Infineon Aktie: Berenberg sieht 100 Euro
Trotz DAX-Schlusslicht und Sektor-Schwäche: Analysten bestätigen hohe Kursziele für Infineon. Rekordzahlen und KI-Boom stützen die optimistische Einschätzung.

Kurz zusammengefasst
- Kursziele bis 100 Euro bestätigt
- Rekordumsatz dank KI-Geschäft
- Sektorweite Verkaufswelle belastet Aktie
- RSI signalisiert überverkauften Bereich
Während die Infineon-Aktie zuletzt kräftig unter Druck geriet, bleiben renommierte Analysehäuser bei ihrer optimistischen Einschätzung. Berenberg bestätigte am Dienstag vergangener Woche ein Kursziel von 100,00 Euro für den Chiphersteller – nahezu das Doppelte des aktuellen Kursniveaus. Wenige Tage zuvor hatte bereits Goldman-Sachs-Analyst Alexander Duval sein Kursziel von 88,00 auf 91,00 Euro angehoben und die „Buy“-Empfehlung bekräftigt.
Die Diskrepanz zwischen fundamentaler Analystensicht und der tatsächlichen Kursentwicklung könnte kaum größer sein. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 56,35 Euro, ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit liegt der Kurs weiterhin deutlich unter den Zielmarken der Analysten – und auch unter dem eigenen 50-Tage-Durchschnitt, von dem das Papier 18 Prozent entfernt notiert.
Rekordzahlen als Fundament der Kurszielanhebungen
Die Grundlage für den Optimismus der Analysten bildet die Geschäftsentwicklung des Konzerns. Für das dritte Geschäftsquartal 2025/26 bis Ende Juni meldete das Management einen Rekordumsatz von rund 4,17 Milliarden Euro sowie einen Nettogewinn von 423 Millionen Euro. Gleichzeitig hob Infineon die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf etwa 16,3 Milliarden Euro an.
Als zentralen Wachstumstreiber nannte das Unternehmen das Geschäft mit KI-Rechenzentren, für das ein Jahresumsatz von über 1,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt wurde. Goldman-Sachs-Analyst Duval begründete seine Kurszielerhöhung explizit mit der beschleunigten KI-Nachfrage und einer Erholung der Endmärkte.
Parallel dazu bestätigte Infineon laufende Investitionen von rund 5 Milliarden Euro in das neue „Smart Power“-Werk in Dresden, mit dem der Konzern sein langfristiges Wachstum absichern will.
Sektorweiter Ausverkauf überschattet operative Stärke
Trotz dieser positiven Nachrichtenlage geriet die Aktie am 18. August unter massiven Verkaufsdruck und büßte 4,49 Prozent auf 59,19 Euro ein – der größte Tagesverlust im gesamten DAX. Marktbeobachter machten dafür keine unternehmensspezifischen Gründe verantwortlich, sondern eine sektorweite Verkaufswelle bei Halbleiterwerten. Auch Aixtron und Siltronic gerieten mit Kursverlusten von 6,02 beziehungsweise 5,57 Prozent in den Sog dieser Bewegung.
Für Anleger bedeutet das eine ungewöhnliche Konstellation: Operative Rekordwerte und angehobene Prognosen treffen auf eine Branchenstimmung, die kurzfristig kaum auf fundamentale Argumente reagiert. Der technische Indikator RSI von 37,3 signalisiert dabei eine Aktie im überverkauften Bereich, was zumindest kurzfristig auf eine gewisse Erschöpfung der Verkaufswelle hindeuten könnte.
Ergänzend zur fundamentalen Diskussion positionierte sich auch der Derivatemarkt: Société Générale legte Anfang August eine neue klassische Aktienanleihe auf Infineon mit Laufzeitbeginn im gleichen Monat auf – ein Zeichen dafür, dass institutionelle Anbieter trotz der Kursschwäche weiterhin Produkte rund um den Wert auflegen.
Für Infineon-Aktionäre bleibt die entscheidende Frage, ob die fundamentale Stärke des Unternehmens die aktuelle Sektorschwäche mittelfristig kompensieren kann. Die deutliche Diskrepanz zwischen Analystenkurszielen von 91 bis 100 Euro und dem aktuellen Kursniveau lässt zumindest Spielraum für eine Neubewertung, sollte sich die Stimmung im Halbleitersektor insgesamt aufhellen.
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