Hormuz-Blockade trifft Shell und TotalEnergies — Deutsche Rohstoff trotzt dem Druck

Die Blockade der Straße von Hormuz trifft Shell und TotalEnergies mit Produktionskürzungen und Preisdruck, während der Mittelständler Deutsche Rohstoff seine Gewinnprognose verdreifacht.

Eduard Altmann ·
Shell Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Shell senkt Gasprognose, BP in Governance-Krise
  • TotalEnergies verlängert freiwilligen Spritpreisdeckel
  • Deutsche Rohstoff verdreifacht EBITDA-Prognose für 2026
  • Kommende Hauptversammlungen als wichtige Stimmungstests

Die Straße von Hormuz ist zum Nadelöhr für den gesamten Ölsektor geworden. Rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Raffinerieprodukte pro Tag stecken fest — die Folgen treffen Europas Energieriesen mit voller Wucht. Shell kürzt die Gasprognose, TotalEnergies deckelt Spritpreise, BP steckt in einer Governance-Krise. Und mittendrin liefert ein Heidelberger Mittelständler eine Gewinnprognose, die aufhorchen lässt.

Shell: Gasproduktion gekappt, Raffineriemargen steigen

Shell veröffentlichte heute ein operatives Update für das erste Quartal 2026 — mit gemischten Signalen. Die Prognose für das Segment Integrated Gas wurde auf 880.000 bis 920.000 Barrel Öläquivalent pro Tag gesenkt. Hintergrund: Die Eskalation am Persischen Golf hat die Fördervolumen aus Katar spürbar beeinträchtigt. Die Upstream-Produktion soll bei 1,76 bis 1,86 Millionen Barrel liegen.

Ein Lichtblick sind die Raffineriemargen. Shell hob die indikative Marge auf 17 US-Dollar pro Barrel an — nach 14 Dollar im vierten Quartal 2025. Gleichzeitig warnte der Konzern vor massivem Working-Capital-Druck: Zwischen 10 und 15 Milliarden Dollar an negativen Veränderungen erwartet das Management, ausgelöst durch die extreme Rohstoffpreisvolatilität.

Die Aktie gab heute 5,55 % nach und notiert bei 38,38 Euro. Noch am Vortag hatte sie mit 40,64 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch markiert. Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich: Das Mediankursziel liegt bei 82 US-Dollar, gestützt von 10 Kaufempfehlungen bei 18 Einschätzungen. Shell hält an seiner langfristigen LNG-Strategie fest und erwartet ein Nachfragewachstum von 54 bis 68 Prozent bis 2040.

Bemerkenswert: Während BP eine Klimaresolution blockiert, hat Shell eine vergleichbare Initiative akzeptiert und wird sie auf der Hauptversammlung am 19. Mai zur Abstimmung stellen. Ein Signal, das die Governance-Divergenz zwischen den beiden britischen Rivalen verschärft.

BP: Klimastreit überschattet den Machtwechsel an der Spitze

Bei BP verdichten sich die Spannungen vor der Hauptversammlung am 23. April. Der Proxy-Berater Glass Lewis empfiehlt den Aktionären, gegen die Wiederwahl von Chairman Albert Manifold zu stimmen. Der Grund: BP hat eine Klimaresolution der Aktivistengruppe Follow This von der Tagesordnung gestrichen. Diese forderte die Offenlegung der Langfriststrategie unter Szenarien sinkender Öl- und Gasnachfrage.

Eine Gruppe britischer Pensionsfonds mit einem verwalteten Vermögen von über einer Billion Euro warf BP daraufhin vor, Aktionärsrechte zu untergraben. Follow-This-Gründer Mark van Baal nannte den Schritt „beispiellos“ im Vereinigten Königreich.

