IBM Aktie: Mainframe-Umsatz bricht um 42 Prozent ein
IBMs Aktie erholt sich leicht vom Rekordverlust, während Softwareumsätze und KI-Buchungen die schwache Mainframe-Sparte ausgleichen.

Kurz zusammengefasst
- Schwerster Tagesverlust der Firmengeschichte
- Mainframe-Umsätze brechen um 42 Prozent ein
- Software-Segment wächst trotz Krise
- KI-Buchungen erreichen 12,5 Milliarden Dollar
IBM erlebt gerade die turbulenteste Phase seiner Firmengeschichte. Am 14. Juli 2026 stürzte die Aktie an einem einzigen Handelstag um 25,2 Prozent ab. Das ist der stärkste Tagesverlust in der 115-jährigen Unternehmensgeschichte. Seither fragen sich Anleger: Ist der aktuelle Kurs von 189,52 Euro ein fallendes Messer oder eine seltene Einstiegschance?
Auf Jahressicht steht ein Minus von 27,08 Prozent zu Buche. Allerdings deuten die jüngsten Kursbewegungen auf eine fragile Stabilisierung hin.
Mainframe-Einbruch und die Frage nach dem Timing
Auslöser des Ausverkaufs war ein vorläufiger Quartalsbericht. Er zeigte einen Einbruch der IBM-Z-Mainframe-Umsätze um 42 Prozent. Das Management sprach von einer „Infrastruktur-Kernschmelze“ – nicht von verlorenen Marktanteilen.
Die Erklärung: Firmenkunden verschoben ihr Kapital in KI-taugliche Server und Speicherlösungen. Sie wollten sich gegen absehbare Preissteigerungen bei Speicherchips absichern. Diese Umschichtung ließ mehrere margenstarke Mainframe- und Transaktionssoftware-Deals über den Quartalsstichtag rutschen.
Entscheidend: IBM hält an seiner Jahresprognose für den freien Cashflow fest. Der Konzern erwartet weiterhin ein Plus von rund einer Milliarde Dollar gegenüber dem Vorjahr. Das spricht dafür, dass die Liquiditätsmaschine trotz des Umsatzausfalls intakt bleibt.
Software liefert das Fundament
Während das Infrastruktur-Segment um 7 Prozent einbrach, zeigt sich IBMs Wette auf Software und Hybrid Cloud widerstandsfähig. Der Softwareumsatz legte im zweiten Quartal um 5 Prozent zu. Red Hat beschleunigte um 11 Prozent, das Datengeschäft sogar um 19 Prozent.
Die kumulierten Buchungen im Bereich generativer KI erreichten 12,5 Milliarden Dollar. Diese Zahl widerspricht der These, IBM verliere den Anschluss im KI-Rennen.
Software macht mittlerweile einen deutlich größeren Anteil am Gesamtumsatz aus. 80 Prozent davon sind wiederkehrend. Das schafft eine berechenbarere Ertragsbasis. Zusätzlich soll das interne KI-Coding-Tool „Bob“, das inzwischen 80.000 Mitarbeiter nutzen, die Vorsteuermarge in diesem Jahr um einen vollen Prozentpunkt steigern.
Bewertung gegen Stimmung
Charttechnisch befindet sich IBM in einer Stabilisierungsphase. Vom 52-Wochen-Tief bei 175,14 Euro, erreicht am 23. Juli, hat sich die Aktie bereits um 8,21 Prozent erholt.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 36,3. Das Papier ist damit nicht mehr extrem überverkauft, aber auch keineswegs überhitzt.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 233,55 Euro klafft weiterhin eine Lücke von 18,85 Prozent. Diese Distanz zeigt, wie tief die jüngste Korrektur geschnitten hat.
Analysten sehen im Konsens dennoch ein Kursziel von 215,67 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 13,8 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob die Zahlen enttäuschten. Sie taten es. Die eigentliche Frage ist, ob das Management recht behält: War der Fehltritt im zweiten Quartal nur eine Frage des Timings – oder ein struktureller Rückgang?
Sollten die zahlreichen Großdeals, die im Juni ins Rutschen gerieten, in der zweiten Jahreshälfte doch noch abgeschlossen werden, dürfte sich der aktuelle Abschlag von 35,28 Prozent zum Juni-Hoch bei 292,85 Euro im Rückblick als Überreaktion erweisen.
Bei einer annualisierten Volatilität von fast 85 Prozent ist IBM längst keine ruhige Blue-Chip-Aktie mehr. Wer jedoch auf drei Jahrzehnte ununterbrochener Dividendenerhöhungen und den wachsenden Softwareanteil blickt, für den überwiegen aktuell die Argumente für eine taktische Erholung.
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