Heidelberger Druck: 762 Millionen Auftragspolster gestützt
Heidelberger Druckmaschinen hält trotz schwachem ersten Quartal an der Jahresprognose fest und verweist auf 762 Millionen Euro Auftragsbestand.

Kurz zusammengefasst
- 762 Millionen Euro Auftragsbestand
- Erstes Quartal mit deutlichem Ergebnisrückgang
- Jahresziele vom Vorstand bekräftigt
- Christoph Burkhard wird neuer Finanzvorstand
Heidelberger Druckmaschinen hat am Dienstag auf der German Select VIII Conference den Umbau zum Technologiekonzern verteidigt. Im Mittelpunkt der Präsentation stand ein Auftragsbestand von 762 Millionen Euro und ein Book-to-bill-Verhältnis von rund 1,3 – ein Signal, dass mehr Bestellungen eingehen als abgearbeitet werden.
Für Anleger ist das die zentrale Botschaft: Trotz eines schwachen Auftaktquartals sieht das Management die Basis für die kommenden Monate als tragfähig an.
Das Unternehmen ordnete den Wert bewusst in den Kontext seiner Diversifizierung ein. Neben dem klassischen Druckmaschinengeschäft treibt Heidelberg den Einstieg in Drohnenabwehr und Energiespeicher voran – Geschäftsfelder, die mittelfristig für zusätzliche Erlösquellen jenseits des margenschwachen Print-Geschäfts sorgen sollen. Auf der Konferenz verwies das Management zugleich offen auf die schwächeren Zahlen des ersten Quartals des Geschäftsjahres 2026/2027.
Schwaches Quartal, bestätigte Jahresprognose
Die Zahlen, die das Unternehmen vor rund zwei Wochen vorgelegt hatte, zeigen den Ernst der Lage im Kerngeschäft: Der Umsatz fiel auf 404 Millionen Euro nach 466 Millionen Euro im Vorjahresquartal, der Auftragseingang sank auf 537 Millionen Euro nach 560 Millionen Euro.
Die bereinigte EBITDA-Marge brach auf 0,2 Prozent nach 4,4 Prozent ein, unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 32 Millionen Euro nach 11 Millionen Euro im Vorjahr. Der Free Cashflow lag bei minus 77 Millionen Euro.
Als Hauptgrund für die Schwäche nannte das Management den Wegfall eines italienischen Förderprogramms für den Bereich Print & Packaging, das im Vorjahr noch Bestellungen begünstigt hatte.
Trotz des Rückgangs hielt Heidelberger Druckmaschinen an der Jahresprognose fest: Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand einen stabilen Konzernumsatz auf Vorjahresniveau und eine spürbare Verbesserung der bereinigten EBITDA-Marge, auch wenn die Rahmenbedingungen nach eigener Einschätzung herausfordernd bleiben.
Nach Veröffentlichung der Quartalszahlen war der Aktienkurs zunächst unter Druck geraten. Warburg Research bestätigte am Tag der Zahlenvorlage sein Rating „Buy“ für das Papier – ein Signal, dass das Analysehaus trotz der schwachen operativen Entwicklung an seiner positiven Einschätzung festhielt.
Personalwechsel an der Spitze der Finanzabteilung
Der Auftragspolster und die Strategie-Präsentation fallen in eine Phase des personellen Umbruchs. Am vergangenen Mittwoch hatte Heidelberger Druckmaschinen bekanntgegeben, dass Christoph Burkhard mit Wirkung zum 1. Oktober zum neuen Finanzvorstand berufen wird. Der bisherige CFO Volker Herdin geht zum 30. September in den Ruhestand. Burkhard wechselt von Wacker Neuson, wo er noch bis Ende August als CFO amtiert.
Der Kurs der Aktie hat sich seit der Bestellung Burkhards um 4,8 Prozent erholt, seit der Quartalsmitteilung um 7,4 Prozent und seit der vor über einem Monat vollzogenen Übernahme von manroland sheetfed um 10,4 Prozent.
Am Freitag schloss das Papier bei 1,54 Euro, ein Plus von 1,7 Prozent auf Tagessicht. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Zuwachs von 11 Prozent zu Buche – seit Jahresbeginn bleibt mit minus 24 Prozent aber ein deutliches Minus.
Die Kombination aus operativer Schwäche im Kerngeschäft und der Wette auf neue Technologiefelder bleibt der bestimmende Spannungsbogen für die Aktie. Der Auftragsbestand von 762 Millionen Euro liefert dabei zumindest ein Argument dafür, dass der Umbau nicht auf Sand gebaut ist.
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