Hensoldt Aktie: mwb Research rät zum Verkauf

Jefferies sieht Aufwärtspotenzial bei Hensoldt, während mwb Research zum Verkauf rät. Die Aktie bleibt trotz voller Auftragsbücher unter Druck.

Andreas Sommer ·
Hensoldt Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Jefferies erhöht Kursziel auf 94 Euro
  • mwb Research stuft auf Verkaufen herab
  • Auftragsverlust durch Stopp der Fregatten F126
  • Halbjahreszahlen am 31. Juli als Richtungsweiser

Bei Hensoldt driften die Einschätzungen der Analysten gerade so weit auseinander wie selten zuvor. Jefferies sieht bei der Aktie noch klares Aufwärtspotenzial. mwb Research rät dagegen zum Verkauf. Die Aktie schloss am Freitag bei 74,66 Euro, ein Plus von 0,86 Prozent.

Kaufen oder verkaufen?

Jefferies hebt sein Kursziel von 90 auf 94 Euro an und bleibt bei „Kaufen“. Die Begründung: Verteidigungsbudgets verschieben sich weg von schwerem Gerät hin zu komplexer Elektronik und Luftverteidigung. Genau das ist Hensoldts Kerngeschäft.

mwb Research sieht das komplett anders. Die Analysten stufen die Aktie auf „Verkaufen“ herab und nennen ein Kursziel von nur 62 Euro. Ihr Vorwurf: Der Kurs sei eine „Rallye ohne Verträge“. Bereits am 9. Juli hatte mwb Research die Einstufung von Hold auf Sell gesenkt. Die Aktie notierte an diesem Tag bei 74,92 Euro, ein Tagesrückgang von 4,49 Prozent.

Die Bären stützen ihre Kritik auf einen konkreten Fall. Bei einer Bewertung vom rund 18-Fachen des erwarteten EBIT für 2026 sei die Aktie schlicht zu teuer. Besonders dann, wenn lukrative Aufträge an die Konkurrenz gehen. Genau das ist bereits passiert: Der schwedische Rivale Saab hat sich das Radarpaket für die Meko A-200-Fregatten und für IRIS-T SLS gesichert. Das rüttelt am Selbstbild des „nationalen Champions“, der bei deutschen Großprojekten eigentlich gesetzt sein sollte.

Voller Auftragsbuch, trotzdem unter Druck

Trotz voller Auftragsbücher verliert Hensoldt an Börsenwert. Mit einer Marktkapitalisierung von 8,53 Milliarden Euro bleibt das Unternehmen dennoch kein Leichtgewicht.

Ein Grund für die Nervosität: Das Bundesverteidigungsministerium hat das Fregattenprogramm F126 gestoppt. Für Hensoldt bedeutet das den Verlust eines Millionenauftrags. Der Aktienkurs reagierte trotzdem mit einer Erholung – ein Signal, dass der Markt den Schaden bereits eingepreist hatte.

Der Gesamtvertragswert lag bei etwas über 200 Millionen Euro. Mehr als ein Drittel davon hat Hensoldt bereits als Umsatz verbucht. Für 2026 fehlen dem Unternehmen dadurch Erlöse im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Das Management hält trotzdem an den Jahreszielen fest.

Kein Auslaufmodell ist dabei das betroffene Radarsystem TRS-4D. Die Technik läuft bereits auf anderen Marineschiffen wie der F125 und der K130, auch international kommt sie zum Einsatz.

Chart bleibt fragil

Die Kurve spiegelt die Unsicherheit wider. Mit 12 Monaten Rückstand steht die Aktie bei minus 28,42 Prozent, seit Jahresbeginn bei minus 2,28 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 115,10 Euro aus dem Oktober trennen die Aktie inzwischen 35 Prozent.

Nach dem 52-Wochen-Tief bei 63,12 Euro Ende Juni hat sich der Kurs zwar erholt. Der Trend bleibt aber fragil: Die Aktie notiert 2,89 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 76,88 Euro und 6,61 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 79,95 Euro. Beide Durchschnittslinien liegen über dem aktuellen Kurs – ein Signal, dass die mittelfristige Richtung nach unten zeigt.

Die annualisierte Volatilität von 56,38 Prozent zeigt, wie nervös der Markt geworden ist. Der RSI von 49,8 signalisiert dagegen eine neutrale Marktverfassung, ohne Überkauft- oder Überverkauft-Tendenz.

Halbjahreszahlen als Prüfstein

Die gespaltene Analystenmeinung dürfte sich erst mit belastbaren Zahlen auflösen. Am 31. Juli legt Hensoldt die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Dann muss das Management zeigen, dass KI-gestützte Sensorik und Drohnenabwehr nicht nur in Präsentationen glänzen, sondern auch in der Bilanz ankommen.

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Hensoldt Aktie

74,32 EUR

+ 0,10 EUR +0,13 %
KGV 84,90
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,74 %
Marktkapitalisierung 8,53 Mrd. EUR
ISIN: DE000HAG0005 WKN: HAG000

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