Infineon und ams OSRAM am Allzeithoch, AMD mit 13-Tage-Rally — Chipsektor im Umbau

Der KI-Boom treibt europäische und US-Chipwerte auf neue Höhen, während sich die Wachstumstreiber von Logik- zu Speicherchips verschieben. Die Unternehmen zeigen dabei sehr unterschiedliche Dynamiken.

Eduard Altmann ·
Asml Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Asml: Speicherchips überholen erstmals Logik-Aufträge
  • Infineon profitiert von steigendem KI-Strombedarf
  • AMD mit historischer 13-tägiger Rallye
  • ams OSRAM trotz Stellenabbau im Aufwind

Speicherchips verdrängen Logik-Aufträge als wichtigsten Wachstumstreiber für Halbleiter-Equipment. Was nach einem technischen Detail klingt, markiert einen strukturellen Umbruch — und erklärt, warum die fünf größten europäischen und amerikanischen Chipwerte diese Woche so unterschiedlich auf denselben KI-Megatrend reagieren.

ASML: Speicherchips überholen erstmals Logik-Aufträge

ASMLs Quartalszahlen lieferten den Beweis für diesen Paradigmenwechsel. Erstmals entfielen 51 Prozent der verkauften Werkzeuge auf Speicherchips. Die Bestellungen im Memory-Segment übertrafen mit 56 Prozent die Logik-Aufträge — ein historisches Novum. UBS bezifferte das Wachstum bei Speicher-Bestellungen auf 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben durch den Technologiesprung von 6F²- auf 4F²-DRAM-Knoten.

CEO Christophe Fouquet brachte die Lage auf den Punkt: Die Chipnachfrage übersteige das Angebot, Kunden beschleunigten ihre Kapazitätserweiterungen für 2026 und darüber hinaus. Das Management hob die Umsatzprognose für 2026 auf 36 bis 40 Milliarden Euro an — zuvor lag die Spanne bei 34 bis 39 Milliarden.

Ein Schatten liegt allerdings über dem Ausblick. Der im US-Kongress diskutierte „MATCH Act“ könnte ASMLs Lieferfähigkeit nach China einschränken. CFO Roger Dassen rechnet aktuell mit einem China-Anteil von 20 Prozent am Jahresumsatz. Sollten neue Exportbeschränkungen greifen, dürfte das Ergebnis eher am unteren Ende der Prognose landen.

Die Analystenreaktion fiel dennoch positiv aus:

  • Berenberg erhöhte das Kursziel auf 1.570 Euro
  • Deutsche Bank ging auf 1.600 Euro
  • Bernstein bestätigte die Kaufempfehlung

Bei einem Schlusskurs von 1.228,40 Euro am Freitag notiert die Aktie rund fünf Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch — die China-Unsicherheit scheint eingepreist, aber noch nicht vollständig verdaut.

Infineon: JPMorgan-Upgrade katapultiert die Aktie auf Zehnjahreshoch

Infineon schloss am Freitag bei 48,30 Euro — exakt am 52-Wochen-Hoch. Ein Plus von über fünf Prozent allein am letzten Handelstag und knapp 13 Prozent in einer Woche. Der Auslöser war klar identifizierbar.

JPMorgan stufte die Aktie von Neutral auf Overweight hoch und hob das Kursziel von 40 auf 48 Euro an. Die Begründung: Infineon profitiere als einer der Hauptgewinner vom steigenden Strombedarf in KI-Rechenzentren. Der Anteil an KI-bezogenen Leistungshalbleitern dürfte Ende des Geschäftsjahres 2026 und Anfang 2027 spürbar zunehmen — begünstigt durch eine neue Stromarchitektur in Servern.

Besonders interessant: Die Knappheit bei KI-MOSFETs strahlt laut JPMorgan auf Nicht-KI-Produkte aus. Infineon hat zum 1. April Preiserhöhungen für Leistungsschalter und PMICs an Kunden kommuniziert — ein klares Signal für gestiegene Preismacht in der gesamten Power-&-Sensor-Division.

