Indien hebt den Leitzins, eine KI zweifelt an Biogens Hoffnungsträger
Indiens Notenbank erhöhte den Leitzins; zugleich prognostiziert ein KI-Start-up Studienmisserfolge bei Biogen.

Kurz zusammengefasst
- Indiens Repo-Satz steigt auf 5,5 Prozent
- BioinvestGPT erwartet Fehlschläge bei Biogen
- Huawei beansprucht Chinas Chip-Marktführung
- Datenangriffe in Japan nehmen deutlich zu
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
Indiens Notenbank stellt die Inflation über das Wachstum.
Die Reserve Bank of India hob den Repo-Satz heute um 25 Basispunkte auf 5,5 Prozent an und schickte die Börsen in Mumbai ins Minus. Bei Novartis ist der Kurseinbruch nach einem gescheiterten Studienprogramm noch nicht verdaut.
Ein KI-Start-up behauptet, das Scheitern vorab gekannt zu haben, und nimmt nun Biogen ins Visier. Dazu: Huawei erklärt sich in China zum Sieger über Nvidia, britische Konzerne streichen Tausende Stellen, und in Japan häufen sich die Datenlecks.
Indien: 25 Basispunkte, Öl über 100 Dollar und eine schwache Rupie
Für Anleger in indischen Fonds ist die Botschaft klar: Die Notenbank zieht die Zügel an, auch wenn es die Börse kostet. Sensex und Nifty gaben nach dem Zinsschritt jeweils weniger als ein Prozent nach, der Nifty schloss bei rund 22.600 Punkten. Die Nebenwerte zeigten sich gespalten: Der Nifty Midcap100 fiel, der Smallcap100 legte gegen den Trend leicht zu.
Die Zinserhöhung ist nur ein Teil der Belastung. Brent-Öl notiert laut Marktberichten über 101 Dollar je Barrel, ausländische Investoren ziehen Kapital ab, und die Rupie schwächelt. Für ein Land, das einen Großteil seines Energiebedarfs importiert, ist das eine unangenehme Mischung.
SBI Securities sieht beim Nifty eine Unterstützung bei 22.460 bis 22.440 Punkten. Bricht sie, droht ein Rutsch Richtung 22.300. Auf der Oberseite liegt die Hürde bei 22.730 bis 22.750. Wer in indischen Fonds investiert ist, sollte sich darauf einstellen, dass die Notenbank vorerst die Inflation über das Wachstum stellt.
Hinter dem Ölpreis steht die Geopolitik. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran läuft seit dem 28. Februar und damit im achten Monat. US-Präsident Trump erklärte gestern, nach dem Tod von Ayatollah Ali Khamenei am ersten Kriegstag sei völlig unklar, wer das Land führe.
Dessen Nachfolger Mojtaba Khamenei ist seit einer Verletzung am 28. Februar nicht öffentlich aufgetreten; Teheran widerspricht und nennt die US-Aussagen widersprüchlich. Die hohen Kraftstoffpreise drücken Trumps Zustimmungswerte vor den Midterms im November. Das beeinflusst die Wahrscheinlichkeit weiterer Eskalation ebenso wie die einer Deeskalation.
Pharma: Wenn die KI das Scheitern vorhersagt
Die Pharmaforschung ist ein teures Lotteriespiel, und KI-Anbieter versprechen bessere Quoten. Die Biopharmabranche gibt weltweit rund 140 Milliarden Dollar (etwa 124 Milliarden Euro) pro Jahr für klinische Studien aus, und nur etwa 12 Prozent der Kandidaten schaffen die Zulassung.
In diese Lücke stoßen KI-Anbieter, die Studien virtuell simulieren wollen: innerhalb eines Monats statt über mehrere Jahre in den Phasen 1 bis 3. Die Investitionen in KI-Wirkstoffforschung stiegen 2025 laut McKinsey auf 8,4 Milliarden Dollar (rund 7,5 Milliarden Euro), mehr als eine Verdopplung gegenüber 2023.
Wenn künstliche Intelligenz sogar klinische Studien durchspielen soll, zeigt das, wie tief der Trend in die Wirtschaft reicht – und dass nicht nur die bekannten Konzerne davon profitieren dürften. Ein kostenloser Spezialreport stellt vier ausgewählte KI-Aktien vor, darunter einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Vier KI-Werte abseits des Rampenlichts kennenlernen
Das prominenteste Lehrstück liefert Novartis. Nach dem Scheitern von Del-desiran in einer Spätphasenstudie verlor die Aktie laut Branchenbericht 11 Prozent, was rund 30 Milliarden Dollar (etwa 26,6 Milliarden Euro) Marktwert kostete.
Der Konzernchef hatte zuvor einen Spitzenumsatz von 5 Milliarden Dollar pro Jahr in Aussicht gestellt. Das Start-up BioinvestGPT will das Scheitern bereits im Juli korrekt prognostiziert haben und reklamiert fünf richtige Vorhersagen bei sechs Studien für sich.
