Hensoldt Aktie: JPMorgan hebt Kursziel auf 100 Euro

Rüstungskonzern Hensoldt meldet Rekordauftragsbestand und starkes Wachstum, doch die Aktienbewertung gilt nach dem Kursanstieg als ambitioniert.

Dr. Robert Sasse ·
Hensoldt Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordbestand von 10,4 Milliarden Euro
  • Umsatzplus von 22 Prozent im Q2
  • Analysten warnen vor überhitzter Bewertung
  • Bosch-Kooperation für Softwarezentrum geplant

Zehn Milliarden Euro Auftragsbestand, ein Umsatzsprung von 22 Prozent im zweiten Quartal, ein Aktienkurs, der binnen 30 Tagen um 29 Prozent zugelegt hat – Hensoldt liefert derzeit alles, was ein Anleger sich wünschen kann. Und doch stellt sich für mich die Frage, ob die Aktie mit aktuell 95,26 Euro nicht bereits einen Teil der Zukunft vorwegnimmt, die das Unternehmen erst noch abarbeiten muss.

Die operativen Zahlen sprechen für sich

Der Auftragsbestand hat mit gut 10,4 Milliarden Euro ein historisches Hoch erreicht, wie Hensoldt am Freitag mitteilte. Im ersten Halbjahr verdoppelte sich der Auftragseingang auf rund 2,8 Milliarden Euro, allein im zweiten Quartal legte er um 89 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro zu.

Der Umsatz kletterte im selben Zeitraum um 22 Prozent auf 671 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA lag bei 93 Millionen Euro. Das Unternehmen bestätigte zudem seine Jahresguidance mit einem angepeilten Umsatz von rund 2.750 Millionen Euro und einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent.

Diese Größenordnungen sind kein Zufallstreffer, sondern das Ergebnis eines strukturell gewachsenen Auftragsvolumens – für mich der eigentliche Beleg dafür, dass hier mehr passiert als ein kurzfristiger Rüstungshype.

Ergänzt wird das operative Bild durch strategische Substanz: Zusammen mit Bosch baut Hensoldt in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart ein Ingenieurszentrum auf, das sich auf Software-Architekturen für vernetzte, updatefähige Verteidigungssysteme konzentrieren soll.

Der Bezug ist bis Jahresende geplant, bis Ende 2027 sollen rund 300 Stellen entstehen. Das ist kein PR-Coup, sondern ein Signal, dass Hensoldt seine Position in der Softwarelogik moderner Wehrtechnik ausbauen will – ein Feld, das langfristig margenstärker sein dürfte als klassische Hardwarefertigung.

Skepsis kommt ausgerechnet von den Analysten

Interessant wird es, wenn man auf die Reaktionen der Analysten schaut. Anfang August hob JPMorgan sein Kursziel von 85 auf 100 Euro an, beließ die Einstufung aber bei „Neutral“. Jefferies ging in die andere Richtung: Das Haus stufte die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ zurück, hob das Kursziel aber ebenfalls leicht von 94 auf 98 Euro an.

Diese Kombination aus steigenden Kurszielen und vorsichtigeren Einstufungen ist für mich ein klares Signal: Selbst Analysten, die die operative Stärke anerkennen, sehen die Bewertung nach dem jüngsten Anstieg als ziemlich ausgereizt an.

Christian Cohrs von Warburg Research äußerte sich damals ähnlich zurückhaltend und wertete den verdoppelten Auftragseingang sowie den Rekordbestand als teilweise vorübergehende Effekte – eine Einschätzung, die zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung Anfang August durchaus Gewicht hatte.

Was die Kursdaten verraten

Der Kurs steht bei 95,26 Euro, ein Plus von 3,2 Prozent allein am heutigen Tag. Auf Sicht von 30 Tagen beträgt der Zuwachs 29 Prozent, seit Jahresbeginn ebenfalls 30 Prozent.

Zum 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro, erreicht im Oktober vergangenen Jahres, fehlen der Aktie aber immer noch 19 Prozent – ein Hinweis darauf, dass trotz der Rally noch Luft nach oben bestünde, sollte sich das Momentum fortsetzen.

Gleichzeitig liegt der RSI bei 73 Punkten, ein Wert, der auf eine kurzfristig überkaufte Situation hindeutet. Für mich unterstreicht das die Position der Analysten: Die fundamentale Story stimmt, aber das Tempo der Kursbewegung ist dem Tempo der operativen Verbesserung mittlerweile vorausgeeilt.

Mein Fazit

Hensoldt liefert operativ ab, was der Markt sich von einem europäischen Rüstungswert erhofft: wachsende Aufträge, steigende Umsätze, strategische Partnerschaften mit Substanz. Die Bosch-Kooperation und der Rekordauftragsbestand sind reale, belastbare Fortschritte – keine Ankündigungsrhetorik.

Doch die Diskrepanz zwischen den angehobenen, aber verhalten formulierten Analystenurteilen und der Kursdynamik der vergangenen Wochen spricht dafür, dass ein Teil der guten Nachrichten bereits eingepreist ist. Unterm Strich überwiegt für mich die Einschätzung: Die fundamentale Entwicklung rechtfertigt Optimismus, die aktuelle Kursgeschwindigkeit rechtfertigt Vorsicht.

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Hensoldt Aktie

96,14 EUR

+ 3,86 EUR +4,18 %
KGV 221,67
KUV 3,90
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,60 %
Marktkapitalisierung 10,75 Mrd. EUR
Ø Kursziel 92,37 EUR
ISIN: DE000HAG0005 WKN: HAG000

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