Hensoldt Aktie: Auftragsbestand über 10 Milliarden

Hensoldt steigert im ersten Halbjahr Aufträge, Umsatz und EBITDA deutlich, während die Aktie wegen Sektorbewertungen und Politik nachgibt.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung moderner Verteidigungstechnologie und industrieller Präzision bei Sonnenuntergang. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Auftragseingang im Halbjahr verdoppelt
  • Auftragsbestand über zehn Milliarden Euro
  • Nedinsco-Übernahme im Juni vollzogen
  • Insider veräußert 10.000 Hensoldt-Aktien

Hensoldt-Aktionäre erleben derzeit einen Kontrast, der viele überrascht: Während der Rüstungskonzern operativ so stark dasteht wie selten zuvor, gibt der Kurs seit Wochen nach.

Am Mittwoch schloss das Papier bei 77,12 Euro, nach einem 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro im Oktober des Vorjahres liegt der Abstand mittlerweile bei 34 Prozent. Der jüngste Rücksetzer speist sich aus Gewinnmitnahmen im gesamten Rüstungssektor, ausgelöst durch hohe Bewertungen und politische Unsicherheit über die künftigen deutschen Verteidigungsausgaben.

Zahlen sprechen eine andere Sprache

Die operative Entwicklung von Hensoldt bietet für diese Skepsis eigentlich wenig Anhaltspunkte. Im ersten Halbjahr verdoppelte sich der Auftragseingang auf 2.812 Millionen Euro gegenüber 1.405 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand kletterte dadurch erstmals über die Marke von 10 Milliarden Euro, konkret auf 10.356 Millionen Euro.

Der Umsatz legte um 23,6 Prozent auf 1.167 Millionen Euro zu, das bereinigte EBITDA wuchs um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro. Das Management bestätigte die Jahresziele: Umsatz von rund 2.750 Millionen Euro, ein Book-to-Bill-Verhältnis zwischen 1,5 und 2,0 sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0 Prozent.

Ergänzend hatte das Unternehmen im Juni die Cashflow-Prognose für das laufende Jahr angehoben: Die freie Cashflow-Konversion soll von rund 40 Prozent auf etwa 50 Prozent des bereinigten EBITDA steigen. Als Treiber nannte Hensoldt höhere Kundenvorauszahlungen und beschleunigte Beschaffungsprozesse in Deutschland. Das Ziel einer Nettoverschuldung vom 1,5-Fachen des EBITDA blieb dabei unverändert bestehen.

Übernahme abgeschlossen, Dividende erhöht

Auch strukturell hat Hensoldt zuletzt Weichen gestellt. Im Juni schloss der Konzern die Übernahme des niederländischen Optronik-Spezialisten Nedinsco ab, nachdem alle behördlichen Genehmigungen vorlagen. Rund 140 Mitarbeiter an den Standorten Venlo und Eindhoven wurden integriert, finanziert aus Eigenmitteln. Seit September ist zudem der Logistikstandort Wolfhagen im Rahmen des ZEBEL-Projekts operativ.

Auf der Hauptversammlung im Mai stimmten die Aktionäre zudem einer Dividendenerhöhung für das Geschäftsjahr 2025 zu: Die Ausschüttung stieg um 10 Prozent auf 0,55 Euro je Aktie, mit großer Mehrheit bei allen Beschlussvorschlägen. Die Auszahlung erfolgte bereits Ende Mai.

Insider-Verkauf als weiteres Signal

Für zusätzliche Verunsicherung sorgte eine Insider-Transaktion Mitte August: Aufsichtsratsvorsitzender Reiner Winkler verkaufte 10.000 Aktien zu einem Preis von 94,71 Euro, was einem Gesamtvolumen von rund 947.000 Euro entsprach. Solche Verkäufe von Führungskräften werden von Marktteilnehmern häufig kritisch beäugt, auch wenn sie allein noch keine fundamentale Bewertung des Unternehmens rechtfertigen.

Insgesamt zeigt sich damit ein Bild, in dem operative Stärke und Kursentwicklung deutlich auseinanderlaufen. Auftragslage, Umsatzwachstum und Margenausweitung sprechen für ein intaktes Geschäftsmodell. Die Kursschwäche der vergangenen Wochen erklärt sich vor allem aus sektorweiten Bewertungsanpassungen und politischer Unsicherheit rund um die Verteidigungshaushalte – nicht aus unternehmensspezifischen Problemen bei Hensoldt selbst.

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Hensoldt Aktie

76,92 EUR

+ 0,56 EUR +0,73 %
KGV 72,82
KUV 3,25
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,74 %
Marktkapitalisierung 8,88 Mrd. EUR
Ø Kursziel 91,81 EUR
ISIN: DE000HAG0005 WKN: HAG000

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