millionen im Vorjahr stand 2025 ein Gewinn von 165 Millionen US-Dollar. Im vierten Quartal erwirtschaftete First Majestic 250 Millionen an freiem Cashflow und schloss das Jahr mit 938 Millionen in bar.
H.C. Wainwright hob das Kursziel auf 30 US-Dollar an. Die Dividendenpolitik wurde auf 2 Prozent des Umsatzes verdoppelt. Für 2026 plant das Unternehmen 13 bis 14 Millionen Unzen Silber und 110.000 bis 130.000 Unzen Gold. Die nächsten Quartalszahlen am 13. Mai werden zeigen, wie stark der Silberpreisverfall die Margen tatsächlich belastet.
Vizsla Silver: Tragödie überschattet Projektpotenzial
Bei Vizsla Silver überlagert eine menschliche Katastrophe jede finanzielle Betrachtung. Im Januar wurden zehn Arbeiter des Panuco-Projekts im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa entführt — aus einem Gebiet unter Kontrolle der „Los Chapitos“-Fraktion des Sinaloa-Kartells. Anfang März bestätigte das Unternehmen den Tod zweier weiterer Arbeiter. Drei werden noch vermisst.
Die Aktie notiert bei 3,00 US-Dollar und hat seit Jahresbeginn 46 Prozent verloren — der mit Abstand schlechteste Wert in dieser Gruppe. Das 52-Wochen-Hoch von 6,86 US-Dollar liegt in weiter Ferne.
National Bank stufte die Aktie auf „Sector Perform“ herab und senkte das Kursziel von 10,50 auf 6,50 Kanadische Dollar. Die Begründung: erwartete Verzögerungen beim Panuco-Projekt, das ursprünglich Ende 2027 die Produktion aufnehmen sollte. Vizsla kooperiert mit den mexikanischen Behörden und überprüft die Sicherheitsprotokolle. Wann der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden kann, bleibt offen. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund einer Milliarde US-Dollar — der fundamentale Projektwert ist intakt, das Zeitlinienrisiko allerdings kaum quantifizierbar.
Silver Viper Minerals: Klein, aber aktiv
Als Explorationsunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 154 Millionen Kanadischen Dollar bewegt sich Silver Viper Minerals in einer völlig anderen Gewichtsklasse. Trotzdem sorgt das Unternehmen für eigene Impulse, während der Gesamtsektor konsolidiert.
Im Zentrum steht ein 60.000-Meter-Bohrprogramm auf dem La-Virginia-Projekt in Mexiko. Die bestehende Ressource umfasst 700.000 Goldäquivalent-Unzen. Ein aktualisiertes Ressourcen-Update soll im zweiten Quartal 2026 folgen — der klarste kurzfristige Katalysator für die Aktie.
Strategisch hat Silver Viper am 16. März die vollständige Übernahme des Coneto-Silber-Gold-Projekts in Durango besiegelt. Die Transaktion mit Fresnillo und Orex Minerals erfolgt als reiner Aktientausch. Coneto bringt eine abgeleitete Ressource von 286.000 Unzen Gold und 19,1 Millionen Unzen Silber — zusammen 538.000 Goldäquivalent-Unzen bei einem Gehalt von 3,15 g/t. Ein einzelner Analyst sieht ein Kursziel von 2,50 Kanadischen Dollar bei einer Kaufempfehlung.
Edelmetall-Minen zwischen Korrektur und Substanz
Die vergangene Woche hat die Branche schonungslos sortiert. Coeur Mining nutzt die Korrektur, um als vergrößerter Konzern aufzutreten — mit Cashflow-Zahlen, die den Abverkauf relativieren. Newmont kämpft mit der unglücklichen Kombination aus fallenden Preisen und steigenden Kosten. First Majestic Silver zeigt, dass Silber-Leverage ein zweischneidiges Schwert bleibt. Vizsla Silver illustriert die realen Risiken des mexikanischen Bergbaus jenseits aller Preischarts. Silver Viper baut seine Ressourcenbasis aus, während die Bewertungsmultiples im Sektor schrumpfen.
Gold verzeichnet den schlechtesten Monat seit Oktober 2008. Gleichzeitig liegt der Preis für 2026 insgesamt noch im Plus. Die strukturellen Treiber der Edelmetall-Rallye sind nicht verschwunden — sie werden nur überlagert von einem Inflationsschock, den vor wenigen Wochen kaum jemand auf dem Schirm hatte. Ob die Korrektur bereits ihren Boden gefunden hat oder noch weiter läuft, wird die letzte Märzwoche zeigen. Für Coeur Mining beginnt sie mit einem konkreten Termin: der Veröffentlichung der kombinierten Jahresprognose am Montag.
Coeur Mining-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Coeur Mining-Analyse vom 22. März liefert die Antwort:
Die neusten Coeur Mining-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Coeur Mining-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Coeur Mining: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...