Hensoldt Aktie: 4,7 Milliarden Auftragseingang plus 62 Prozent
Rüstungskonzern Hensoldt kämpft mit Rekordaufträgen und Produktionsengpässen. Milliarden-Investitionen sollen die Fertigungskapazitäten bis 2027 ausbauen.

Kurz zusammengefasst
- Auftragsbestand von 8,8 Milliarden Euro
- Eine Milliarde für neue Radar-Werke
- Kooperation mit Aumovio für Fachkräfte
- Quartalszahlen am 6. Mai erwartet
Volle Auftragsbücher garantieren noch keine Gewinne. Bei Hensoldt stauen sich Bestellungen im Wert von 8,8 Milliarden Euro. Die Fertigung kommt aktuell kaum hinterher. JPMorgan sieht genau hier das zentrale Risiko für die Aktie.
Seit dem Rekordhoch im Oktober 2025 hat das Papier rund 34 Prozent an Wert verloren. Aktuell pendelt der Kurs bei knapp 76 Euro. Analyst David Perry von JPMorgan belässt seine Einstufung auf „Neutral“. Sein Kursziel liegt bei 85 Euro. Er betrachtet den Rücksetzer als Einstiegschance. Er warnt aber vor Umsetzungsrisiken.
Rekordaufträge treffen auf Flaschenhals
Im vergangenen Jahr sammelte der Rüstungskonzern Neuaufträge für 4,7 Milliarden Euro ein. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum lediglich um zehn Prozent. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,9 verdeutlicht das Problem. Für jeden abgerechneten Euro landen fast zwei Euro an neuen Bestellungen in den Büchern.
Die Bundesregierung liefert indes weiteren Rückenwind. Das Kabinett beschloss kürzlich einen deutlich höheren Wehretat. Die Ausgaben sollen im Jahr 2027 auf knapp 106 Milliarden Euro steigen. Langfristig bietet das eine solide Perspektive für Hensoldt. Kurzfristig muss das Management jedoch die Produktionskapazitäten drastisch erhöhen.
Eine Milliarde für neue Kapazitäten
CEO Oliver Dörre steuert mit dem Programm „Operations 2.0“ gegen. Bis 2027 fließt rund eine Milliarde Euro in den Ausbau der Fertigung. Der Plan umfasst neue Radar-Werke und moderne IT-Systeme. Parallel dazu sucht das Unternehmen massiv Personal.
Ein ungewöhnlicher Schritt hilft bei der Talentgewinnung. Hensoldt kooperiert mit dem Technologieunternehmen Aumovio. Das Ziel: Hunderte Fachkräfte aus der kriselnden Automobilindustrie sollen in die Rüstungsfertigung wechseln. Eine langfristige Liefervereinbarung sichert obendrein kritische Halbleiterbauteile ab.
Quartalszahlen bringen bald Klarheit
Der nächste Prüfstein folgt am 6. Mai. Dann präsentiert Hensoldt den Zwischenbericht für das erste Quartal. Analysten erwarten einen Umsatz von rund 493 Millionen Euro. Das entspräche einem Wachstum von knapp 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wenige Wochen später steht die Hauptversammlung an. Am 22. Mai stimmen die Aktionäre über die Gewinnbeteiligung ab. Das Management hat eine Dividende von 0,55 Euro je Aktie vorgeschlagen. Ein starkes Quartalsergebnis im Vorfeld dürfte die Zustimmung der Investoren zu diesem Expansionskurs sichern.
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