Iberdrola Aktie: Caruna-Deal belastet
Iberdrola übertrifft Gewinnerwartungen dank Sondereffekt, während die milliardenschwere Übernahme in Finnland den Aktienkurs belastet.

Kurz zusammengefasst
- Nettogewinn steigt um 22 Prozent
- Milliardendeal für finnischen Netzbetreiber
- Aktie fällt trotz starker Zahlen
- Analysten sehen begrenztes Kurspotenzial
Ein Gewinnsprung von über 20 Prozent, und trotzdem rutscht die Aktie ab. Iberdrola liefert am Mittwoch starke Halbjahreszahlen — und verkündet zugleich eine milliardenschwere Übernahme in Finnland. Die Kombination kommt an der Börse nicht gut an.
Der Energiekonzern meldete für das erste Halbjahr einen Nettogewinn von 4,34 Milliarden Euro, ein Plus von rund 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Großteil des Anstiegs stammt allerdings aus einem Einmaleffekt: dem Verkauf des mexikanischen Geschäfts an Cox, der einen Kapitalgewinn von knapp einer Milliarde Euro brachte. Bereinigt um Sondereffekte lag der Nettogewinn bei etwa 3,57 Milliarden Euro — ein Zuwachs von rund 8 Prozent, der ziemlich genau den Erwartungen der Analysten entsprach. Das bereinigte EBITDA kletterte um 7 Prozent auf 8,05 Milliarden Euro, die Erlöse stiegen moderat um 1,7 Prozent auf 22,47 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr bestätigte Iberdrola das Ziel, den bereinigten Nettogewinn um deutlich mehr als 8 Prozent zu steigern.
Finnischer Netzbetreiber für gut zwei Milliarden
Parallel zu den Zahlen kündigte Iberdrola den Einstieg bei Caruna an, dem größten Stromnetzbetreiber Finnlands. Der Konzern übernimmt 80 Prozent der Anteile für 2,01 Milliarden Euro. Verkäufer ist eine niederländische Holding, die bislang vom Ontario Teachers‘ Pension Plan und dem Finanzinvestor KKR kontrolliert wurde.
Bezahlt wird in zwei Schritten: die Hälfte des Kaufpreises bei Vollzug, der Rest verteilt über 30 Monate danach. Der Abschluss hängt von der Zustimmung der Kartellbehörden ab und wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.
Warum der Markt trotzdem verkauft
Die Aktie notierte im Handel in Madrid zeitweise rund 1,5 Prozent tiefer bei etwa 21,00 Euro, nachdem sie zuvor nahe ihres 52-Wochen-Hochs von 21,89 Euro gehandelt hatte. Die Gewinnzahlen ohne den Mexiko-Effekt entsprachen exakt den Prognosen — Raum für positive Überraschungen blieb kaum. Hinzu kommt die schuldenfinanzierte Akquisition kurz vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank am 23. Juli, was Anleger zusätzlich vorsichtig stimmte.
Der durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt derzeit bei etwa 20,47 Euro, spürbar unter dem aktuellen Kursniveau. Die Mehrheit der Analysten bewertet die Aktie neutral, was den Kreis potenzieller Käufer bei den gegenwärtigen Kursen begrenzt. Der Caruna-Deal erweitert Iberdrolas Netzgeschäft in Nordeuropa deutlich — ob sich das für die Aktie auszahlt, hängt nun auch davon ab, wie die Ratingagenturen die zusätzliche Verschuldung bewerten.
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