Infineon Aktie: Verbot in China bestätigt

Infineon erringt vier Siege in München, erlebt aber eine Niederlage in China. Der Patentstreit um Galliumnitrid-Chips entwickelt sich zu einem Patt mit Auswirkungen auf die KI-Infrastruktur.

Dr. Robert Sasse ·
Infineon Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Vier Gerichtssiege für Infineon in München
  • Niederlage vor chinesischem Gericht
  • GaN-Chips entscheidend für KI-Stromversorgung
  • Aktie unter Druck trotz juristischer Erfolge

Vier Siege in München, eine Niederlage in Peking. Infineon liefert sich mit dem chinesischen Konkurrenten Innoscience einen Patentstreit um Galliumnitrid-Chips – und die Fronten verlaufen exakt entlang der Landesgrenzen. Wer am Ende die Kontrolle über diese Schlüsseltechnologie behält, könnte mitentscheiden, wer künftig die Stromversorgung für KI-Rechenzentren liefert.

Vier Niederlagen für Innoscience in München

Binnen sechs Wochen sind vier Gerichtsentscheidungen ergangen. Das Landgericht München I hat am 18. Juni 2026 gleich zwei Verfahren zugunsten von Infineon entschieden. Ein weiteres Urteil folgte am 3. Juli, es betraf GaN-Leistungschips.

Auch in den USA hat sich Infineon durchgesetzt. Die US-Handelskommission ITC hatte im Mai ein Importverbot gegen bestimmte Innoscience-Chips verhängt. Nach Ablauf der 60-tägigen Überprüfungsfrist steht die Entscheidung nun fest: Innoscience darf die betroffenen GaN-Chips nicht mehr in die USA einführen.

China entscheidet gegen Infineon

Auf dem Heimatmarkt von Innoscience hat sich das Blatt gewendet. Der Oberste Volksgerichtshof in China hat am 13. Juni 2026 ein Verbot gegen Infineon bestätigt, das bereits die Vorinstanz Suzhou verhängt hatte. Der DAX-Konzern soll nun Schadenersatz zahlen, will aber noch weitere rechtliche Schritte in China prüfen.

Der Streit hat sich damit zu einem Patt entwickelt. Beide Seiten gewinnen in ihren jeweiligen Kernmärkten – Infineon in Deutschland und den USA, Innoscience in China.

Bedeutung für die KI-Infrastruktur

Der Ausgang des Rechtsstreits berührt mehr als nur zwei Unternehmen. Beide Firmen stehen auf derselben Zulieferliste, die Nvidia für seine neue 800-Volt-Gleichstromarchitektur veröffentlicht hat. GaN-Bauteile sollen künftig die Stromversorgung von KI-Racks übernehmen, weil Silizium bei hohen Schaltfrequenzen zu viel Energie verliert.

Für Abnehmer in der Lieferkette wird die Herkunft einzelner Bauteile damit zunehmend zur Compliance-Frage. Infineon hat sich seine starke Position im GaN-Markt 2023 mit dem Kauf des kanadischen Spezialisten GaN Systems für 830 Millionen US-Dollar gesichert. Der Konzern hält heute nach eigenen Angaben rund 450 GaN-Patentfamilien. Innoscience zählt zu den größten Anbietern von GaN-Wafern weltweit und wehrt sich gegen die Reichweite der Münchner Urteile.

Marktumfeld bleibt angespannt

Die juristischen Erfolge konnten den Kursdruck bislang nicht ausgleichen. Die Infineon-Aktie schloss am Freitag bei 63,80 Euro, ein Minus von 2,22 Prozent zum Vortag. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 19,08 Prozent zu Buche – deutlich mehr als der Wochenverlust von 0,37 Prozent.

Der Titel notiert derzeit rund 29 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro vom 3. Juni. Auf Jahressicht bleibt die Aktie mit einem Plus von 69,10 Prozent aber klar im positiven Bereich.

Der Patentstreit dürfte auch in den kommenden Wochen weiterlaufen. Infineon prüft weitere rechtliche Schritte in China, während die Münchner Urteile in Berufung gehen könnten. Für Zulieferer der KI-Infrastruktur bleibt bis zur endgültigen Klärung offen, welcher GaN-Anbieter langfristig ungehindert liefern darf.

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Infineon Aktie

62,85 EUR

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KGV 76,83
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,56 %
Marktkapitalisierung 81,87 Mrd. EUR
ISIN: DE0006231004 WKN: 623100

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