IBM Aktie: 68 Milliarden Dollar vernichtet
Nach Gewinnwarnung und historischem Kursrutsch untersuchen US-Kanzleien mögliche Verstöße gegen Wertpapierrecht bei IBM.

Kurz zusammengefasst
- Ermittlungen wegen möglicher Wertpapierverstöße
- Kurssturz von 25 Prozent an einem Tag
- Mainframe-Umsatz bricht um 42 Prozent ein
- Analysten senken Kursziele, behalten Ratings
IBM erholt sich an der Börse, während Anwälte in den USA gegen den Konzern mobilmachen. Die Aktie legte am Dienstag um 5,36 Prozent zu und schloss bei 199,58 Euro. Binnen einer Woche summiert sich der Rebound auf 10,82 Prozent. Parallel dazu wächst der juristische Druck: Mehrere Kanzleien für Aktionärsrechte prüfen mögliche Verstöße gegen US-Wertpapierrecht.
Zwei Kanzleien, ein Vorwurf
Die Kanzlei Hagens Berman kündigte am 28. Juli eine Untersuchung gegen IBM an. Im Zentrum steht CEO Arvind Krishna, der am 14. Juli 2026 desaströse Zahlen für das zweite Quartal vorwegnahm. Die Anwälte konzentrieren sich auf IBMs Aussagen zur Mainframe-Reihe IBM Z, dem traditionsreichen Flaggschiff des Konzerns für Großrechner.
Der Hintergrund: Am 22. April 2026 hatte IBM noch einen starken Jahresstart gemeldet. Die Infrastruktursparte wuchs um 15 Prozent, der Bereich Hybrid Infrastructure um 28 Prozent, IBM Z sogar um 51 Prozent. Das Management sprach von Zuversicht für ein Umsatzwachstum von über 5 Prozent im Gesamtjahr.
Drei Monate später der Bruch mit diesem Versprechen. Am 14. Juli musste IBM einräumen: Der Gesamtumsatz wuchs nur noch um magere 1 Prozent, die Infrastruktursparte schrumpfte um 7 Prozent. Eine zweite Kanzlei, Bleichmar Fonti & Auld, hatte bereits am 24. Juli mit einer Meldung zu mutmaßlichem Betrug rund um die IBM-Z-Schwäche vorgelegt und ihre Untersuchung am 27. Juli bestätigt.
Ein Tag, 68 Milliarden Dollar weg
Die Klagen speisen sich aus einem historischen Kurssturz. Nach der Gewinnwarnung brach die IBM-Aktie an einem einzigen Handelstag um 25 Prozent ein. Die Marktkapitalisierung schmolz dabei um mehr als 68 Milliarden Dollar.
Als IBM die Zahlen offiziell im Quartalsbericht bestätigte, verfehlte der Konzern die Erwartungen der Wall Street. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,93 Dollar statt der erwarteten 2,97 Dollar. Der Umsatz kam bei 17,16 Milliarden Dollar herein, während Analysten mit 17,58 Milliarden gerechnet hatten.
Besonders hart traf es das Mainframe-Geschäft. Die Infrastruktursparte verlor 7 Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar, allein der Umsatz mit Z-Großrechnern brach um 42 Prozent ein. IBM senkte daraufhin seine Jahresprognose für das währungsbereinigte Umsatzwachstum auf eine Spanne von 4 bis 5 Prozent — zuvor hatte der Konzern noch „mehr als 5 Prozent“ in Aussicht gestellt.
Analysten kürzen Kursziele, Ratings bleiben stabil
Mehrere Banken senkten in den vergangenen Tagen ihre Kursziele deutlich, ohne ihre grundsätzliche Einschätzung zu ändern:
- Susquehanna: Kursziel von 303 auf 225 Dollar gesenkt, Rating „Neutral“
- Goldman Sachs: Kursziel von 335 auf 270 Dollar gesenkt, Rating „Buy“
- Morgan Stanley: Kursziel von 293 auf 190 Dollar gesenkt, Rating „Equal Weight“
- BMO Capital: Kursziel von 270 auf 230 Dollar gesenkt, Rating „Market Perform“
Stifel-Analyst David Grossman bleibt trotz der Kürzungen vorsichtig. Er sehe die Aktie „weiterhin in einer Seitwärtsspanne mit leichter Abwärtstendenz, angesichts geringer kurzfristiger Sichtbarkeit und saisonaler Effekte“.
Management verteidigt das Mainframe-Geschäft
CEO Krishna und CFO Jim Kavanaugh widersprechen der These, Kunden würden sich von den Großrechnern abwenden. Die Erholung im Ausblick hängt maßgeblich davon ab, ob die Mainframe-Nachfrage wieder anzieht — nachdem Unternehmen zuletzt mehr Kapital in KI-Infrastruktur wie Server und Chips gesteckt hatten. Kavanaugh sagte gegenüber Yahoo Finance: „Wir sehen keinerlei Anzeichen dafür, dass Kunden vom Mainframe abrücken.“
Trotz der jüngsten Erholung bleibt die Aktie tief im Minus. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 23,21 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro liegt der Kurs sogar 31,85 Prozent zurück. Die Rechtsstreitigkeiten laufen weiter, während der Konzern versucht, das Vertrauen der Anleger in sein Kerngeschäft zurückzugewinnen.
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