Hochtief Aktie: 500-Milliarden-Plan treibt Autmatec-Zukauf
Hochtief kauft Autmatec, meldet internationale Großaufträge und hebt nach starkem Halbjahr das Gewinnziel für 2026 an.

Kurz zusammengefasst
- Autmatec-Übernahme noch genehmigungspflichtig
- Deutsches Auftragsportfolio binnen vier Jahren verdoppelt
- Londoner Stromnetz erhält 60 Kilometer Kabel
- Jahresprognose auf bis zu 1,1 Milliarden angehoben
Der Essener Baukonzern Hochtief treibt seine Neuausrichtung zum Infrastruktur- und Technologiedienstleister weiter voran. Mit dem am Dienstag bekannt gegebenen Erwerb des deutschen Stromübertragungsspezialisten Autmatec sichert sich das Unternehmen eine Schlüsselposition im Bereich der Netzmodernisierung.
Die Akquisition erfolgt vor dem Hintergrund massiver staatlicher Investitionsprogramme und unterstreicht die Strategie, den Anteil margenstarker Projekte in Wachstumsmärkten wie der Energieversorgung und Digitalisierung auszuweiten.
Fokus auf deutsche Energieinfrastruktur
Durch den Zukauf der Autmatec von der Walldorf-Gruppe integriert Hochtief einen Spezialisten, der zuletzt mit rund 80 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 50 Millionen Euro erwirtschaftete. Das 1997 gegründete Unternehmen soll unter der bisherigen Geschäftsführung im Konzern verbleiben und dabei helfen, das deutsche Auftragsportfolio zu bedienen, das sich innerhalb der vergangenen vier Jahre bereits verdoppelt hat. Hochtief zielt dabei insbesondere auf den angekündigten 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturplan der Bundesregierung ab.
Die Transaktion steht derzeit noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Bundeskartellamt. Über den Kaufpreis vereinbarten die beteiligten Parteien Stillschweigen. Die Übernahme markiert einen weiteren Schritt, um von globalen Megatrends wie der Dekarbonisierung und der Energiewende zu profitieren.
Bereits vor rund einem Monat hatte die Ratingagentur S&P Global Ratings das Kreditrating von Hochtief auf „BBB“ angehoben und dabei das disziplinierte Finanzmanagement sowie die klare Ausrichtung auf nachhaltige Mobilität und Kernenergie gewürdigt.
Internationales Auftragsmomentum in London und Australien
Parallel zur Expansion im Heimatmarkt vermeldet der Konzern bedeutende Erfolge im Ausland. Am 24. August erhielt ein Joint Venture unter Beteiligung von Hochtief den Zuschlag von National Grid für ein umfangreiches Projekt zur Erweiterung des Londoner Stromnetzes.
Die Arbeiten umfassen die Installation von 60 Kilometern Hochspannungskabeln sowie die Modernisierung von Umspannwerken. Dieses Vorhaben ist für die britische Hauptstadt von hoher strategischer Relevanz, da es den Anschluss von fünf neuen Rechenzentren mit einer Gesamtlast von einem Gigawatt ermöglichen soll.
Auch im asiatisch-pazifischen Raum bleibt die Tochtergesellschaft CIMIC aktiv. Die Konzerntochter UGL wurde Ende August für eine Digital-Infrastruktur-Initiative des Anbieters Vocus ausgewählt.
In Australien sicherte sich die Tochter CPB Contractors zudem den Auftrag für den Kapazitätsausbau des Townsville Correction Centre. Diese Projekterfolge spiegeln sich in einem Rekordauftragsbestand wider, der zum Ende des ersten Halbjahres auf 84,8 Milliarden Euro angewachsen ist.
Rekordbestände stützen angehobene Jahresziele
Die operative Dynamik findet Rückhalt in den Finanzdaten. Wie das Unternehmen bereits Ende Juli berichtete, stieg der operative Nettogewinn im ersten Halbjahr 2026 um 35 Prozent auf 480 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte in diesem Zeitraum auf 20,1 Milliarden Euro.
Aufgrund der starken Auftragslage in den Bereichen Datenzentren und Energieinfrastruktur hob das Management die Prognose für das Gesamtjahr an. Erwartet wird nun ein operativer Nettogewinn zwischen 1,025 Milliarden und 1,1 Milliarden Euro.
An der Börse zeigt sich die Aktie am heutigen Freitag stabil und notiert bei 424,40 Euro, was einem leichten Plus von 0,1 Prozent entspricht. Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 27 Prozent zulegen und unterstreicht damit den langfristigen Aufwärtstrend des Konzerns.
Den nächsten detaillierten Einblick in die Geschäftsentwicklung wird das Unternehmen am 5. November mit der Vorlage des Zwischenberichts für die ersten neun Monate des Jahres geben.
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