Parallel dazu hat BP am 1. April einen historischen Führungswechsel vollzogen. Meg O’Neill übernahm als erste Frau und erste externe CEO seit über einem Jahrhundert die Unternehmensleitung. Unter dem Druck von Elliott Investment Management hat der Konzern seine Ambitionen bei erneuerbaren Energien deutlich zurückgefahren und konzentriert sich wieder stärker auf das profitable Öl- und Gasgeschäft.

Im vierten Quartal 2025 lag der Gewinn pro Aktie bei 0,60 Dollar und übertraf den Konsens um 3 Cent. Die Aktie notiert heute bei 6,32 Euro — ein Rückgang von 6,76 %. Piper Sandler hob das Kursziel im März auf 47 Dollar an, beließ die Einstufung aber auf „Neutral“. Drei langjährige Aufsichtsräte werden auf der Hauptversammlung ausscheiden, was die Machtverhältnisse im Board grundlegend verändern könnte.

TotalEnergies: Spritpreisdeckel verlängert, Analysten stufen hoch

TotalEnergies reagiert als einziger der großen Ölkonzerne mit einer direkten Verbraucherschutzmaßnahme auf die Preisexplosion. Der Konzern verlängerte seinen freiwilligen Kraftstoffpreisdeckel bis Ende April: Benzin bleibt bei 1,99 Euro pro Liter gedeckelt, Diesel bei 2,25 Euro. Das Timing ist kein Zufall — am 7. April erreichte der Dieselpreis in Frankreich mit durchschnittlich 2,336 Euro pro Liter ein Allzeithoch seit Beginn der Aufzeichnungen 1985.

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Mitglieder des hauseigenen Programms „Avantage Carburant“ profitieren sogar bis Jahresende 2026 von einem Universaldeckel bei 1,99 Euro für alle Kraftstoffarten. Die Ursachen der Preisspitze sind vielfältig:

  • Blockade der Straße von Hormuz treibt Raffinerie-Crack-Spreads auf Mehrjahreshochs
  • Drohnenangriffe erzwingen Stilllegungen von Golf-Raffinerien
  • Asiatische Länder schränken Kraftstoffexporte ein oder verbieten sie

Die Aktie verlor heute 8,10 % und fiel auf 72,63 Euro — ein deutlicher Rücksetzer nach dem Anstieg von 56,21 Euro Anfang Januar auf ein Intraday-Hoch von 81,43 Euro Ende März. TD Cowen stufte TotalEnergies von „Hold“ auf „Buy“ hoch und nannte den Konzern den Top-Pick unter den integrierten Ölgesellschaften. Das Kursziel wurde von 66 auf 97 US-Dollar angehoben, begründet mit einem erwarteten Produktionswachstum von rund 3 % jährlich bis 2030. Auch J.P. Morgan vergab am 4. April eine Kaufempfehlung. Die Quartalszahlen am 29. April werden zeigen, wie stark die Hormuz-Krise die Margen im Downstream-Geschäft tatsächlich beeinflusst hat.

Deutsche Rohstoff: Gewinnprognose verdreifacht, Bohrprogramm beschleunigt

Der Heidelberger E&P-Spezialist liefert derzeit die beeindruckendste operative Dynamik im gesamten Sektor. Das Management erwartet für 2026 ein EBITDA zwischen 290 und 310 Millionen Euro — eine Verdreifachung gegenüber der ursprünglichen Schätzung von maximal 135 Millionen. Auf der Erlösseite stieg die Prognose von 170 bis 190 Millionen auf bis zu 280 Millionen Euro. Ein wesentlicher Treiber: Der Verkauf von neun Millionen Almonty-Industries-Aktien spülte rund 100 Millionen Euro in die Kasse.

