Heidelberger Druck: ONBERG startet Produktion im April
Heidelberger Druckmaschinen legt im Juni 2026 erstmals detaillierte Zahlen zur neuen Verteidigungssparte vor. Das Joint Venture ONBERG steht vor der Bewährungsprobe.

Kurz zusammengefasst
- Strategieausblick mit Defence-Detailzahlen
- ONBERG-Produktion gestartet, Verträge fehlen
- Marge unter Prognose durch Defence-Aufbau
- Aktie nahe Jahrestief bei 1,49 Euro
Für Heidelberger Druckmaschinen wird es ernst. Im Juni 2026 legt der Vorstand den Strategieausblick und die Finanzprognose vor. Erstmals mit Detailzahlen zur neuen Verteidigungssparte. Der Termin wird zur ersten Bewährungsprobe.
Joint Venture ONBERG: Produktion läuft, Verträge warten
Im Zentrum steht das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems. Gemeinsam mit Ondas Autonomous Systems will Heidelberg autonome Drohnenabwehrsysteme entwickeln und fertigen. Mitte April 2026 startete der operative Betrieb in Brandenburg an der Havel. Auf 30.000 Quadratmetern sollen künftig Abwehrsysteme vom Band laufen – bisher fertigten dort 380 Mitarbeiter Präzisionsteile für Druckmaschinen.
Das regulatorische Umfeld hilft: Das KRITIS-Dachgesetz zwingt rund 2.000 deutsche Einrichtungen zu besserem Schutz kritischer Infrastruktur. ONBERG zielt genau auf diesen Markt.
Doch ein Problem bleibt: Heidelberg steckt noch in der Demonstrationsphase. Messbare Vertragsabschlüsse fehlen. Nennenswerte Umsätze aus der Drohnenabwehr erwartet das Management erst in der zweiten Jahreshälfte 2026. Der operative Break-even soll rund zwölf Monate nach dem vollständigen Produktionshochlauf kommen.
Defence kostet Geld – und drückt die Marge
Der Aufbau des neuen Standbeins belastet das Ergebnis. Die vorläufige bereinigte EBITDA-Marge liegt bei 6,6 Prozent – unter der Prognose von 7,1 Prozent. Vier Gründe nennt das Unternehmen: vorgezogene Defence-Aufwendungen, ein gesunkener Iran-Konflikt, ein ungünstiger Produktmix und Währungsgegenwind.
Der operative Cashflow fiel mit 36 Millionen Euro schwach aus – 77 Millionen weniger als im Vorjahr. Ursache: der Margenrückgang und geringere Kundenanzahlungen.
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Immerhin: Die Bilanzsituation bleibt stabil. Das Geschäftsjahr endete mit einer positiven Nettofinanzposition von rund 39 Millionen Euro. Die Banken verlängerten die Kreditlinie vorzeitig bis 2030. Beim Umsatz erreichte Heidelberg das Ziel, auch Auftragseingang und Funktionskosten liegen im Plan.
Vincorion-Partnerschaft als zweites Standbein
ONBERG ist nicht der einzige Rüstungsschritt. Schon im Sommer 2025 schloss Heidelberg eine Zusammenarbeit mit Vincorion – zur Fertigung von Energiesystemen für Kampfjets. So entsteht innerhalb weniger Monate eine erkennbare Defence-Sparte, die das Kerngeschäft ergänzt.
Bisher liefert die Verteidigungssparte weniger als zwei Prozent zum Gesamtumsatz. Das Management sieht darin eine notwendige Diversifizierung, um die Abhängigkeit vom zyklischen Druckmarkt zu senken.
Führung verlängert, Aktie unter Druck
Der Aufsichtsrat unterstützt den Transformationskurs: CEO Jürgen Otto wurde bis Juli 2029 verlängert, CSO Dr. David Schmedding bis Juni 2031. Ein klares Signal für Kontinuität.
Die Aktie krebst in der Nähe von 1,49 Euro – die 100-Tage-Linie ist nach unten gekreuzt. Auf Jahressicht steht ein Minus von rund 27 Prozent.
Am 2. Juni 2026 schauen Anleger nun gespannt auf die Detailzahlen zur Defence-Sparte. Bisher dominierte die Erwartung. Dann kommen die Fakten auf den Tisch.
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