Hormuz-Krise lähmt globale Wirtschaft

Die Blockade der Meerenge treibt Ölpreise und Inflation, während Notenbanken vor schwierigen Zinsentscheidungen stehen.

Felix Baarz ·
Hormuz-Krise lähmt globale Wirtschaft

Kurz zusammengefasst

  • Iran bietet Öffnung gegen Verhandlungen
  • Ölpreise steigen um 50 Prozent
  • Fed belässt Zinsen vorerst unverändert
  • Britische Verbraucher spüren Druck

Der Streit um den Persischen Golf hat sich zu mehr als einem militärischen Konflikt entwickelt. Er ist zum wirtschaftlichen Gravitationszentrum geworden, das Zentralbanken, Verbraucher und Finanzmärkte rund um den Globus in seinen Bann zieht – und die Frage, ob der Strait of Hormuz jemals wieder frei passierbar wird, entscheidet über Inflation, Zinsen und Wachstum in weiten Teilen der Welt.

Verhandlungssackgasse am Golf

Auf diplomatischer Ebene dreht sich die Welt derzeit im Kreis. Der Iran hat angeboten, den Hormuz wieder zu öffnen – allerdings unter der Bedingung, dass Diskussionen über sein Nuklearprogramm vorerst verschoben werden. Washington reagiert skeptisch. Laut einem Bericht des Wall Street Journal zweifelt die US-Regierung daran, dass Teheran in gutem Glauben verhandelt.

Außenminister Marco Rubio machte die rote Linie am Montag unmissverständlich klar: „Sie können nicht normalisieren – und wir können nicht dulden, dass sie versuchen zu normalisieren – ein System, in dem die Iraner entscheiden, wer eine internationale Wasserstraße nutzen darf und wie viel man dafür zahlen muss.“ Berichte, wonach der Iran sogar Mautgebühren in Kryptowährung erwägt, dürften in Washington kaum zur Entspannung beigetragen haben.

Trump hat einen Waffenstillstand verlängert und hält die Tür zu weiteren Gesprächen offen. Gleichzeitig ließ er früher die Idee einer gewaltsamen Wiedereröffnung der Meerenge anklingen – ein Plan, der bei wichtigen Verbündeten auf wenig Gegenliebe stieß. Ein Gegenvorschlag der USA soll in den nächsten Tagen folgen. Doch das Grundproblem bleibt: Die USA fordern das Ende der nuklearen Anreicherung, Teheran bietet nur Aufschub.

Öl, Inflation und das Fed-Dilemma

Dass der Hormuz – durch den vor Kriegsbeginn rund 20 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs flossen – seit Wochen faktisch gesperrt ist, hinterlässt deutliche Spuren. Der Brent-Rohölpreis liegt rund 50 Prozent höher als noch vor Kriegsbeginn Ende Februar. Die Folge: Der US-Verbraucherpreisindex verzeichnete im vergangenen Monat den stärksten Anstieg seit fast vier Jahren.

Genau in diesem Umfeld trifft sich der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) diese Woche – und es könnte Jerome Powells letzte Sitzung als Fed-Chef sein. Ein wichtiges Hindernis für die Senatsbestätigung seines designierten Nachfolgers Kevin Warsh wurde am Freitag aus dem Weg geräumt, als das US-Justizministerium ein umstrittenes Ermittlungsverfahren gegen Powell einstellte. Nun gilt der 15. Mai als wahrscheinliches Ende seiner Amtszeit.

Inhaltlich dürfte die Fed die Zinsen unverändert im Zielband von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Die eigentliche Spannung liegt woanders: Deutet die Notenbank an, dass Zinserhöhungen wieder zur Option werden? Fed-Gouverneur Christopher Waller warnte vergangene Woche, je länger die Energiepreise hoch blieben, desto größer werde das Risiko, dass sich höhere Inflation dauerhaft festsetze – bei gleichzeitig schwächelndem Arbeitsmarkt. Eine „sehr komplizierte“ Situation für Geldpolitiker, wie er einräumte. Anleihemärkte preisen inzwischen ein, dass der Leitzins mindestens bis Mitte 2027 auf aktuellem Niveau verharrt.

Britische Verbraucher im Wartestand

Auf der anderen Seite des Atlantiks spüren Konsumenten den Druck schon, auch wenn die schlimmsten Auswirkungen noch ausstehen. Das Britische Einzelhandelskonsortium (BRC) meldete für April einen Rückgang der Ladeninflation auf 1,0 Prozent – nach 1,2 Prozent im März. Osteraktionen bei Schokolade, Heimwerkermaterialien und Kleidung hätten Händler zu aggressiverer Preissetzung gezwungen, so BRC-Chefin Helen Dickinson. Parallel dazu verzeichnete der Einzelhandel laut einer CBI-Erhebung den stärksten Rückgang der Verkaufsvolumina seit mehr als 40 Jahren.

Dickinson warnte jedoch: „Wir haben noch nicht die volle Wucht des Nahost-Konflikts in den Verbraucherpreisen gesehen. Es wird nicht lange dauern, bis es so weit ist.“ Der IWF prognostiziert für Großbritannien eine Inflation von 4 Prozent im Jahresverlauf.

Immerhin gibt es eine leichte Entwarnung an der Erwartungsfront. Eine monatliche YouGov-Erhebung im Auftrag der Citigroup zeigt, dass die britischen kurzfristigen Inflationserwartungen im April auf 5,0 Prozent zurückgingen – nach 5,4 Prozent im März. Der massive Sprung vom März, den Analysten als „anomal“ und als Reaktion auf den Kriegsausbruch einordnen, dreht sich damit teilweise zurück. Für die Bank of England, die diese Woche ebenfalls über den Leitzins entscheidet, bedeutet das: wenig Anlass für eine überraschend restriktive Wende.

Konsumklima und Daten im Fokus

Wie es um das Vertrauen der amerikanischen Haushalte steht, zeigt heute das Konsumklima-Barometer des Conference Board. Erwartet wird ein Rückgang auf 89,4 Punkte – nach 91,8 im Vormonat. Angesichts hoher Energiekosten und anhaltender geopolitischer Unsicherheit wäre eine weitere Eintrübung keine Überraschung. Zugleich laufen heute API-Daten zu den US-Rohöllagerbeständen ein – ein weiterer Gradmesser dafür, wie stark die Hormuz-Blockade die Versorgungslage wirklich verändert.

Wenn Geopolitik zur Wirtschaftspolitik wird

Was vor zwei Monaten als Militärkonflikt begann, hat sich zu einem vielschichtigen wirtschaftspolitischen Problem entwickelt. Die geschlossene Meerenge zwingt Notenbanken zur Neubewertung ihrer Zinsstrategien, treibt Verbraucherpreise in die Höhe und lähmt das Konsumklima. Wie schnell eine Lösung gelingt, hängt letztlich davon ab, ob Washington und Teheran den Sprung über den Graben der Nuklearfrage schaffen – oder ob die Weltwirtschaft noch deutlich länger in diesem Schwebezustand verharrt.

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