IBM Aktie: 12,5 Milliarden Dollar KI-Aufträge
Nach einem Kursrutsch von 21 Prozent zeigt die IBM-Aktie erste Erholungstendenzen. Das starke Softwaregeschäft kompensiert den Einbruch im Mainframe-Bereich.

Kurz zusammengefasst
- Aktie erholt sich nach 21-prozentigem Absturz
- Mainframe-Geschäft bricht um 42 Prozent ein
- Softwarebereich wächst, Red Hat legt zu
- KI-Auftragsvolumen erreicht 12,5 Milliarden Dollar
Der schlimmste Monat in der jüngeren IBM-Geschichte liegt hinter uns. Nach einem 30-Tage-Absturz von knapp 21 Prozent fiel die Aktie am 23. Juli auf ein neues Jahrestief von 175,14 Euro. Der Sprung um 3,74 Prozent auf 188,38 Euro am Freitag ist mehr als eine technische Gegenbewegung — für mich das erste Anzeichen, dass der Markt den Hardware-Schock allmählich hinter sich lässt und wieder auf die Substanz schaut.
Software trägt, Mainframe bremst
Der Ausverkauf hatte einen klaren Auslöser. Am 22. Juli bestätigte IBM offiziell, was sich schon in vorläufigen Zahlen abzeichnete: Das Mainframe-Geschäft IBM Z brach um 42 Prozent ein. Das Management begründet das mit dem auslaufenden z17-Produktzyklus und einem globalen Speicherchip-Mangel, der Kunden zwang, Server und Storage vor Legacy-Systemen zu priorisieren.
Das Softwaregeschäft zeigt ein völlig anderes Bild. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Bereich um 5 Prozent, Red Hat legte sogar um 11 Prozent zu. Datenprodukte sprangen um 18 Prozent nach oben. Besonders bemerkenswert: Das kumulierte Auftragsvolumen im Bereich generative KI erreichte inzwischen 12,5 Milliarden Dollar. Während das klassische Hardware-Geschäft einen zyklischen Einbruch durchläuft, gewinnt die watsonx-Strategie sichtbar an Boden im Unternehmenskundengeschäft.
Genau das ist für mich der Kern der aktuellen Bewertungsdebatte: Der Markt hat den Hardware-Rückgang bestraft, aber die Stabilität des wiederkehrenden Softwaregeschäfts zunächst übersehen.
Überverkauft, aber mit Substanz
Die Kennzahlen sprechen für eine Übertreibung nach unten. Der RSI von 35,5 liegt knapp über der Schwelle, die üblicherweise überverkaufte Titel markiert. Innerhalb von nur zwei Handelstagen erholte sich die Aktie bereits um mehr als 7 Prozent vom Jahrestief — ein Signal, dass wertorientierte Käufer bei diesem Niveau zugreifen.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von knapp 19 Prozent zeigt, wie stark die Neubewertung ausgefallen ist. Mit Blick auf das Analystenkursziel von 231,06 Euro notiert die Aktie noch immer gut 20 Prozent darunter. Diese Lücke lässt sich meiner Ansicht nach nicht allein mit dem Hardware-Ausfall erklären — sie spiegelt eher eine übertriebene Marktreaktion wider, während das margenstarke, zu rund 80 Prozent wiederkehrende Softwaregeschäft an Stabilität gewinnt.
Die zweite Jahreshälfte entscheidet
Trotz der schwächeren Umsatzprognose von nur noch 4 bis 5 Prozent Wachstum hält IBM an seiner Free-Cashflow-Guidance fest. Der Konzern erwartet weiterhin ein Plus von einer Milliarde Dollar gegenüber dem Vorjahr. Dazu kommt die 30. Dividendenerhöhung in Folge auf 1,69 Dollar pro Quartal — ein Signal finanzieller Disziplin, das in einer solchen Phase Gewicht hat.
Das Infrastrukturgeschäft bleibt vorerst die Schwachstelle und dürfte erst mit dem nächsten Mainframe-Zyklus wieder anziehen. Setzt sich das zweistellige Wachstum bei Red Hat und den KI-Datenprodukten fort, spricht für mich einiges dafür, dass der aktuelle Abschlag gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt eher eine Korrektur ist als ein struktureller Bruch. Entscheidend bleibt kurzfristig, ob IBM die Marke von 175,14 Euro als Boden verteidigen kann — gelingt das, wäre der Juli-Ausverkauf rückblickend eher Übertreibung als Trendwende.
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