IBM Aktie: HRL-Übernahme bis Q3

IBM enttäuscht mit Quartalszahlen und senkt die Jahresprognose, kauft aber HRL Laboratories für den Quantencomputing-Bereich. Die Aktie erholt sich dennoch.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung von strategischem Unternehmenswachstum und globaler Geschäftsentwicklung in einem modernen Büro. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatz verfehlt Analystenschätzungen
  • Jahresprognose für Wachstum gesenkt
  • Übernahme von HRL Laboratories bekannt gegeben
  • Aktie steigt trotz gemischter Nachrichten

IBM hat mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen verfehlt und die Wachstumsprognose für das laufende Jahr gekappt. Am selben Tag verkündete der Konzern jedoch eine Übernahme, die seine langfristige Strategie im Quantencomputing untermauern soll. Die Aktie reagierte auf die gemischten Nachrichten mit einer kräftigen Erholung.

Quartalszahlen unter Druck: Prognose gekappt

IBM meldete am Donnerstag für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 17,16 Milliarden US-Dollar und verfehlte damit die Schätzung von 17,46 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag mit 2,93 Dollar im Rahmen der Konsenserwartung, blieb aber unter der von Bernstein veranschlagten Marke von 3,01 Dollar. Für das Gesamtjahr kappte IBM die Prognose für das währungsbereinigte Umsatzwachstum auf 4 bis 5 Prozent, nachdem zuvor mehr als 5 Prozent in Aussicht standen.

Verantwortlich für die Schwäche war vor allem der Infrastrukturbereich: Dort sank der Umsatz um 7 Prozent, das Mainframe-Geschäft brach sogar um 42 Prozent ein, weil Kunden angesichts angespannter Investitionsbudgets Großaufträge verschoben. Positiver entwickelte sich das Softwaregeschäft mit einem Umsatzplus von 5 Prozent, während der wiederkehrende Umsatz (ARR) um 8 Prozent auf 24,6 Milliarden Dollar zulegte. Auch die Distributed-Infrastructure-Sparte verbuchte mit einem Plus von 37 Prozent einen Rekordwert und einen Auftragsbestand von rund 500 Millionen Dollar. Im Consulting-Geschäft wuchsen die Vertragsabschlüsse um 6 Prozent, wobei generative KI bereits die Hälfte aller neuen Aufträge ausmachte. Der freie Cashflow lag im ersten Halbjahr bei 4,8 Milliarden Dollar, IBM peilt für das Gesamtjahr ein Plus von einer Milliarde Dollar gegenüber dem Vorjahr an. Die Quartalsdividende bleibt bei 1,69 Dollar je Aktie.

Milliardenwette auf Quantencomputing

Parallel zu den Zahlen bestätigte IBM die Übernahme von HRL Laboratories, einem 1948 als Hughes Research Laboratories gegründeten Forschungsinstitut, das bislang gemeinsam Boeing und General Motors gehörte. Finanzielle Details der Transaktion nannte IBM nicht, der Abschluss wird zum Ende des dritten Quartals erwartet. HRL gilt als Spezialist für Silizium-Spin-Qubits, eine Technologie, die IBM in sein bestehendes Quantenportfolio integrieren will. Jay Gambetta, Forschungsdirektor bei IBM, erklärte, das HRL-Team werde helfen, die Innovationskraft im Quantenbereich voranzutreiben. HRL-Chef Rob Vasquez bezeichnete den Anschluss an IBM als naheliegenden nächsten Schritt für das Unternehmen.

Die Übernahme fügt sich in einen Fahrplan, für den IBM in den kommenden fünf Jahren mehr als 10 Milliarden Dollar bereitstellen will. Bis 2029 soll mit „Quantum Starling“ ein fehlertoleranter Quantenrechner mit rund 100 Millionen Quantenoperationen entstehen, ein Nachfolgesystem namens „Blue Jay“ soll später eine Milliarde Operationen erreichen. Zusätzlich kündigte IBM mit „Anderon“ die nach eigenen Angaben erste reine Quanten-Wafer-Fertigung an, die auch mit Unterstützung der US-Regierung entstehen soll. Der Konzern signalisiert damit, dass er trotz kurzfristiger Schwäche im klassischen Infrastrukturgeschäft langfristig auf Zukunftstechnologien setzt.

Analysten uneins, Kurs erholt sich

Die Reaktionen der Analysten fielen gespalten aus. Bernstein senkte das Kursziel von 280 auf 230 Dollar und stufte die Aktie auf „Market Perform“ zurück. Als Begründung nannten die Analysten Verzögerungen bei Großaufträgen im Mainframe- und Transaktionsgeschäft, ausgelöst durch angespannte Investitionsbudgets der Kunden. Bernstein rechnet für das Gesamtjahr nun mit einem Gewinn je Aktie von 12,23 Dollar, für 2027 mit 13,40 Dollar. Citigroup hingegen bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 245 Dollar. Der Analystenkonsens insgesamt lautet auf „Moderate Buy“ bei einem durchschnittlichen Kursziel von 265,40 Dollar.

An der Börse kam die Mischung aus enttäuschenden Zahlen und langfristiger Wachstumsstory offenbar an: Die Aktie legte gestern um 3,74 Prozent auf 188,38 Euro zu. Am Terminmarkt griffen Anleger zudem verstärkt zu Kaufoptionen, das Handelsvolumen lag rund ein Drittel über dem üblichen Durchschnitt. Der Erholungsversuch ändert wenig am Gesamtbild des Jahres: Seit Jahresbeginn steht bei IBM ein Kursminus von 27,52 Prozent zu Buche. Der jüngste Ausschlag zeigt vor allem, wie nervös der Markt auf jede Nachricht aus Armonk reagiert – zwischen Sorge um das margenträchtige Infrastrukturgeschäft und Hoffnung auf die nächste Technologiegeneration.

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IBM Aktie

194,30 EUR

+ 0,26 EUR +0,13 %
KGV 20,04
KUV 3,17
Sektor Technologie
Div.-Rendite 2,98 %
Marktkapitalisierung 212,46 Mrd. USD
Ø Kursziel 240,59 USD
ISIN: US4592001014 WKN: 851399

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