Hensoldt Aktie: Kursziel steigt auf 98 Euro

Jefferies senkt Hensoldt auf 'Hold', hebt aber das Kursziel auf 98 Euro. Rekordauftragsbestand und neue Kooperationen stützen die Aktie.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung moderner Verteidigungstechnologie und Luft- und Raumfahrt mit Fokus auf industrielle Präzision. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Jefferies senkt Einstufung auf 'Hold'
  • Rekordauftragsbestand von über 10 Mrd. Euro
  • Neues Kompetenzzentrum mit Bosch geplant
  • Analystenmeinungen zu Hensoldt stark geteilt

Nach einer kräftigen Erholungsrallye zieht ein Analysehaus die Reißleine: Jefferies stufte Hensoldt am Dienstag von „Buy“ auf „Hold“ herab. Gleichzeitig hoben die Analysten ihr Kursziel von 94,00 auf 98,00 Euro an. Begründet wurde der Schritt mit einem nahezu rekordhohen Bewertungsaufschlag gegenüber dem Sektor, den die Aktie nach der jüngsten Kursrallye erreicht habe, berichtete dpa-AFX.

Die Bewegung kommt nicht aus dem Nichts. Zwischen Ende Juli und Anfang August hatte sich das Papier um rund 12 Prozent erholt, nachdem es unmittelbar nach den Halbjahreszahlen zunächst unter Druck geraten war – Anleger reagierten enttäuscht auf eine leicht unter den Erwartungen liegende EBITDA-Marge. Am Mittwoch schloss die Aktie bei 87,10 Euro, ein Rückgang von 0,66 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 7,77 Prozent, seit Jahresbeginn summiert sich der Kursgewinn auf 18,66 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro, erreicht im Oktober 2025, fehlen der Aktie aktuell 26,00 Prozent.

Rekordauftragsbestand nach starkem Halbjahr

Die Zahlen zum ersten Halbjahr 2026, die den jüngsten Kursausschlag ausgelöst hatten, zeigen ein Unternehmen im Wachstumsmodus. Der Auftragseingang verdoppelte sich auf 2.812 Millionen Euro nach 1.405 Millionen Euro im Vorjahr. Damit überschritt der Auftragsbestand erstmals die Marke von 10 Milliarden Euro und erreichte 10.356 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 23,6 Prozent auf 1.167 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA wuchs um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro bei einer verbesserten Marge von 11,8 Prozent nach 11,3 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Das Management bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr: Erwartet werden ein Umsatz von rund 2.750 Millionen Euro, ein Book-to-Bill-Verhältnis zwischen 1,5 und 2,0 sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19,0 Prozent. Die nächste Standortbestimmung liefert die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal, die für den 5. November angesetzt ist.

Neue Aufträge und Kooperation mit Bosch

Auf der operativen Seite lieferte Hensoldt am Dienstag weiteren Rückenwind. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr erteilte dem Unternehmen einen Serienauftrag zur Lieferung von Ausrüstung für „abgesessene Joint Fire Support Teams“. Das Volumen umfasst Technik zur Zielortung und digitalen Kommunikation im Feld – ein Geschäft, das den zuletzt stark gewachsenen Auftragsbestand weiter untermauert.

Parallel dazu kündigte Hensoldt gemeinsam mit Bosch die Errichtung eines neuen Kompetenzzentrums für „Software-Defined Defence“ am Bosch-Standort Leinfelden bei Stuttgart an. Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung sollen rund 300 Arbeitsplätze entstehen. Gezielt sollen dabei Fachkräfte aus dem Automobilsektor von Bosch für die Rüstungssparte gewonnen werden – ein Signal dafür, wie stark der Personalbedarf in der Verteidigungsbranche inzwischen mit dem Strukturwandel der Autoindustrie verzahnt ist.

Analysten uneins über weiteres Potenzial

Die Einschätzungen der Häuser klaffen weiterhin weit auseinander. Jefferies rät nach der Herabstufung trotz höherem Kursziel nur noch zum Halten, weil die Bewertung dem Sektor gegenüber kaum noch Luft lasse. Am anderen Ende der Skala steht mwb research: Die Analysten bekräftigten am 31. Juli ihre „Sell“-Einschätzung mit einem Kursziel von 62,00 Euro und kritisierten, der Rekordauftragsbestand stamme primär aus auslaufenden Programmen im Bereich Optronik – die aktuelle Bewertung preise ein unrealistisches langfristiges Wachstum ein.

Deutlich optimistischer positionieren sich andere Häuser: Deutsche Bank bestätigte nach Auswertung der Halbjahiszahlen ihre „Buy“-Empfehlung mit einem Kursziel von 101,00 Euro, dem höchsten in der aktuellen Runde. Warburg Research zog nach und hob sein Kursziel auf 94,00 Euro an, Analyst Christian Cohrs verwies dabei auf den herausragenden Auftragseingang im zweiten Quartal als Hauptgrund.

Auch auf der Investorenseite bewegt sich etwas: BlackRock meldete laut Stimmrechtsmitteilung eine Erhöhung seines Anteils an Hensoldt auf 5,12 Prozent der Stimmrechte zum Stichtag 28. Juli. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Fall mit zwei Gesichtern – operativ auf Rekordkurs, bewertungstechnisch aber zunehmend ein Diskussionspunkt unter den Analysten.

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Hensoldt Aktie

76,08 EUR

+ 0,44 EUR +0,58 %
KGV 73,35
KUV 3,31
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,72 %
Marktkapitalisierung 8,79 Mrd. EUR
Ø Kursziel 92,17 EUR
ISIN: DE000HAG0005 WKN: HAG000

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