Infineon und Commerzbank im Rally-Modus, VW-Krise trifft Porsche SE

Infineon und Commerzbank führen die DAX-Erholung an, während Volkswagen und Porsche SE unter Prognosesenkung und China-Schwäche leiden.

Felix Baarz ·
Moderne Bürogebäude aus Glas und Stahl im goldenen Licht einer Stadtlandschaft. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Infineon profitiert vom KI-Rechenzentrumsgeschäft
  • Commerzbank nähert sich dem Jahreshoch
  • Siemens gewinnt dank Digitalgeschäft
  • Volkswagen senkt operative Margenprognose

Der DAX zeigt sich am Montag zweigeteilt: Wer am Freitag noch unter steigenden Anleiherenditen und schwachen Vorgaben litt, dreht heute ins Plus – zumindest bei Chips und Banken. Die Automobilbranche hingegen kommt aus dem Schatten der Volkswagen-Gewinnwarnung nicht heraus. Was am Freitag als breiter Ausverkauf begann, hat sich zu einer klaren Rotation entwickelt.

Technologie- und Finanzwerte führen die Erholung an, während zyklische Autotitel weiter Federn lassen. Diese Sektorrotation ist kein Zufall, sondern spiegelt unterschiedliche fundamentale Entwicklungen wider: Auf der einen Seite strukturelle Rückenwind-Themen wie der KI-Boom und Übernahmefantasie im Bankensektor, auf der anderen Seite handfeste operative Probleme in der Autoindustrie.

Infineon: Der KI-Boom treibt den Chipwert an

Infineon führt die Erholung mit einem Plus von 3,9 Prozent an und steht bei 58,27 Euro – nach einem Freitagsschluss von 56,08 Euro. Auf Wochensicht summiert sich der Anstieg bereits auf 7,5 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von 54 Prozent zu Buche.

Angetrieben wird die Rally vom Bereich Power & Sensor Systems. Moderne KI-Prozessoren benötigen immer mehr Energie, und genau hier positioniert sich Infineon mit effizienten Versorgungslösungen. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit deutlich steigenden Erlösen aus dem KI-Rechenzentrumsgeschäft, während parallel das Portfolio geschärft wird, um Kapital für Automotive, Industrie und Energieinfrastruktur freizusetzen.

Trotz der starken Erholung bleibt die Aktie noch 35 Prozent von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro entfernt. Die Volatilität ist mit knapp 49 Prozent auf Jahresbasis hoch – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Bewertung des KI-Trends bei Infineon weiterhin lebhaft diskutiert. Zyklische Risiken aus der Autokonjunktur bleiben bestehen, verlieren aber gegenüber der strukturellen KI-Story derzeit an Gewicht.

Commerzbank: Übernahmefantasie treibt die Erholung

Die Commerzbank-Aktie springt um 3,5 Prozent auf 41,79 Euro und macht damit einen Teil der Freitagsverluste wieder wett. Der Kurs nähert sich damit erneut dem 52-Wochen-Hoch von 43,34 Euro – nur noch 3,6 Prozent fehlen bis zur alten Bestmarke.

Zentraler Treiber bleiben die Gespräche zwischen Berlin und dem italienischen Großaktionär UniCredit. Eine ausstehende Genehmigung der Europäischen Zentralbank nährt Spekulationen, wonach eine Übernahme näher rückt als bislang angenommen. Auf Monatssicht hat sich das daraus resultierende Kursmomentum bereits auf ein Plus von 7,0 Prozent summiert, während die kurzfristige Wochenbilanz mit minus 2,1 Prozent noch die Nachwirkungen der jüngsten Korrektur zeigt.

Langfristig bleibt die Aktie ein Profiteur der Neubewertung deutscher Bankwerte. Steigende Zinserträge und die Aussicht auf eine mögliche Konsolidierung im Sektor stützen das Bild zusätzlich. Wie sich die Gespräche zwischen Rom, Berlin und Frankfurt in den kommenden Wochen entwickeln, dürfte über die kurzfristige Kursrichtung entscheiden.

Siemens: Stabilität dank breiter Aufstellung

Siemens gewinnt 3,8 Prozent und klettert auf 274,05 Euro, nach einem Freitagsschluss von 264,10 Euro. Damit liegt die Aktie praktisch exakt auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 274,71 Euro – ein Zeichen dafür, dass sich der Titel nach einer volatilen Phase wieder stabilisiert.

Das Digitalgeschäft gilt weiterhin als wichtigster Wachstumstreiber. Lösungen für energieeffiziente Infrastruktur und Automatisierung profitieren von der anhaltend hohen Nachfrage nach KI-Technologien. Nach einem starken Jahresauftakt hatte das Management die Prognose bereits angehoben, gestützt auf einen hohen und weiter wachsenden Auftragsbestand.

Die exzellente Bonitätseinschätzung sichert dem Konzern günstige Finanzierungsbedingungen. Auf Jahressicht steht ein Plus von 15 Prozent, über zwölf Monate sind es 20 Prozent. Damit gilt Siemens weiterhin als einer der stabileren Werte im Index – die breite Diversifikation über Industrie, Infrastruktur und Digitalisierung verschafft dem Titel relative Stärke, selbst während die Autobranche kämpft.

