Graphite One: Lucid-Verträge ohne Bindungswirkung
Trotz strategischer Partnerschaften und milliardenschwerer Finanzierungszusagen kämpft Graphite One mit einer erheblichen Finanzierungslücke und engen Genehmigungsfristen für sein US-Graphitprojekt.

Kurz zusammengefasst
- Strategische, aber nicht bindende Abkommen mit Lucid Motors
- EXIM-Bank-Finanzierung deckt nur 70 Prozent der Kosten
- Harte Genehmigungsfrist bis Ende September 2026
- Aktie verliert seit Jahresbeginn deutlich an Wert
Zwei Lieferverträge mit Lucid Motors, milliardenschwere Finanzierungszusagen und ein Platz im US-Genehmigungsprogramm FAST-41 — auf dem Papier klingt Graphite Ones Strategie solide. Die Realität ist komplizierter.
Lucid Motors als kommerzieller Anker
Das Herzstück der Vermarktungsstrategie ist die Partnerschaft mit dem Elektroautohersteller Lucid Motors. Im Jahr 2024 schloss Graphite One zunächst einen Abnahmevertrag für synthetisches Graphit ab. Im Juni 2025 folgte ein zweites Abkommen — diesmal für natürliches Graphit-Anodenmaterial, das aus Alaska stammen und im geplanten Ohio-Werk veredelt werden soll.
Im Juli 2025 gründeten beide Unternehmen gemeinsam mit weiteren Partnern die Initiative MINAC — Minerals for National Automotive Competitiveness. Das Ziel: die US-Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen in der Automobillieferkette reduzieren. Der Launch fand auf dem Capitol Hill statt, begleitet von Politikern aus Arizona und Alaska.
Entscheidend für Anleger: Beide Lieferverträge sind rechtlich nicht bindend. Das Unternehmen selbst warnt, dass ein endgültiger Vertrag keineswegs sicher ist.
Ohio-Werk und Finanzierungslücke
Das geplante Verarbeitungswerk im nordöstlichen Ohio steht im Zentrum des Geschäftsmodells. Die US-Exportkreditbehörde EXIM Bank hat unverbindliche Finanzierungsinteressen von insgesamt 2,07 Milliarden USD signalisiert — davon 1,4 Milliarden für das Ohio-Werk und 670 Millionen für die Alaskamine. Das entspräche rund 70 Prozent der geschätzten Gesamtkosten.
Die verbleibenden 30 Prozent verhandelt das Management derzeit mit fünf nordamerikanischen Investmentbanken. Formelle Kreditanträge bei der EXIM Bank erwartet das Unternehmen erst im späteren Verlauf von 2026. Bis dahin bleibt eine erhebliche Finanzierungslücke offen.
Die Zahlen verdeutlichen den Druck: Der Nettoverlust der letzten zwölf Monate liegt bei rund 8,2 Millionen USD, der operative Cashflow ist negativ. Umsätze gibt es noch keine. Im April wurden zudem rund 583.000 Restricted Share Units in Stammaktien umgewandelt — das verwässert bestehende Aktionäre weiter, nur wenige Monate nach einer Kapitalerhöhung von rund 35 Millionen CAD im Februar.
Genehmigungsdruck und Wettbewerb
Die Zeit läuft. Im FAST-41-Programm gilt eine harte Frist: Alle Bundesgenehmigungen müssen bis zum 29. September 2026 vorliegen. Nur dann kann der Baubeginn in Alaska 2027 gehalten werden — und das Ohio-Werk könnte frühestens Anfang 2028 erste Umsätze erzielen.
Die öffentliche Kommentierungsphase für die zentrale Umweltgenehmigung nach Section 404 endete am 15. April. Gemeinden in Alaska haben sich klar dagegen ausgesprochen. Indes hat das US-Handelsministerium im März entschieden, dass chinesische Graphitimporte die heimische Industrie nicht schädigen — ein Schutzschirm durch Strafzölle bleibt damit aus.
Die Aktie notiert bei 0,80 USD und hat seit Jahresbeginn rund 32 Prozent verloren. Mit dem Abschluss der Kommentierungsphase und laufenden Bankgesprächen entscheiden die nächsten Wochen darüber, ob das Projekt seinen engen Zeitplan noch halten kann.
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