Auf der Automobilseite erwartet die Bank eine Bereinigung der Lagerbestände bis zur zweiten Jahreshälfte 2026. Danach könnten Umsätze mit softwaredefinierten Fahrzeugen zum zweiten Wachstumsmotor werden. Der Analystenkonsens liegt bei einem Kursziel von 49,85 Euro mit einer einhelligen Kaufempfehlung — kein einziger Analyst empfiehlt den Verkauf.

AMD: 13 Tage Kursgewinne in Folge — längste Serie seit über 20 Jahren

AMDs Rally ist historisch. 13 aufeinanderfolgende Gewinntage, ein Wochenplus von 13 Prozent und ein neues Allzeithoch bei 278,26 Dollar am Donnerstag. Eine solche Serie gab es zuletzt vor mehr als zwei Jahrzehnten. Die Aktie bewegt sich in charttechnischem Neuland — keine früheren Widerstände bremsen den Kurs.

Mehrere Katalysatoren treiben die Euphorie. An erster Stelle steht die Partnerschaft mit Meta Platforms: ein milliardenschwerer Deal über 6 Gigawatt Rechenleistung mit maßgeschneiderten AMD-Chips, abgeschlossen im Februar. Bernstein-Analyst Stacy Rasgon sieht darin den Beleg für einen grundlegenden Wandel im Produktmix — weg von margenschwachen PC-Prozessoren, hin zu hochprofitablen Rechenzentrums- und Serverchips.

Zusätzlichen Schub liefert eine mehrjährige Kooperation mit der französischen Regierung zur Unterstützung der nationalen KI-Strategie. AMD positioniert sich damit gezielt im wachsenden Markt für souveräne KI-Infrastruktur in Europa.

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Die Analystenlandschaft spiegelt das Momentum wider. Rasgon erhöhte sein Kursziel auf 265 Dollar, einzelne Häuser sehen die Aktie bei bis zu 365 Dollar. Kritischere Stimmen gibt es auch: Citigroup kürzte auf 248 Dollar, RBC hält an 230 Dollar mit einem „Sector Perform“-Rating fest. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 454 Milliarden Dollar und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 107 preist der Markt bereits viel Zukunftsmusik ein — die kommende MI400-Chipserie und der ROCm-7.0-Softwarestack müssen liefern.

ams OSRAM: Sparplan „Simplify“ trifft auf öffentlichen Gegenwind

Während AMD und Intel Rekorde feiern, steckt ams OSRAM mitten in einem schmerzhaften Umbau. Das Sparprogramm „Simplify“ sieht den Abbau von rund 2.000 Stellen über drei Jahre vor. Knapp die Hälfte betrifft europäische Standorte, überwiegend in Deutschland.

Die konkreten Einschnitte sind hart: In Regensburg fallen Halbleiter-Arbeitsplätze im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich weg. Das Werk in Schwabmünchen mit rund 270 Beschäftigten wird bis Ende 2027 geschlossen. In Herbrechtingen sind etwa 250 weitere Stellen betroffen, Maßnahmen laufen bis 2029.

Parallel treibt das Management die Entschuldung voran. Der Verkauf des nichtoptischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäfts an Infineon für 570 Millionen Euro steht vor dem Abschluss im zweiten Quartal. Zusammen mit dem bereits abgeschlossenen Verkauf der Unterhaltungslampen-Sparte an Ushio für 114 Millionen Euro fließen rund 670 Millionen Euro — reserviert für die vorzeitige Tilgung hochverzinster Anleihen. Das Sparprogramm soll bis 2028 zusätzliche Einsparungen von 200 Millionen Euro liefern.

Die Kursentwicklung steht in auffallendem Kontrast zur operativen Schwere. Am Freitag sprang die Aktie um 8,5 Prozent auf 13,35 Euro — ein Plus von fast 50 Prozent im Monatsvergleich. Der Markt honoriert offensichtlich den Entschuldungsplan. Für das erste Quartal 2026 erwartet das Unternehmen allerdings nur rund 760 Millionen Euro Umsatz bei einer bereinigten EBITDA-Marge von etwa 15 Prozent. Für das Gesamtjahr signalisiert die Führung einen leichten Umsatzrückgang.

Das Analystenlager bleibt skeptisch: Nur ein Analyst empfiehlt den Kauf, vier raten zum Verkauf. Der Konsens-Kursziel impliziert ein Abwärtspotenzial von über 30 Prozent.

