Infineon Aktie: Dritter Sieg gegen Innoscience

Landgericht München erlässt erneutes Verkaufsverbot für GaN-Chips von Innoscience. Infineon baut Patentvorsprung aus.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Szene, die die Halbleiterindustrie darstellt. Licht und Schatten auf mikrochipähnlichen Strukturen vermitteln Präzision und Erfolg. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Drittes Verkaufsverbot für Innoscience
  • Schadensersatz in unbestimmter Höhe
  • Berufung von Innoscience angekündigt
  • Aktie legt um 2,26 Prozent zu

Drei Niederlagen binnen elf Monaten. Innoscience aus China kassiert vor dem Landgericht München eine juristische Klatsche nach der anderen. Für Infineon ist es der jüngste Beweis, dass sich das eigene Patentarsenal auszahlt.

Gericht verhängt erneutes Verkaufsverbot

Am 3. Juli 2026 hat das Landgericht München I dem Wettbewerber erneut den Verkauf untersagt. Innoscience darf patentverletzende GaN-Halbleiter in Deutschland weder importieren noch verkaufen noch bewerben. Hinzu kommt Schadensersatz in bislang unbezifferter Höhe.

Der Fall betrifft die angebliche unautorisierte Nutzung von Infineons patentierten GaN-Technologien durch Innoscience. Das bestätigt die Fachpublikation Semiconductor Today.

Es ist bereits die dritte Niederlage in dieser Serie. Los ging es am 1. August 2025, als dasselbe Gericht dem chinesischen Hersteller den Vertrieb bestimmter GaN-Produkte verbot. Am 18. Juni 2026 folgten gleich zwei weitere Urteile. Jetzt der dritte Schlag binnen weniger Wochen.

Ein Patentportfolio als Waffe

Hinter der juristischen Offensive steckt schlicht Masse. Infineon hält nach eigenen Angaben rund 450 GaN-Patentfamilien. Diese Position hat sich der Konzern 2023 mit dem Kauf des kanadischen Spezialisten GaN Systems für 830 Millionen US-Dollar gesichert.

Die Technologie dahinter gilt als strategisch wichtig für mehrere Wachstumsmärkte. GaN-Transistoren schalten schneller und verlustärmer als klassisches Silizium. Deshalb wandert die Technik von Netzteilen über Solarwechselrichter bis zu Ladesäulen und Rechenzentren.

Für Infineon zählt das Segment doppelt. Der Konzern hat in Dresden gerade erst eine neue Fabrik für Leistungshalbleiter in Betrieb genommen. Das Feld einem günstigeren Wettbewerber zu überlassen, kommt für das Management nicht infrage.

Innoscience relativiert und geht in Berufung

So klar der Sieg vor Gericht ausfällt – seine Reichweite endet an der Grenze. Ein Verbot, das nur in Deutschland gilt, bremst einen weltweit liefernden Anbieter allenfalls punktuell. Innoscience betont, die aktuellen Produkte seien von den Münchner Urteilen gar nicht betroffen, und kündigt Berufung an.

Diese Verteidigungslinie fuhr das Unternehmen schon beim Juni-Urteil. Laut einer Fachpublikation für Patentrecht erklärte Innoscience damals, die Münchner Urteile bestätigten, dass seine aktuell vermarkteten GaN-Bauteile außerhalb des Schutzbereichs der geltend gemachten Patente lägen. Der Streit bleibt also offen. Eine Berufung gegen das zugrundeliegende Patent ist bereits beim Bundespatentgericht anhängig.

Auch die USA mischen mit

Der Konflikt läuft längst über mehrere Kontinente. Bereits am 7. Mai stellte die Full Commission der U.S. International Trade Commission fest, dass Innoscience ein Infineon-Patent im Bereich der GaN-Technologie verletzt hat. Weitere Verfahren wegen zusätzlicher Patentverletzungen sind sowohl in den USA als auch in Deutschland anhängig.

Kursreaktion und Marktumfeld

Die Infineon-Aktie schloss am Freitag bei 77,44 Euro, ein Plus von 2,26 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von über 102 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen die Aktie aktuell noch rund 13,6 Prozent.

Bereits das Juni-Urteil hatte für spürbare Kursbewegungen gesorgt. Ein Marktbeobachter berichtete damals, die Aktie habe seit Bekanntwerden der Münchner Urteile 10 Prozent gewonnen und sei im Tradegate-Handel bei 84,00 Euro gehandelt worden. Der aktuelle Rechtssieg fällt zudem in eine Phase, in der Infineon operativ Rückenwind aus dem Kapazitätsausbau in Dresden erhält.

Mit mehreren offenen Verfahren in Deutschland und den USA bleibt der Patentstreit ein Dauerthema für die Aktie. Der nächste juristische Termin dürfte nicht lange auf sich warten lassen – zuletzt fielen die Urteile fast im Monatstakt.

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Infineon Aktie

50,48 EUR

+ 1,93 EUR +3,98 %
KGV 52,61
KUV 4,91
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,70 %
Marktkapitalisierung 66,43 Mrd. EUR
Ø Kursziel 86,92 EUR
ISIN: DE0006231004 WKN: 623100

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