Operativ drückt das Unternehmen aufs Tempo. Die US-Tochter 1876 Resources hat seit Mitte März einen zweiten Bohrturm in Wyoming im Einsatz. Insgesamt sollen zehn Brutto-Bohrungen — bei einem Netto-Anteil von rund 75 Prozent — bis Mitte des Jahres in Produktion gehen.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie 75 % zugelegt. Der heutige Handelstag brachte allerdings einen heftigen Rücksetzer: minus 14,51 % auf 87,20 Euro. Das Papier entfernt sich damit deutlich vom erst kürzlich erreichten 52-Wochen-Hoch bei 102,60 Euro. Das Analysten-Konsenskursziel liegt bei 62,50 Euro — inzwischen deutlich unter dem aktuellen Kurs. Für das Geschäftsjahr 2024 zahlte der Konzern eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie. Die Hauptversammlung am 23. Juni dürfte die neue Dividendenpolitik vor dem Hintergrund der explodierten Gewinne in den Fokus rücken.

Future Fuels: Uran-Explorer zwischen Geduld und Potenzial

Future Fuels Inc. bewegt sich in einem völlig anderen Kosmos als die Supermajors. Das kanadische Explorationsunternehmen — ehemals Saville Resources — besitzt mit dem Hornby Uranium Project im Nordwesten von Nunavut ein 3.407 Quadratkilometer großes Areal mit über 40 kaum erkundeten Uranvorkommen, darunter die historische Mountain-Lake-Lagerstätte. Ergänzend hält es die Covette-Liegenschaft in Québecs James-Bay-Region.

Als Unternehmen in der Explorationsphase ohne Umsätze fehlen klassische Bewertungskennzahlen. Die Aktie notiert bei 0,30 Euro — seit Jahresbeginn ein Minus von 37 %, gleichzeitig aber mehr als eine Verdopplung seit dem 52-Wochen-Tief bei 0,15 Euro. Die Volatilität von über 66 % annualisiert unterstreicht den spekulativen Charakter. Projektfortschritte am Hornby Basin und die Entwicklung des Uranmarktes bestimmen die Richtung weit stärker als Quartalszahlen.

Drei Bruchlinien durchziehen den Ölsektor

Die fünf Aktien offenbaren die zentralen Spannungsfelder der Branche im April 2026:

  • Geopolitische Verwundbarkeit: Shell und TotalEnergies spüren die Hormuz-Blockade am unmittelbarsten — Shell bei den Gasvolumen, TotalEnergies bei den Endverbraucherpreisen. Beide agieren aus einer Position der Diversifikation heraus, immun ist keiner.
  • Governance und strategische Glaubwürdigkeit: BP steht mit der blockierten Klimaresolution allein unter den britischen Majors. Shells Bereitschaft, eine vergleichbare Resolution zuzulassen, verschärft den Kontrast.
  • Größe und Liquidität: Deutsche Rohstoff beweist, dass fokussierte Mittelständler in einem Hochpreisumfeld überproportionale Renditen erzielen können. Future Fuels bleibt ein Explorationswert, dessen Bewertung an Projekterfolgen und Rohstoffstimmung hängt.

Katalysator-Kalender bestimmt den Takt

Die kommenden Wochen sind dicht getaktet. BPs Hauptversammlung am 23. April wird zum Stimmungstest für die Governance unter der neuen CEO. TotalEnergies legt am 29. April Quartalszahlen vor — die erste vollständige Bilanz der Hormuz-Auswirkungen auf Raffineriegewinne. Shells Q1-Ergebnisse folgen am 7. Mai, Deutsche Rohstoffs HV am 23. Juni.

Die entscheidende Unbekannte bleibt die Lage an der Straße von Hormuz. Eine Entspannung würde Energieaktien schlagartig neu bepreisen. Eine anhaltende Blockade hingegen zementiert das erhöhte Rohstoffpreisniveau — zum Vorteil der Produzenten, zum Nachteil von Verbrauchern und Raffinerien.

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Shell Aktie

38,75 EUR

– 2,08 EUR -5,08 %
KGV 15,68
Sektor Energie
Div.-Rendite 4,20 %
Marktkapitalisierung 198,62 Mrd. EUR
ISIN: GB00BP6MXD84 WKN: A3C99G

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