Infineon und Marvell unter Druck — ASML trotzt dem Mitarbeiter-Protest

Die Halbleiterbranche zeigt widersprüchliche Signale: ASML meldet Rekordaufträge trotz Stellenabbau, während AMD einen Architektur-Meilenstein präsentiert und Infineon auf KI-Rechenzentren setzt.

Dr. Robert Sasse ·
Asml Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Asml mit Rekordaufträgen trotz Mitarbeiterprotesten
  • AMD präsentiert Prozessor mit doppeltem 3D-Cache
  • Infineon sichert strategischen SiC-Deal für KI
  • Marvell liefert Rekordzahlen, Aktie unter Druck

Walkout bei ASML, ein historischer Cache-Rekord bei AMD und Intels Preiskampf gegen Nvidia im GPU-Segment: Die Chipbranche liefert in dieser Woche ein Bild voller Widersprüche. Rekordaufträge treffen auf Stellenabbau, bahnbrechende Produkte auf fallende Kurse. Fünf Halbleiter-Aktien im Detail.

ASML: Rekordzahlen trotz Stellenabbau und Mitarbeiterprotest

Mehr als 1.000 Beschäftigte am ASML-Hauptsitz in Veldhoven legten am Montag während der Mittagspause die Arbeit nieder. Der Auslöser: Die Ankündigung, rund 1.700 Stellen zu streichen — etwa 3,8 Prozent der Belegschaft. Betroffen sind vor allem Führungskräfte in den IT- und Technikabteilungen. ASML will Management-Ebenen abbauen und bürokratische Strukturen verschlanken.

Der Widerspruch könnte kaum größer sein. Im vierten Quartal 2025 verbuchte das Unternehmen Rekordaufträge über 13,2 Milliarden Euro — 86 Prozent mehr als im Vorjahr und fast doppelt so viel wie von Analysten erwartet. Der Jahresumsatz lag bei 32,7 Milliarden Euro, der Nettogewinn stieg um 26,3 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. Für 2026 hob ASML die Umsatzprognose auf 34 bis 39 Milliarden Euro an.

Bernstein bekräftigte die Outperform-Einstufung und erhöhte das Kursziel auf 1.971 US-Dollar — deutlich über dem Konsens von rund 1.469 US-Dollar. Die These: Eine wachsende Lücke zwischen DRAM-Angebot und -Nachfrage zwingt Speicherhersteller zu massiven Investitionen. Bernstein erwartet, dass ASML bis 2028 rund 44 EUV-Systeme an DRAM-Kunden liefert — mehr als doppelt so viele wie 2025. Bei aktuell rund 1.150 Euro notiert die Aktie allerdings gut elf Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der Rückgang im Chinageschäft — von 33 auf erwartete 20 Prozent Umsatzanteil 2026 — bleibt ein Belastungsfaktor.

Infineon: SiC-Deal für KI-Rechenzentren als strategischer Wendepunkt

Infineon sicherte sich einen Zulieferervertrag für Siliziumkarbid-Bauteile (SiC) mit DG Matrix. Die SiC-MOSFETs des Münchner Konzerns sollen in der Interport-Plattform des Partners zum Einsatz kommen — einem Stromversorgungssystem für KI-Rechenzentren, das eine Effizienz von bis zu 98,5 Prozent erreicht. Der Kurs reagierte am 25. März mit einem Plus von 3,5 Prozent.

Der Deal untermauert Infineons strategischen Schwenk: Während die Automobilindustrie Investitionen in Siliziumkarbid-Chips wegen hoher Zinsen zurückfährt, wird der Rechenzentrums-Bereich zum Wachstumstreiber. Das Unternehmen spricht von einer Verzehnfachung in diesem Segment innerhalb von drei Jahren. JPMorgan stufte die Aktie am 20. März auf „Overweight“ hoch.

Die Bewertung bleibt ein Streitpunkt. Bei einem KGV von 51,5 und einem Kurs von 37,32 Euro — rund 20 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch — stellt sich die Frage nach dem Timing. Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von gut 44 Euro, einzelne Schätzungen reichen bis 51 Euro. Als nächster Katalysator gilt der Quartalsbericht am 5. Mai. Risikoreich bleibt die hohe China-Abhängigkeit: Etwa 30 Prozent des Umsatzes stammen aus der Region.

AMD: Doppelter Cache setzt neue Maßstäbe

AMD präsentierte heute den Ryzen 9 9950X3D2 — den ersten Desktop-Prozessor des Unternehmens, bei dem beide Chiplets mit der hauseigenen 3D-V-Cache-Technologie der zweiten Generation ausgestattet sind. Das Ergebnis: 208 MB On-Chip-Cache, aufgeteilt auf je 104 MB pro Chiplet. Ein echter Architektur-Meilenstein.

Die Zielgruppe überrascht: AMD positioniert den Chip nicht primär als Gaming-Prozessor, sondern als Werkzeug für Creator und Entwickler. Eigene Benchmarks zeigen Leistungssteigerungen von 5 bis 13 Prozent gegenüber dem Vorgänger in professionellen Anwendungen wie Blender, DaVinci Resolve und Chromium-Compilierungen. Gefertigt wird auf TSMCs 4-nm-Prozess, der Marktstart ist für den 22. April angekündigt. Der Preis steht noch nicht fest, dürfte aber über den rund 675 US-Dollar des 9950X3D liegen.

