Hensoldt Aktie: Bosch-Zentrum schafft 300 Stellen

Hensoldt gründet mit Bosch ein Kompetenzzentrum in Leinfelden, um 300 Fachkräfte aus der Autoindustrie für vernetzte Wehrtechnik zu gewinnen.

Eduard Altmann ·
Hensoldt Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kooperation mit Bosch vereinbart
  • 300 neue Stellen geplant
  • Auftragsbestand erreicht Rekordhoch
  • Analysten bewerten Aktie unterschiedlich

Der Rüstungselektronik-Konzern Hensoldt baut seine Verbindungen zur Automobilindustrie weiter aus. Wie das Unternehmen heute bekannt gab, haben Hensoldt und Bosch eine Kooperationsvereinbarung zur Errichtung eines neuen Kompetenzzentrums für „Software-Defined Defence“ unterzeichnet. Der Standort entsteht in Leinfelden in der Region Stuttgart, unmittelbar im Umfeld der Bosch-Zentrale. Ziel der Partnerschaft ist es, rund 300 neue Stellen zu schaffen und gezielt Fachkräfte aus der Automobilbranche für die Entwicklung vernetzter Verteidigungssysteme zu gewinnen.

Die Kooperation fällt in eine Phase, in der Hensoldt operativ auf Rekordkurs liegt und zugleich Kapazitäten für sein Wachstum aufbauen muss. Mit dem Zugriff auf Software- und Elektronik-Know-how aus der Automobilzulieferindustrie will der Konzern die Entwicklung digitaler, vernetzter Wehrtechnik beschleunigen – ein Feld, das angesichts steigender Verteidigungsbudgets in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Auftragsbestand auf Rekordniveau

Erst am Freitag hatte Hensoldt seinen Halbjahresfinanzbericht vorgelegt und darin eindrucksvolle Zuwächse präsentiert. Der Auftragseingang verdoppelte sich auf 2,81 Milliarden Euro, verglichen mit 1,41 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand kletterte auf eine Rekordmarke von 10,36 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um 23,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu, das bereinigte EBITDA erreichte 137 Millionen Euro bei einer Marge von 11,8 Prozent. Das Management bestätigte die Jahresprognose 2026 mit einem angestrebten Umsatz von etwa 2,7 Milliarden Euro.

Bereits Anfang Juni hatte der Konzern seine Prognose für den bereinigten Free Cashflow angehoben und zugleich das Ziel für den Nettoverschuldungsgrad bekräftigt – ein Signal, dass das Wachstum nicht zulasten der Bilanzqualität geht. Ende Juni musste Hensoldt zudem die operativen und finanziellen Folgen der offiziellen Beendigung des F126-Fregattenprogramms prüfen, ein Rückschlag, der die Dynamik im Kerngeschäft bislang jedoch nicht gebremst hat.

An der Börse zeigt sich die Erholung deutlich: Die Aktie notiert aktuell bei 88,40 Euro und legt am heutigen Handelstag um 0,96 Prozent zu. Binnen 30 Tagen hat das Papier bereits über 10 Prozent gewonnen. Vom im Oktober erreichten 52-Wochen-Hoch bleibt der Titel jedoch weiterhin rund ein Viertel entfernt – ein Hinweis darauf, dass die Bewertungsdiskussion unter Analysten trotz der starken operativen Zahlen nicht ausgestanden ist.

Analysten uneins über Bewertung

Genau diese Diskussion zeigte sich am Freitag in gegensätzlichen Einschätzungen zweier Häuser. JP Morgan-Analyst David Perry beließ seine Einstufung bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 85,00 Euro und verwies auf die im Branchenvergleich bereits hohe Bewertung trotz des kräftigen Auftragsbooms. Deutlich kritischer positionierten sich die Analysten von mwb research: Sie bestätigten ihre „Sell“-Empfehlung mit einem Kursziel von 62,00 Euro und bezweifelten die Nachhaltigkeit der aktuellen Auftragseingänge. Die derzeitige Bewertung, so ihre Argumentation, preise bereits einen mehrjährigen Zyklus ein, der sich erst noch bestätigen müsse.

Für Anleger bleibt die Gemengelage damit zweigeteilt: Auf der operativen Seite liefert Hensoldt Rekordzahlen und erweitert mit der Bosch-Kooperation seine technologische Basis für künftiges Wachstum. Auf der Bewertungsseite mahnen Skeptiker zur Vorsicht angesichts der bereits gestiegenen Kurse. Richtung geben dürften die kommenden Termine: Am 5. November steht die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal an, gefolgt vom Kapitalmarkttag in London am 10. November, auf dem der Konzern seine mittelfristigen Ziele weiter schärfen dürfte.

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Hensoldt Aktie

87,48 EUR

+ 0,04 EUR +0,05 %
KGV 98,80
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,64 %
Marktkapitalisierung 9,93 Mrd. EUR
ISIN: DE000HAG0005 WKN: HAG000

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