Intel: Core Series 3 im Handel, Quartalszahlen am Mittwoch

Intel schloss am Donnerstag bei 68,50 Dollar — ein neues Allzeithoch. Die Aktie hat sich seit ihrem Tief im April 2025 nahe 18 Dollar mehr als verdreifacht. In Euro gerechnet liegt der Kurs bei 58,28 Euro, ebenfalls auf Rekordniveau.

Der jüngste Impuls: Seit dem 16. April sind die ersten Systeme mit Intel Core Series 3 im Handel. Mehr als 70 Gerätedesigns von Acer, ASUS, HP, Lenovo, Dell, Samsung und MSI stehen in der Pipeline. Der Panther-Lake-Mobilprozessor ist der erste Consumer-Chip auf Basis des 18A-Prozessknoten — Intels neuer Fertigungstechnologie mit RibbonFET-GAA-Transistoren und PowerVia-Stromversorgung von der Chip-Rückseite. Die Performance-Versprechen sind ambitioniert: bis zu 1,9-fache Leistung bei großen Sprachmodellen und 2,3-fache Effizienz pro Watt und Dollar bei Video-Analysen.

Am 23. April folgt der nächste Stresstest — die Q1-Zahlen. Die Erwartungen sind gedämpft: Das Management hat einen Non-GAAP-Gewinn pro Aktie nahe null in Aussicht gestellt. Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2025 hatte Intel mit 0,15 Dollar je Aktie die Konsensschätzung von 0,09 Dollar übertroffen.

KeyCorp erhöhte kürzlich das Kursziel auf 70 Dollar und verwies auf anhaltende CPU-Lieferengpässe sowie zwei Runden von Preiserhöhungen bei Server- und Client-Prozessoren. Der breite Analystenkonsens bleibt allerdings verhalten: 37 Analysten kommen im Durchschnitt auf ein Kursziel von 47,68 Dollar — deutlich unter dem aktuellen Kurs. Fünf Kaufempfehlungen stehen sechs Verkaufsempfehlungen gegenüber.

Fünf Chipwerte, zwei Geschwindigkeiten

Die Woche offenbart eine wachsende Kluft innerhalb des Sektors:

  • AMD und Intel reiten auf einer Momentum-Welle aus KI-Begeisterung und verbesserten Fundamentaldaten — AMDs Meta-Deal und Intels 18A-Fertigungsdurchbruch wirken als jeweils eigenständige, aber gleichwertige Katalysatoren
  • ASML liefert starke Zahlen bei gleichzeitigem regulatorischem Risiko durch den MATCH Act
  • Infineon besetzt eine günstige Nische zwischen KI-Stromversorgung und potenzieller Auto-Erholung
  • ams OSRAM bleibt der herausforderndste Wert im Sektor — Stellenabbau, Vermögensverkäufe und sinkende Umsätze stehen einem ambitionierten Entschuldungsplan gegenüber

Die Rally ist kein Einzelphänomen: Broadcom, Micron und ON Semiconductor legten im April ebenfalls mindestens 30 Prozent zu.

Entscheidende Wochen für den Chipsektor

Intels Quartalsbericht am 23. April wird der nächste große Datenpunkt. Investoren fokussieren sich auf Fortschritte im Foundry-Geschäft und den 18A-Hochlauf. AMDs eigene Q1-Zahlen folgen am 5. Mai. Bei ASML wird der Fortgang der MATCH-Act-Gesetzgebung über Wochen die Stimmung beeinflussen. Infineon wiederum integriert ab dem dritten Fiskalquartal die von ams OSRAM übernommenen Sensor-Assets — das soll den Umsatz im Geschäftsjahr 2027 um geschätzte ein bis anderthalb Prozentpunkte steigern. Und bei ams OSRAM selbst werden die Mai-Zahlen zeigen, ob der „Simplify“-Plan aufgeht, ohne die Margen weiter zu belasten. Der KI-Infrastrukturausbau bleibt der dominante Nachfragetreiber — Geopolitik, Exportkontrollen und Automobil-Lagerzyklen bestimmen jedoch, wie unterschiedlich jeder einzelne Chipkonzern davon profitiert.

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