Infineon plus 77 Prozent seit Januar — wer kauft mitten in die Inflationssorgen?

Trotz hoher US-Erzeugerpreise und Öl über 105 Dollar legen Tech- und Industriewerte zu. Siemens erreicht Rekordhoch, Infineon führt TecDAX an.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • Infineon steigt um 3,9 Prozent
  • Siemens markiert neues Rekordhoch
  • Schaeffler führt MDAX-Rally an
  • Bitcoin fällt unter 80.000 Dollar

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern stellte ich die Frage, ob die Wette der Anleger aufgeht: Unternehmensgewinne gegen Inflation. Am Donnerstagnachmittag liefert der Markt seine vorläufige Antwort — und sie fällt eindeutig aus. Der DAX legt um 1,41 Prozent auf 24.478 Punkte zu, der MDAX um 1,26 Prozent auf 31.796 Punkte, der EuroStoxx 50 um 1,1 Prozent. Das Bemerkenswerte daran: Die Käufe konzentrieren sich auf Tech- und Industriewerte, also auf genau jene Sektoren, die bei steigenden Energiepreisen und verschobenen Zinssenkungen eigentlich unter Druck stehen müssten. Offenbar überwiegt das Vertrauen in die operative Substanz — vorerst.

Siemens und Infineon: Qualität schlägt Unsicherheit

Siemens markiert am Donnerstag ein neues Rekordhoch, die Aktie gewinnt zwischen 2,8 und 3,2 Prozent je nach Zeitpunkt. Zusätzlich meldet der Konzern die Übernahme von Kerngeschäften des italienischen Bahninfrastruktur-Spezialisten Mermec. Für sich genommen ist das eine mittelgroße Transaktion. Im Kontext ist es mehr: Industrielle Qualitätswerte werden weiter gekauft, obwohl Brent-Öl über 105 Dollar notiert und die US-Erzeugerpreise weit über den Erwartungen liegen.

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Noch auffälliger ist die Dynamik bei Infineon. Die Aktie steigt um 3,9 Prozent auf 66,57 Euro und stellt mit über 1,3 Millionen gehandelten Stücken das höchste Volumen im TecDAX. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 77 Prozent — kein anderer DAX-Wert kommt auch nur in die Nähe. Der Rückenwind aus den USA ist konkret: Cisco Systems hat am Mittwochabend Umsatz- und Gewinnprognose erhöht, die Aktie legte im regulären US-Handel 16,9 Prozent zu. Europäische Halbleiterwerte profitierten mit: STMicroelectronics plus 2,41 Prozent, ASML plus 1,04 Prozent, Aixtron und BE Semiconductor jeweils zwischen 1,4 und 2,7 Prozent.

Zweite Reihe bestätigt die Breite

Die Rally beschränkt sich nicht auf die großen Namen. Im MDAX führt Schaeffler mit einem Plus von bis zu 5,4 Prozent auf 9,96 Euro, gefolgt von RTL mit 3,78 Prozent und Aixtron mit 2,83 Prozent. Thyssenkrupp gewinnt 4,2 Prozent, nachdem die Citigroup ihr Kursziel auf 15 Euro angehoben hat. Im SDAX springt Dermapharm um 8 Prozent — Berenberg erhöhte das Kursziel auf 60 Euro. SMA Solar macht Vortagesverluste mit einem Plus von 12 Prozent mehr als wett; am Mittag notierte die Aktie 12,18 Prozent höher bei 62,65 Euro.

Nicht alles steigt. Freenet verliert 6,39 Prozent auf 25,20 Euro und ist sowohl im MDAX als auch im TecDAX der schwächste Wert — trotz einer geschätzten Dividendenrendite von 8,07 Prozent für 2026. AUTO1 fällt um 3,10 Prozent, Carl Zeiss Meditec um 3,31 Prozent. Die Differenzierung innerhalb der Indizes nimmt zu: Wer operative Dynamik zeigt, wird belohnt. Wer nicht liefert, wird abgestraft — unabhängig von Bewertungskennzahlen.

