Infineon Aktie: 4,2 Mrd. Euro Rekordumsatz im Q3

Trotz Rekordumsatz und angehobener Prognose gerät Infineon durch steigende Zinsen und Kapitalabflüsse nach Asien unter Druck.

Dr. Robert Sasse ·
Infineon Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Chipwerte erleiden sektorweite Verluste
  • Rekordumsatz von 4,17 Milliarden Euro
  • Jahresprognose auf 16,3 Milliarden angehoben
  • Aktienrückkauf kann Kursrutsch nicht stoppen

Der Ausverkauf bei europäischen Halbleiterwerten hat Infineon in dieser Woche erneut erfasst. Am Dienstag wurden Chipwerte in Europa breit verkauft: ASML verlor 2,8 Prozent, STMicroelectronics 4,4 Prozent, Infineon 4 Prozent. Auslöser waren steigende Finanzierungskosten an den internationalen Anleihemärkten, die den Diskontierungsfaktor für künftige Unternehmensgewinne erhöhen und Technologiewerte besonders empfindlich treffen.

Die Infineon-Aktie notiert aktuell bei 55,64 Euro und bewegt sich damit kaum verändert gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 55,65 Euro. Der Kursverfall der vergangenen Wochen zeigt sich vor allem im Vergleich zum 50-Tage-Durchschnitt von 68,72 Euro, von dem das Papier inzwischen 19 Prozent entfernt notiert. Der jüngste Ausverkauf trifft damit einen Wert, der operativ so stark wie nie zuvor dasteht.

Rekordumsatz trifft auf Zinsdruck

Am 5. August hatte Infineon Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vorgelegt, die den bisherigen Höchststand im Konzernumsatz markierten: 4.172 Millionen Euro, ein Plus von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Das Segmentergebnis lag bei 797 Millionen Euro, die Marge kletterte um 200 Basispunkte auf 19,1 Prozent. Der Gewinn nach Steuern stieg um 39 Prozent auf 423 Millionen Euro.

Infineon hob im Zuge der Zahlen die Jahresprognose an: Der Umsatz für das laufende Geschäftsjahr wird nun bei rund 16,3 Milliarden Euro erwartet. Vorstandschef Hanebeck verwies auf Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren als wichtigsten Wachstumstreiber und beschrieb weltweit steigende Investitionen in die Netzinfrastruktur als Rückenwind.

Auch im Automobilbereich zögen die Aufträge nach seinen Angaben spürbar an. Mehrjährige Kapazitätsreservierungsvereinbarungen mit führenden KI-Kunden seien abgeschlossen oder befänden sich in Verhandlung, mit einem kumulierten Umsatzvolumen im hohen einstelligen Milliardenbereich.

Dass die Kapitalmarktreaktion trotz dieser Zahlen negativ ausfällt, liegt am gesamten Sektor. Der Technologieindex des DAX gab in dieser Woche um 4,84 Prozent nach, ohne einen einzigen Gewinner in der Sektorübersicht.

Frisches Kapital fließt Medienberichten zufolge sichtbar nach Asien: TSMC meldete einen Monatsumsatz von rund 45 Prozent über Vorjahr, während Sony und TSMC gemeinsam 6,4 Milliarden Dollar in eine neue Bildsensor-Fabrik in Japan investieren.

Deutsche Ausrüster zahlen damit den Preis für eine geografische Verschiebung der Investitionsströme, obwohl die weltweite Nachfrage nach Rechenzentrums- und KI-Chips ungebrochen bleibt.

Rückkauf läuft, Übernahme abgeschlossen

Parallel zum Kursrutsch hat Infineon in der vergangenen Woche sein Aktienrückkaufprogramm fortgesetzt: Zwischen dem 10. und 14. August erwarb das Unternehmen über ein unabhängiges Kreditinstitut 640.634 eigene Aktien über den Xetra-Handel. Seit dem Start des Programms am vergangenen Montag hat die Aktie um 10,2 Prozent nachgegeben – der Rückkauf konnte den Abwärtsdruck aus dem Sektor damit nicht kompensieren.

Zum 1. Juli hatte Infineon zudem die Übernahme des nicht-optischen Sensorportfolios von ams OSRAM abgeschlossen. Das erworbene Geschäft bringt rund 230 Millionen Euro Umsatz im laufenden Kalenderjahr und soll sich bereits ab dem Abschluss positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken. Es stärkt die Position von Infineon als Anbieter von Sensoren für Industrie- und Automobilanwendungen und erweitert das Produktangebot im Medizinbereich.

Als Gradmesser für den weiteren Verlauf gilt Mitte August die Quartalsberichterstattung von Applied Materials, die als Indikator für den KI-Investitionszyklus 2027 dient. Fallen die Zahlen dort stark aus, könnte das europäischen Zulieferern wie Infineon Rückenwind verschaffen. Der nächste eigene Termin steht für Infineon am 10. November an, wenn der Konzern die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vorlegt.

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Infineon Aktie

55,84 EUR

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