Graphite One Aktie: Luftgenehmigung für Conneaut angenommen
Ein Präsidialdekret verpflichtet US-Rüstungskonzerne ab 2027 zum Verzicht auf chinesisches Grafit. Graphite One profitiert mit eigener Lieferkette.

Kurz zusammengefasst
- Dekret verbietet Grafit aus China und Russland
- Graphite One baut erste US-Lieferkette auf
- Umweltgenehmigung für Ohio-Werk eingereicht
- Aktie bleibt trotz Fortschritten unter Druck
Ein neues Präsidialdekret aus Washington könnte für Graphite One zum entscheidenden Wendepunkt werden. Das Weiße Haus verpflichtet Rüstungskonzerne, ab 2027 auf chinesisches und russisches Grafit zu verzichten. Genau das ist das Geschäftsmodell des US-Unternehmens: eine heimische Lieferkette für einen Rohstoff, den die amerikanische Verteidigungsindustrie derzeit vollständig importiert.
Dekret zwingt Rüstungsindustrie zum Umdenken
Präsident Trump unterzeichnete die Order „Securing America’s Defense Supply Chains“ am 20. Juli 2026. Der Kern: Der Verteidigungsminister darf künftig kaum noch Ausnahmen für kritische Materialien aus sogenannten „covered nations“ genehmigen – China und Russland zählen dazu.
Rüstungsfirmen müssen ab dem 1. Januar 2027 auf verbotene ausländische Quellen verzichten. Eine Ausnahme gibt es nur mit einem belastbaren Plan zur Rückverlagerung der Lieferkette. Zusätzlich soll das Verteidigungsministerium die komplette Lieferkette für Raketen, Flugzeuge und weitere Militärtechnik kartieren, um Schwachstellen aufzudecken.
Für Graphite One entsteht dadurch ein verlässliches Nachfragesignal. Das Unternehmen baut die erste vertikal integrierte Grafit-Lieferkette der USA auf – vom Bergbau bis zum fertigen Batteriematerial.
Ohio-Werk kommt einen Schritt weiter
Parallel zur Politik in Washington macht Graphite One auch operativ Fortschritte. Am 21. Juli 2026 bestätigte die Umweltbehörde von Ohio, dass sie den Luftgenehmigungsantrag für das geplante Werk in Conneaut angenommen hat.
Der Antrag durchläuft jetzt die technische Detailprüfung. Diese Genehmigung ist zwingend nötig, bevor das Unternehmen mit dem Bau beginnen kann. Die Anlage soll synthetisches Anodenmaterial für Lithium-Ionen-Batterien herstellen – zunächst 10.000 Tonnen pro Jahr ab dem vierten Quartal 2027, später 25.000 Tonnen bis Ende 2028.
Aktie bleibt unter Druck – trotz guter Nachrichten
Die politischen und regulatorischen Fortschritte kommen an der Börse bislang kaum an. Vorbörslich notiert die Aktie bei 0,518 Euro, ein Plus von 3,7 Prozent. Der Kurs bleibt aber weit unter dem 52-Wochen-Hoch von 1,59 Euro vom Januar – ein Abstand von rund 68 Prozent.
Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 59 Prozent verloren. Der RSI von 34,6 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein Hinweis darauf, dass der Ausverkauf der vergangenen Monate technisch weit fortgeschritten ist. Anleger bleiben trotz der politischen Rückenwinde vorsichtig, was angesichts der langen Vorlaufzeiten im Rohstoffsektor nicht überrascht.
Zwei Standorte, zwei Zeitpläne
Graphite One verfolgt einen zweigleisigen Ausbauplan. Das Werk in Ohio kann unabhängig von der Mine in Alaska starten. Diese Entkopplung ist strategisch wichtig, denn die beiden Projekte laufen zeitlich deutlich auseinander.
Die Mine Graphite Creek in Alaska gilt laut US-Geologiebehörde USGS als größtes bekanntes Natur-Grafit-Vorkommen der USA. Sie durchläuft aktuell eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung, der Produktionsstart ist für 2029 geplant. Das Management betont, dass die laufende Prüfung diesen Zeitplan nicht gefährdet.
Rückenwind kommt zudem aus bestehenden Förderzusagen. Das Verteidigungsministerium hat bereits 37,5 Millionen Dollar an Zuschüssen bewilligt. Die US-Exportbank EXIM signalisierte unverbindlich eine mögliche Finanzierung von über 2 Milliarden Dollar.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich das neue Dekret tatsächlich in konkreten Abnahmeverträgen mit der Rüstungsindustrie niederschlägt. Bis dahin bleibt der Ohio-Genehmigungsprozess der nächste greifbare Meilenstein für das Unternehmen.
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