Am Mittwoch erholte sich die Novartis-Aktie um 2,7 Prozent auf 127,94 Euro. Vom Februar-Hoch bei 144,30 Euro ist sie dennoch ein gutes Stück entfernt, auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 4,1 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier 8,3 Prozent vorn.
Spannender ist der Blick nach vorn. BioinvestGPT prognostiziert vor Jahresende das Scheitern zweier Phase-3-Studien zu Biogens Litifilimab. Auch die Phase-2-Studien zu Takedas Zasocitinib bei Morbus Crohn und Colitis hält das Start-up für Fehlschläge.
Der Markt zeigt sich davon bislang unbeeindruckt: Biogen notiert im Verlauf bei 202,10 Euro (rund 227,50 Dollar), plus 2,1 Prozent, und damit nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,85 Euro vom 29. September.
Auf zwölf Monate hat die Biogen-Aktie 55 Prozent gewonnen. Sollte das KI-Orakel recht behalten, wäre die Fallhöhe entsprechend groß. Anleger sollten die Prognose nicht als Gewissheit nehmen, wohl aber als Hinweis, dass bei Biogen derzeit viel Hoffnung im Kurs steckt.
Chips: Huawei erklärt sich in China zum Marktführer
China wird für Nvidia Schritt für Schritt zum Markt der anderen. Huawei meldet nach eigenen Angaben, dass seine Ascend-Chips in China inzwischen einen höheren Marktanteil halten als Nvidia. Die Aussage stammt von Konzernchef Eric Xu und beruht auf internen Daten.
Der neue Ascend 950PR ist in begrenzten Stückzahlen verfügbar, der 950DT SuperPoD soll Ende 2026 oder Anfang 2027 folgen. Huawei rechnet erst um 2029 mit einem Gleichgewicht am globalen Halbleitermarkt für KI. TrendForce prognostiziert, dass chinesische KI-Chips 2026 fast 90 Prozent des heimischen High-End-Markts abdecken.
Bei der optischen Anbindung setzt Huawei auf sein NPO-Modul Hi-ONE mit 7,2 Terabit Bandbreite, das rund 40 Prozent günstiger sein soll als CPO-Lösungen. Mit DeepSeek wurde zudem ein SuperNode mit 128 Ascend-950-Chips optimiert.
Für Nvidia ist China damit zunehmend ein verlorener Markt, was die Aktie bislang nicht bremst. Die Nvidia-Aktie notiert im Verlauf bei 213,80 Euro (rund 240,67 Dollar), nachdem sie am Dienstag mit 216,10 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch markiert hatte.
Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 33 Prozent, die Marktkapitalisierung liegt bei 5,12 Billionen Euro. Die Botschaft des Marktes: Das Wachstum außerhalb Chinas reicht, um die dortigen Verluste mehr als auszugleichen. Die Botschaft von Huawei: Das wird nicht ewig so bleiben.
Großbritannien: Stellenabbau bei HSBC, Greggs und Royal Mail
Die britische Wirtschaft sortiert Personal aus, und bei HSBC zahlt der Aktionär zunächst mit. HSBC plant laut Bericht Stellenstreichungen im heimischen Wealth Management zugunsten von KI-Anwendungen. Die Bäckereikette Greggs will vier Fabriken schließen und 740 Arbeitsplätze abbauen; die Restrukturierung kostet 60 Millionen Pfund.
Royal Mail streicht 2.500 Jobs. Die HSBC-Aktie gab am Mittwoch 3,4 Prozent auf 16,75 Euro nach und hat binnen 30 Tagen 9,1 Prozent verloren. Das 52-Wochen-Hoch von 18,99 Euro stammt vom 4. August. Auf zwölf Monate bleibt gleichwohl ein Plus von 38 Prozent.
Politisch bleibt es unruhig. Eine interne Untersuchung von Reform UK hat die Offiziellen James Orr und Dan Jukes vom Vorwurf illegaler ausländischer Wahlspenden entlastet, den eine Channel-4-Undercover-Recherche vom 3. September aufgeworfen hatte. Die Metropolitan Police ermittelt allerdings weiter strafrechtlich.
Cybersicherheit: Japans Datenlecks häufen sich
In Japan reiht sich ein Vorfall an den nächsten, und die Zahlen zeigen, dass es kein Zufall ist. Scala Communications meldete gestern einen unbefugten Zugriff auf sein FAQ-System „i-ask“. Der Login erfolgte am Freitagabend, erst am Samstagmorgen schlug die Datenbanküberwachung an und der Zugang wurde gesperrt. Potenziell betroffen sind bis zu 713.126 Datensätze von fünf Kundenunternehmen.
