Hellofresh Aktie: Analysten tief gespalten
Umsatz- und Gewinnrückgang bei Hellofresh im zweiten Quartal. Analystenmeinungen zur Aktie gehen weit auseinander, während der Konzern seine Jahresziele bestätigt.

Kurz zusammengefasst
- Umsatz sinkt um 7,8 Prozent
- Analysten: Verkaufsempfehlung vs. 140% Potenzial
- Jahresprognose für EBITDA bestätigt
- Rückzug aus Italien und Spanien
HelloFresh hat seine Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt — und liefert damit auch den Stoff für eine seltene Kontroverse unter Analysten. Während die DZ Bank zum Verkauf rät, sieht Jefferies bei der Aktie ein Kurspotenzial von über 140 Prozent. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich derzeit die gesamte Einschätzung zum Kochboxenversender.
Der Konzernumsatz sank im zweiten Quartal währungsbereinigt um 7,8 Prozent auf rund 1,55 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA fiel um fast ein Viertel auf etwa 121 Millionen Euro.
Unter dem Strich blieb dem Konzern ein Gewinn von nur noch 2,8 Millionen Euro, nach 13,3 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Aktie gab daraufhin im XETRA-Handel nach, zeitweise um bis zu 2,7 Prozent auf 3,34 Euro.
Prognose bestätigt, Ton vorsichtiger
Trotz der schwachen Zahlen hält das Management um Konzernchef Dominik Richter an der Jahresprognose für das bereinigte EBITDA fest — die Spanne von 375 bis 425 Millionen Euro bleibt unverändert.
Beim Umsatz rechnet HelloFresh nun aber eher mit dem unteren Ende der bisherigen Zielspanne von minus 3 bis minus 6 Prozent. Die Bestellzahlen gingen im Jahresvergleich deutlich zurück, während der durchschnittliche Bestellwert währungsbereinigt um 6,5 Prozent auf rund 71 Euro stieg.
Für JPMorgan-Analyst Marcus Diebel decken sich die Kennziffern weitgehend mit den Erwartungen, das operative Geschäft entwickle sich aber schwach. Jefferies-Analyst Giles Thorne sieht die Erwartungen ebenfalls erfüllt und geht davon aus, dass der Markt die vorsichtigeren Aussichten bereits eingepreist hat.
Strategisch treibt HelloFresh sein Effizienzprogramm voran: 85 Prozent der geplanten Sparmaßnahmen im Umfang von 300 Millionen Euro waren bis Ende Juni umgesetzt, zusätzlich rechnet der Konzern für 2026 mit Einsparungen von 140 Millionen Euro.
Parallel zieht sich das Unternehmen aus den Märkten Italien und Spanien zurück und hat im Juli eine Anleihe über 350 Millionen Euro mit einem Kupon von 5,5 Prozent platziert, um seine Finanzierungsstruktur zu verbreitern.
Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast 45 Prozent an Wert verloren, auf Zwölfmonatssicht liegt das Minus bei rund 60 Prozent. Weitere Hinweise zur Nachfrageentwicklung erwartet das Unternehmen von der saisonal wichtigen Back-to-School-Kampagne im zweiten Halbjahr — laut den Präsentationsunterlagen könnte das AEBITDA im dritten Quartal um 10 bis 20 Millionen Euro über dem Vorjahreswert liegen, sofern die Kampagne wie geplant verläuft.
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