IBM Aktie: Mainframe bricht um 42 Prozent ein

IBMs Quartalsbericht zeigt einen massiven Umsatzrückgang bei Mainframes und eine nachlassende Software-Dynamik. Der Sparkurs wird verschärft.

Dieter Jaworski ·
IBM Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Mainframe-Umsatz bricht um 42 Prozent ein
  • Software-Wachstum verlangsamt sich deutlich
  • Konzern erhöht Sparziel auf über 5,5 Milliarden Dollar
  • Aktie notiert weit unter 50-Tage-Durchschnitt

Ein Freitag mit 3,74 Prozent Kursplus reicht nicht, um die Wunden zu heilen. IBM notiert weiterhin 27,52 Prozent im Minus seit Jahresbeginn. Für mich ist die Erholung vom 52-Wochen-Tief bei 175,14 Euro auf 188,38 Euro eher ein Aufatmen als eine echte Trendwende.

Der Auslöser der jüngsten Turbulenzen war der Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026. Er offenbarte ein Unternehmen, das intern auseinanderdriftet. Der Nettoumsatz stieg zwar um ein Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar. Doch unter der Oberfläche brodelt es.

Die Mainframe-Delle, die keine sein sollte

Der zSystems-Bereich, IBMs Mainframe-Sparte, brach im Quartal um 42 Prozent ein. Diese „Luftlöcher“-Dynamik, wie das Management sie nennt, zog den gesamten Infrastruktur-Umsatz um 7 Prozent nach unten. Das allein wäre schon ein Warnsignal.

Problematischer finde ich die Software-Bremse. Das Segment galt bislang als Fundament von IBMs Transformationsstrategie weg vom Hardware-Geschäft. Im ersten Quartal wuchs Software noch um 11 Prozent, im zweiten nur noch um 5 Prozent. Das Management senkte daraufhin die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 4 bis 5 Prozent Wachstum bei konstanten Wechselkursen, nach zuvor über 5 Prozent in Aussicht gestellten Werten.

Diese Korrektur mag auf den ersten Blick klein wirken. Für ein Unternehmen, dessen gesamte Investment-These auf einer Softwarebeschleunigung aufbaut, ist sie mein zentrales Warnsignal.

Sparkurs als Antwort

Finanzchef James Kavanaugh reagiert mit einer Erzählung von Übergang und Effizienz. Das Unternehmen hob sein Ziel für die jährliche Kosteneinsparungsrate auf über 5,5 Milliarden Dollar an. Kavanaugh führt einen Teil der aktuellen Reibung auf den laufenden Ausbau der KI-Infrastruktur zurück, der temporäre Lieferengpässe schaffe, aber aus Unternehmenssicht das integrierte Geschäftsmodell bestätige.

Ob das überzeugt, hängt vom Blickwinkel ab. Die Retail-Investoren-Community bleibt gespalten. Ein Teil der Anleger setzt auf die Kommentare des CEOs zum Quantencomputing, befeuert durch jüngste Fortschritte bei quantengestützten Supercomputern für die Fusionsenergie-Forschung. Andere sind wachsam gegenüber KI-getriebener Disruption, seit Sorgen um die Auswirkungen von KI auf ältere Codebasen wie COBOL bereits scharfe Ausverkäufe ausgelöst haben. Hinzu kommen Untersuchungen wegen möglichen Wertpapierbetrugs nach dem Gewinneinbruch, die dem Investment-Case eine zusätzliche juristische Unsicherheit aufbürden.

Charttechnik: Angeschlagen, aber nicht am Boden

Die Aktie notiert 17,61 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 228,64 Euro. Das zeigt, wie stark der jüngste Ausverkauf war. Der RSI von 35,5 nähert sich der überverkauften Zone, was die Käufer erklären könnte, die am Freitag nahe dem Jahrestief zugriffen.

Mein Blick richtet sich auf die letzte Juliwoche. Entscheidend wird, ob sich der Freitagsgewinn hält oder ob es sich um ein reines Short-Covering-Strohfeuer handelte. Mit Applied Digital, das am 27. Juli Zahlen vorlegt, dürfte die Stimmung rund um KI-Infrastrukturausgaben zusätzlich auf IBMs Bewertung abfärben.

Bemerkenswert: Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 231,06 Euro. Das würde ein Aufwärtspotenzial von 22,7 Prozent bedeuten, sofern sich der Mainframe-Einbruch tatsächlich als vorübergehendes Luftloch erweist und nicht als dauerhafter Rückgang.

Mein Fazit: Die Wahrscheinlichkeit spricht für eine Konsolidierungsphase. Die hohe annualisierte Volatilität von knapp 85 Prozent warnt vor weiteren heftigen Ausschlägen. Der große Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro könnte wertorientierte institutionelle Investoren anlocken, ähnlich dem Healthcare of Ontario Pension Plan, das seine Position Anfang des Jahres fast verdoppelt hat. Solange sich das Softwaresegment aber nicht wieder beschleunigt, bleibt IBM für mich eine Wette auf eine Wende, die sich erst noch beweisen muss.

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