Porsche SE: Gefangen im Sog der VW-Krise

Porsche SE gibt 2,8 Prozent ab und fällt auf 27,43 Euro – nur noch gut 2 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 26,87 Euro. Der Rückgang ist eine direkte Folge der drastischen Prognosesenkung bei der Kernbeteiligung Volkswagen vom vergangenen Freitag.

Da die Holding maßgeblich über ihre VW-Beteiligung bewertet wird, schlägt jede negative Nachricht aus Wolfsburg unmittelbar durch. Die Porsche Automobil Holding SE hat ihre Prognose für das angepasste Konzernergebnis 2026 bereits angepasst: Statt eines Gewinns zwischen 1,5 und 3,5 Milliarden Euro erwartet das Unternehmen nun eine Spanne von einem Verlust von 0,5 Milliarden Euro bis zu einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro.

Auf Wochensicht hat die Aktie bereits 6,3 Prozent verloren, seit Jahresbeginn sind es 31 Prozent. Die enge strukturelle Verflechtung mit dem Mutterkonzern macht Porsche SE damit zu einem Hebelpapier auf die VW-Krise. Entscheidend für die weitere Entwicklung sind die nächsten Volkswagen-Zwischenberichte, das China-Geschäft und konkrete Fortschritte beim Konzernumbau.

Fresenius: Verschnaufpause nach starkem Lauf

Fresenius gibt 1,8 Prozent ab und notiert bei 45,10 Euro, nach einem Freitagsschluss von 45,92 Euro. Die Aktie hatte in den vergangenen Wochen eine bemerkenswerte Erholung hingelegt und war Anfang September mit einem Kurssprung an die Spitze des DAX gerückt.

Der heutige Rücksetzer lässt sich als klassische Gewinnmitnahme nach der vorangegangenen Rally interpretieren. Auf Monatssicht steht zwar ein Minus von 3,2 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Verlust mit 7,8 Prozent aber bereits deutlich reduziert gegenüber den Tiefständen im Sommer.

Der Kurs bewegt sich derzeit praktisch exakt auf seinem 50-Tage-Durchschnitt. Die operativen Fortschritte der Transformationsstrategie gelten weiterhin als tragende Säule für das Geschäftsmodell. Der Rückgang wirkt damit eher wie eine technische Korrektur nach starker Vormonatsperformance als wie ein fundamentaler Stimmungsumschwung.

Volkswagen: Die Gewinnwarnung wirkt nach

Volkswagen verliert weitere 1,4 Prozent auf 75,16 Euro und setzt damit die Talfahrt vom Freitag fort, als der Titel zum größten DAX-Verlierer avancierte. Auslöser war eine massive Prognosesenkung: Für 2026 traut sich der Konzern nur noch eine operative Umsatzrendite von rund einem Prozent zu, statt der bislang angenommenen vier bis 5,5 Prozent.

Als Ursachen nennt Volkswagen mehrere zusammenkommende Belastungsfaktoren. Der größte Einzelposten ist eine nicht zahlungswirksame Wertberichtigung auf den Goodwill des Geschäftssegments Porsche in Höhe von rund sechs Milliarden Euro. Hinzu kommen die anhaltende Schwäche in China und zusätzliche Aufwendungen für den laufenden Konzernumbau, sodass sich die Sonderbelastungen insgesamt auf rund zehn Milliarden Euro summieren.

Bereinigt um diese Einmaleffekte fällt das Bild weniger dramatisch aus – die operative Umsatzrendite würde dann bei rund vier Prozent liegen. Der Kurs notiert derzeit 15 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt, auf Wochensicht steht ein Rückgang von 7,8 Prozent. Für die Erholung bleibt vor allem die Entwicklung des China-Geschäfts entscheidend.

Sektordynamik im Überblick

Die aktuelle Bewegung im DAX lässt sich in wenigen Kernpunkten zusammenfassen:

  • Chips im Aufwind: Infineon profitiert von der Neubewertung des europäischen Halbleitersektors und dem KI-Investitionstrend.
  • Banken mit Übernahmefantasie: Commerzbank nähert sich dem Jahreshoch, getrieben von den UniCredit-Gesprächen.
  • Industrie stabil: Siemens zeigt dank Digitalgeschäft und hohem Auftragsbestand relative Stärke.
  • Autobranche unter Druck: Volkswagen und Porsche SE leiden gemeinsam unter der Gewinnwarnung und der China-Schwäche.
  • Gesundheitswerte in Konsolidierung: Fresenius pausiert nach starker Erholungsrally.

Ausblick: Rotation statt Ausverkauf

Der heutige Handelstag bestätigt die zunehmende Divergenz innerhalb des DAX. Während Chip- und Finanzwerte von strukturellen Trends wie KI-Investitionen und Konsolidierungsfantasie profitieren, kämpft die Autoindustrie mit handfesten operativen Problemen. Die Verwerfungen bei Volkswagen und Porsche SE offenbaren, wie stark die China-Schwäche und der Margendruck bei Elektrofahrzeugen die deutsche Kernindustrie belasten.

Für Anleger dürfte eine differenzierte Sektorbetrachtung in den kommenden Wochen wichtiger werden. Chipwerte wie Infineon könnten von der anhaltenden KI-Investitionswelle weiter profitieren, während Industriekonzerne wie Siemens von ihrer breiten Diversifikation getragen werden. Die Automobilbranche bleibt dagegen ein Unsicherheitsfaktor, dessen Erholung maßgeblich von den kommenden Volkswagen-Zwischenberichten und der Entwicklung in China abhängt.

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