Hellofresh Aktie: Der Gewinn kommt aus dem Werbe-Rotstift
Weniger Werbung stützt das Quartalsergebnis, während Bestellvolumen und Deckungsbeitragsmarge nachgeben.

Kurz zusammengefasst
- Bereinigtes EBITDA über Analystenschätzung
- Werbeausgaben um 24,1 Prozent gesunken
- Bestellungen um 17,9 Prozent zurückgegangen
- Umsatzprognose für 2026 bestätigt
Hellofresh übertrifft im dritten Quartal die Gewinnerwartungen, doch die Zahlen haben einen Haken: Das Ergebnis stützt sich vor allem auf gekürzte Marketingausgaben. Die Bestellungen gingen dafür deutlich zurück.
Marketing gekürzt, Bestellungen sinken
Das bereinigte EBITDA lag bei 54,4 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 49 Millionen Euro gerechnet. Währungsbereinigt stieg der Wert um 26,3 Prozent auf 50,9 Millionen Euro.
Die Werbeausgaben sanken um 24,1 Prozent. Die Folge zeigt sich beim Volumen: Die Zahl der Bestellungen fiel um 17,9 Prozent auf 19,6 Millionen. Vor allem in der Back-to-School-Phase gewann das Unternehmen weniger Neukunden, was es selbst auf das geringere Marketingbudget zurückführt.
Teilweise fing der Warenkorb den Rückgang auf. Der durchschnittliche Bestellwert legte währungsbereinigt um 7,5 Prozent auf 70,50 Euro zu, getragen von selektiven Preiserhöhungen, mehr Zusatzkäufen und einem höheren Anteil an Premium-Rezepten.
Umsatz im Plan, Marge unter Erwartung
Der Umsatz betrug 1,43 Milliarden Euro und lag leicht über der Konsensschätzung. Währungsbereinigt ging er um 11,3 Prozent zurück. Bei den Kochboxen sank er um 13,1 Prozent, bei den Fertiggerichten um 11,1 Prozent.
Schwächer fiel die Deckungsbeitragsmarge aus. Der Deckungsbeitrag blieb mit 331,6 Millionen Euro unter den erwarteten 346,9 Millionen Euro. Die Marge sank auf 23,3 Prozent von 24,5 Prozent im Vorjahr.
Die Segmente entwickeln sich unterschiedlich. Die Kochboxen verbesserten ihre bereinigte EBITDA-Marge auf 10,7 Prozent, nach 9,4 Prozent. Das Fertiggerichtegeschäft erreichte die Gewinnschwelle, nachdem es vor einem Jahr noch 21,6 Millionen Euro Verlust geschrieben hatte. Belastet wurde es zugleich durch vorübergehende Probleme bei Beschaffung, Zubereitung und Auslieferung infolge der schnellen Menüerweiterung.
Vorerst kein Wachstumsgas
Konzernchef Dominik Richter bremst die Erwartungen an eine rasche Wachstumsoffensive. Man müsse zunächst die operativen Ineffizienzen beheben, bevor man wieder in Wachstum investiere. Für 2026 hat er zwei Ziele: eine zweistellige Marge bei den Kochboxen und die Rückkehr der Fertiggerichte in die Gewinnzone.
Finanziell steht das Unternehmen stabiler da. Der freie Cashflow war mit minus 5,7 Millionen Euro nur noch knapp negativ, nach minus 80,7 Millionen Euro im Vorjahr. Im August zahlte Hellofresh eine Darlehenstranche von 72,8 Millionen Euro zurück und verlängerte die auf 375 Millionen Euro ausgelegte Kreditlinie bis Oktober 2030.
Die Prognose bestätigt das Unternehmen: Der Umsatz soll währungsbereinigt um 9 bis 11 Prozent sinken, das bereinigte EBITDA bei 350 bis 370 Millionen Euro liegen. Die Aktie schloss zuletzt bei 2,99 Euro.
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