IBM Aktie: Mainframe-Versprechen eingelöst?
Analysten rechnen mit höheren Erlösen; entscheidend sind nachgeholte Mainframe-Geschäfte, Softwaredynamik und der Jahresausblick.
Kurz zusammengefasst
- Infrastrukturumsatz sank im zweiten Quartal
- Analysten erwarten 16,82 Milliarden US-Dollar Umsatz
- Softwarewachstum soll sich beschleunigen
- KI prägt Beratungsaufträge und Auftragsbestand
IBM muss mit den heute nach US-Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen vor allem eines zeigen: Die verschobenen Mainframe-Aufträge waren tatsächlich nur verzögert und kein Zeichen schwindender Nachfrage. Höhere Gewinne allein dürften dafür nicht ausreichen. Entscheidend sind die Umsetzung der Aufträge und ein Ausblick, der die Wachstumserwartungen für das Schlussquartal stützt.
Mainframe-Geschäft als Prüfstein
Der Infrastrukturumsatz sank im zweiten Quartal 2026 um 7%. IBM führte den Rückgang auf nicht abgeschlossene Mainframe-Geschäfte zurück. Finanzchef Jim Kavanaugh erklärte im Juli, ein Teil der verschobenen Abschlüsse sei bis zur damaligen Ergebnisvorlage bereits nachgeholt worden.
Damit steht heute die Erklärung des Managements auf dem Prüfstand. Anleger werden darauf achten, ob sich die nachgeholten Geschäfte im Umsatz niederschlagen und welche Aufträge noch ausstehen. Eine bloße Wiederholung des Hinweises auf zeitliche Verschiebungen wäre weniger aussagekräftig als konkrete Fortschritte bei den Abschlüssen.
Die von FactSet erfassten Analysten erwarten einen Nettogewinn von 2,34 Milliarden US-Dollar. Beim Umsatz liegt ihre Schätzung bei 16,82 Milliarden US-Dollar nach 16,33 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal.
Der Konsens setzt somit auf Wachstum. Für die Bewertung der Ergebnisse zählt aber auch dessen Herkunft: Eine Erholung im zuvor schwachen Infrastrukturgeschäft würde die Erklärung der Auftragsverschiebungen untermauern. Software muss zugleich zeigen, ob sie das Wachstum weiter tragen kann.
Software soll stärker wachsen
Im zweiten Quartal 2026 legte der Softwareumsatz um 5% zu. Für das Gesamtjahr stellte IBM ein Softwarewachstum von 6–8% in Aussicht. Das macht eine Beschleunigung in diesem Bereich zu einem wichtigen Prüfpunkt der heutigen Veröffentlichung.
Innerhalb des Softwaregeschäfts verlief die Entwicklung zuletzt uneinheitlich. Red Hat und das Datengeschäft wuchsen, während die Transaktionsverarbeitung nachgab. Eine stärkere Softwareentwicklung würde deshalb nicht nur zusätzlichen Umsatz liefern. Sie könnte auch zeigen, dass IBM die Schwäche einzelner Bereiche besser ausgleicht.
Bei der Beratung stagnierte der Umsatz im zweiten Quartal 2026. Generative KI machte dort rund 50% der Auftragseingänge und über 30% des Auftragsbestands aus.
Für Anleger ist damit die Umsetzung dieser Nachfrage entscheidend. Ein hoher KI-Anteil an neuen Aufträgen ist ein anderes Signal als bereits verbuchtes Umsatzwachstum. Die Quartalsvorlage bietet Gelegenheit, beide Entwicklungen voneinander abzugrenzen.
Der Ausblick entscheidet mit
Morgan Stanley beurteilt das dritte Quartal neutral bis positiv, sieht für das Schlussquartal aber größere Schwierigkeiten. Damit reicht der Blick über die heute gemeldeten Ergebnisse hinaus: Auch die Einschätzung der verbleibenden Geschäftsentwicklung dürfte das Urteil über die Zahlen prägen.
IBM erwartete für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von 4–5% bei konstanten Wechselkursen. Vor der Veröffentlichung gewann die Aktie gestern 2,2%. Dieser Anstieg ist noch kein Beleg für eine operative Erholung.
Den muss IBM mit den Ergebnissen liefern: durch nachgeholte Mainframe-Umsätze, stärkeres Softwarewachstum und einen dazu passenden Jahresausblick. An diesen Punkten lässt sich messen, ob die Schwäche des Vorquartals überwiegend eine Frage des Zeitpunkts war.
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