Peking, Hormus, Erzeugerpreise: Der Rahmen bleibt fragil

Der geopolitische Hintergrund ist alles andere als beruhigend. Beim Trump-Xi-Gipfel in Peking bezeichnete Donald Trump die Gespräche als „extrem positiv und produktiv“. Xi Jinping warnte gleichzeitig vor einer erheblichen Verschlechterung der Beziehungen bei „Fehlbehandlung“ der Taiwan-Frage. Dass Nvidia-Chef Jensen Huang als Teil der US-Delegation nach Peking reiste, interpretieren Marktteilnehmer als Signal für mehr Flexibilität beim KI-Chip-Export — eine Lesart, die den Halbleiterwerten zusätzlich hilft.

An der Straße von Hormus bleibt die Lage angespannt. Die USA und China sind sich laut Weißem Haus einig, dass die Meerenge für Energietransporte offen bleiben muss. Die iranischen Revolutionsgarden meldeten, rund 30 Schiffe hätten seit der vergangenen Nacht passiert — Schiffe „feindlicher Staaten“ seien aber weiterhin ausgeschlossen. Brent-Öl bewegt sich zwischen 104,86 und 106,02 Dollar, WTI zwischen 100,92 und 101,19 Dollar.

In den USA erreichen S&P 500 und Nasdaq Composite neue Allzeithochs. Der Dow Jones nähert sich mit 49.986 Punkten der Marke von 50.000. Die Preisdaten rechtfertigen diese Euphorie nicht: Die US-Erzeugerpreise stiegen im Jahresvergleich um 6,0 Prozent statt erwarteter 4,8 Prozent, monatlich um 1,4 Prozent statt 0,5 Prozent. Der Kern-PPI legte um 5,2 Prozent jährlich zu. US-Importpreise stiegen im April um 1,9 Prozent — fast doppelt so viel wie prognostiziert. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank dennoch leicht auf 4,44 Prozent. Der Markt preist ein, dass die Fed die Inflation toleriert, statt sie zu bekämpfen.

Bauwende in Sicht, Bitcoin unter Druck

Abseits der Börse gibt es für Deutschland einen konstruktiven Impuls: Das DIW prognostiziert erstmals seit fünf Jahren wieder ein wachsendes Bauvolumen — preisbereinigt plus 1,7 Prozent 2026 und plus 3,4 Prozent 2027. Der Wohnungsneubau soll 2026 um 2,4 Prozent und 2027 um 6,1 Prozent zulegen. 2027 könnte das Bauvolumen über 600 Milliarden Euro erreichen, rund ein Achtel der Wirtschaftsleistung. Das Risiko benennt das DIW selbst: Staatliche Fördermilliarden könnten die Baupreise zusätzlich treiben — ein Inflationsrisiko, das zum Gesamtbild passt.

Bitcoin liefert den Gegenpart zur Aktienrally. Die Kryptowährung notiert bei rund 79.500 Dollar und damit unter der 80.000-Dollar-Marke. Am 200-Tage-Durchschnitt bei rund 82.000 Dollar ist sie zuletzt gescheitert. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Mittwoch Abflüsse von 635 Millionen Dollar, den höchsten Wert seit drei Monaten. Allein BlackRocks IBIT meldete am 13. Mai einen Nettoabfluss von 3.581 Bitcoin — umgerechnet 284,68 Millionen Dollar. Wenn Aktien steigen und Krypto fällt, ist das kein Zufall: Institutionelle Anleger schichten um, weg vom spekulativen Segment, hin zu Unternehmen mit Cashflows und Preismacht.

Was jetzt zählt

Die europäischen Märkte zeigen am Donnerstag eine beachtliche Stärke. Aber diese Stärke steht auf einem schmalen Fundament: Sie wird getragen von einer Handvoll Tech- und Industriewerte, die operative Dynamik vorweisen können. Die Makrodaten — Erzeugerpreise von plus 6 Prozent in den USA, Ölpreise über 105 Dollar, eine Taiwan-Frage ohne Lösung — bleiben unverändert schwierig. Für Anleger heißt das: Die Selektion wird wichtiger als die Richtung. Wer in Siemens, Infineon oder Schaeffler investiert ist, profitiert von konkreten Unternehmensnachrichten und Analystenimpulsen. Wer auf breite Indexgewinne setzt, wettet darauf, dass sich die geopolitischen und inflationären Risiken weiter vertagen lassen. Das kann gutgehen. Aber es bleibt eine Wette mit steigendem Einsatz.

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Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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