Infineon Aktie: 81,25 Euro nach Broadcom-Schock
Infineon verliert nach Broadcoms schwachem Ausblick und KI-Kritik fast fünf Prozent. Das langfristige Bild bleibt trotz des Rücksetzers intakt.

Kurz zusammengefasst
- Kursrutsch nach Broadcom-Enttäuschung
- KI-Warnung von Anthropic belastet
- Schließung des Werks in Tijuana
- Jahresplus von über 112 Prozent
Erst am Mittwoch markierte Infineon ein neues 52-Wochen-Hoch. Zwei Tage später verliert die Aktie knapp fünf Prozent — und das ist kein Zufall, sondern Teil eines sektorweiten Abverkaufs.
Broadcom enttäuscht, der Rest leidet mit
Der Auslöser sitzt in den USA. Broadcom lieferte einen Ausblick, der die hochgesteckten Erwartungen der Märkte verfehlte. Die Folge: zweistellige Kursverluste bei Broadcom selbst, die sich wie ein Dominoeffekt durch den Halbleitersektor zogen. Nvidia, ASML und STMicroelectronics gerieten unter Druck — Infineon ebenso. Der Kurs fiel auf 81,25 Euro, rund 9,4 Prozent unter dem Rekordstand von 89,67 Euro vom Mittwoch.
Parallel dazu sorgte eine Stellungnahme des KI-Unternehmens Anthropic für zusätzliche Verstimmung. Der Entwickler des Sprachmodells Claude forderte ein langsameres Tempo bei der KI-Entwicklung und warnte ausdrücklich vor Kontrollverlustrisiken, wenn Sicherheitsaspekte dem technologischen Fortschritt untergeordnet werden. Das dämpfte die KI-Euphorie, die Infineon in den vergangenen 30 Tagen noch um über 36 Prozent nach oben getrieben hatte.
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Tijuana-Werk vor dem Aus
Abseits des Tagesgeschehens setzt Infineon die Straffung seines Produktionsnetzwerks fort. Das Backend-Fertigungswerk im mexikanischen Tijuana wird schrittweise geschlossen. Die Produktion soll an andere Standorte verlagert werden; ein Verkauf der Anlage wird geprüft. Das Werk stammt ursprünglich aus der Übernahme von International Rectifier im Jahr 2015.
Langfristbild bleibt intakt
Der heutige Rücksetzer relativiert sich beim Blick auf die Jahreskurve. Seit Jahresbeginn liegt Infineon mit über 112 Prozent im Plus — einer der stärksten Läufe im europäischen Halbleitersektor. Der RSI von 66,6 zeigt, dass sich der zuvor überkaufte Zustand etwas normalisiert hat. Technisch liefert das eine Erklärung für den Verkaufsdruck, ohne das übergeordnete Bild grundlegend zu verändern.
Wie schnell sich die Stimmung im Sektor wieder dreht, hängt maßgeblich davon ab, ob weitere US-Chipkonzerne in den kommenden Wochen enttäuschende Signale senden oder die Erwartungen stabilisieren können.
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