Darunter ist Daiwa Securities mit rund 220.000 Datensätzen von etwa 110.000 Personen, bei Citizen Watch sind potenziell rund 100.000 Personen betroffen. Nagano City Gas meldete heute den möglichen Abfluss von rund 3.600 Kundendatensätzen über den IT-Dienstleister Ryomo Systems: Namen, Adressen, Telefonnummern, keine Bankdaten.
Die Statistik dahinter gibt wenig Anlass zur Entwarnung. Cyber Security Cloud, das gestern eine kostenlose Notfall-Beratungsstelle eröffnet hat, zählte im dritten Quartal rund 1,8-mal so viele Angriffe wie im Vorjahreszeitraum. Im September erreichte die Zahl mit etwa 450 Millionen einen Höchststand, in der letzten Septemberwoche lag sie beim Dreifachen des Vorjahreswerts.
Auch Park24, Betreiber von Times Car, wird in diesem Zusammenhang als Opfer unbefugter Datenzugriffe genannt. Die Park24-Aktie schloss am Mittwoch in Tokio bei 1.789 Yen (rund 10,05 Euro), plus 2,6 Prozent, und erholte sich damit vom 52-Wochen-Tief bei 1.730 Yen vom Montag. Auf 30 Tage steht weiter ein Minus von 9,7 Prozent.
Für Betreiber von Movable Type besteht derweil Handlungsbedarf. Six Apart hat heute Updates für zwei kritische Schwachstellen (CVE-2026-96408, CVE-2026-103668) veröffentlicht, darunter eine Lücke für Remote Code Execution. Betroffen sind alle Versionen bis 9.2.1; die Fix-Versionen 9.3.0, 9.0.10, 8.8.6 und 8.0.13 stehen bereit.
Kurz notiert
Polymarket rollt sein Protocol V2 aus, überträgt bestehende Wettpositionen aber nicht automatisch. Testmärkte laufen vom 5. bis 30. Oktober, der 2. November ist das vorläufige Zieldatum für neue Märkte. Entwickler müssen alte und neue Verträge parallel unterstützen; für Nutzer der Website oder App ändert sich technisch nichts.
Taipower macht Druck auf den Auftragnehmer CTCI. Nach dem Brand im Kraftwerk Hsinta vom September 2025, ausgelöst durch falsch montierte Dichtungen und ein Gasleck, durchsuchte die Staatsanwaltschaft gestern Büros von CTCI. Drei Arbeiter kamen gegen je 100.000 Taiwan-Dollar Kaution frei. Schadenersatzforderungen gegen CTCI und GE laufen seit April, der reparierte Block ist seit dem 1. Oktober wieder am Netz.
Arcus Japan, ein IT-Beratungshaus aus Osaka, hat den Betrieb eingestellt und bereitet den Insolvenzantrag vor. Der Umsatz war von 644,74 Millionen Yen (rund 3,6 Millionen Euro) im Geschäftsjahr bis März 2024 auf 277,81 Millionen Yen (rund 1,6 Millionen Euro) eingebrochen. Auslöser waren eine gescheiterte Gastronomie-Expansion und Mitarbeiter, die in Scharen kündigten. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 245,91 Millionen Yen (rund 1,4 Millionen Euro).
Russland steht nach dem Tod eines Mitarbeiters eines sibirischen Pest-Forschungsinstituts am 2. Oktober unter Erklärungsdruck. US-Außenminister Rubio forderte gestern mehr Transparenz, Dutzende Kontaktpersonen sind in Quarantäne. Trump kündigte ein Telefonat mit Putin an.
DeNA und andere Betreiber japanischer Poker-Apps warnen vor unautorisierten Einladungen und Logo-Nutzung durch das Live-Turnier JOPT. Hintergrund ist ein Streit zweier Branchenverbände. Die DeNA-Aktie schloss am Dienstag bei 13,92 Euro, 0,9 Prozent im Minus.
Unterm Strich
Zwei Muster ziehen sich durch diesen Mittwoch. Geopolitik wird über den Ölpreis zur Geldpolitik, wie Indiens Zinserhöhung um 25 Basispunkte zeigt. Und Künstliche Intelligenz verschiebt Risiken, statt sie zu beseitigen: Sie prognostiziert Studien-Flops, kostet Jobs in Londons Vermögensverwaltung und befeuert in China einen Chip-Markt, der Nvidia zunehmend ausschließt.
Der Machtkampf zwischen Huawei und Nvidia macht deutlich, dass im KI-Geschäft nicht nur die Chiphersteller zählen, sondern auch die Datenunternehmen dahinter. Der Report „Megatrend KI“ ordnet die Top 10 der Big-Data-Aktien ein und zeigt, wie Anleger gezielt in künstliche Intelligenz investieren können. Top-10-Übersicht jetzt herunterladen
Für Biogen-Anleger lohnt es, die Litifilimab-Daten bis Jahresende genau zu beobachten. Für Novartis-Aktionäre ist die Erholung vom Mittwoch ein Anfang, mehr nicht.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
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