Am Markt zeigt sich AMD relativ stabil. Die Aktie notiert bei 175 Euro — weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 227 Euro, aber solide über dem 200-Tage-Durchschnitt. 37 Analysten empfehlen den Kauf, kein einziger rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 289,61 US-Dollar. Nächster großer Termin: die Quartalszahlen am 5. Mai.

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Intel: Aggressive GPU-Preise können den Kursverfall nicht stoppen

Intels Woche fasst das Dilemma des Konzerns in einer Zahl zusammen: minus 6,5 Prozent. Der Kurs fiel unter wichtige gleitende Durchschnitte — und das trotz eines bemerkenswerten Produktlaunches.

Am 25. März brachte Intel die Arc Pro B70 auf den Markt: eine professionelle Grafikkarte mit 32 GB ECC-GDDR6-Speicher, 367 INT8 TOPS für KI-Inferenz und einem Preis von 949 US-Dollar. Zum Vergleich: Nvidias RTX Pro 4000 kostet 1.800 US-Dollar, AMDs Radeon AI Pro R9700 liegt bei 1.299 US-Dollar. Die Preispositionierung ist aggressiv und zielt auf ein wachsendes Segment — lokale KI-Anwendungen in Unternehmen, die zunehmend von zentralen Cloud-Rechenzentren in On-Premises-Umgebungen wandern.

Wells Fargo sieht in Intels EMIB-T-Roadmap für Advanced Packaging einen taktischen Kurstreiber. Analyst Aaron Rakers verwies auf CFO-Aussagen, wonach Design-Win-Ankündigungen früher als erwartet kommen könnten — mit einem jährlichen Umsatzpotenzial von rund einer Milliarde US-Dollar. Technisch bewegt sich die Aktie bei 38 Euro nahe dem RSI-Wert von 31 im überverkauften Bereich. In der zweiten Jahreshälfte 2026 soll zudem das Sampling des Rechenzentrums-GPUs „Crescent Island“ beginnen.

Marvell Technology: Rekordergebnisse treffen auf geopolitische Nervosität

Marvell lieferte im Geschäftsjahr 2026 Rekordzahlen: 8,195 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, ein Plus von 42 Prozent. Im vierten Quartal allein setzte das Unternehmen 2,219 Milliarden US-Dollar um. Der GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 3,07 US-Dollar. Für das erste Quartal 2027 stellte das Management einen Umsatz von rund 2,4 Milliarden US-Dollar in Aussicht.

Die Produktoffensive unterstreicht den Anspruch, im KI-Rechenzentrum unverzichtbar zu werden. Anfang März stellte Marvell branchenweit erste PCIe-6.0- und CXL-3.0-Switches mit 260 Lanes vor. Die Übernahme von Celestial AI bringt photonische Interconnect-Technologie ins Portfolio — erste Umsätze daraus erwartet Marvell ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028, mit einer annualisierten Run Rate von 500 Millionen US-Dollar zum Jahresende.

Trotzdem gab die Aktie diese Woche nach. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten belasteten den gesamten Halbleitersektor, Rohstoffversorgung und steigende Energiepreise drückten auf die Stimmung. Bei rund 82,55 Euro liegt der Kurs gut 15 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt — ein Zeichen dafür, dass die jüngste Rally bereits eingepreist sein könnte. Analysten sehen trotzdem Potenzial: Sie prognostizieren einen Gewinnzuwachs von 84 Prozent in den kommenden Jahren.

Fünf Chipwerte zwischen Rekordzahlen und Bewertungszweifeln

Die wichtigsten Sektordynamiken im Überblick:

  • Exportkontrollen gegen China belasten ASML (Umsatzanteil sinkt auf 20 %) und Infineon (30 % China-Exposure) gleichermaßen
  • KI-Infrastruktur als gemeinsamer Nenner: ASML liefert die Maschinen, Marvell die Vernetzung, Infineon die Stromversorgung
  • Bewertungsdruck trotz starker Fundamentaldaten — der PHLX Semiconductor Index verlor in den letzten Tagen knapp 3 Prozent
  • Produktinnovation als Differenzierungsmerkmal: AMDs Cache-Verdopplung und Intels aggressive GPU-Preise verschieben die Wettbewerbslandschaft

Die nächsten 30 Tage bringen dichte Katalysatoren. AMDs 9950X3D2 geht am 22. April in den Handel — unabhängige Benchmarks werden die Leistungsversprechen auf die Probe stellen. Für Infineon und AMD stehen am 5. Mai Quartalszahlen an. Bei ASML dürfte sich bis Juni zeigen, ob die Restrukturierung die Auslieferungspläne für EUV-Systeme beeinflusst. Und Marvells Geschäftsmodell, das stark von den Investitionsbudgets der Hyperscaler abhängt, macht jede Andeutung einer Cloud-Capex-Verlangsamung zum Risikofaktor.

Die strukturelle Nachfrage nach Halbleitern ist intakt. Die kurzfristige Volatilität offenbart jedoch, wie unterschiedlich der Markt Execution, Bewertung und geopolitische Risiken bei jedem einzelnen dieser fünf Werte einpreist.

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Asml Aktie

1.152,60 EUR

– 13,20 EUR -1,13 %
KGV 47,18
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,62 %
Marktkapitalisierung 452,50 Mrd. EUR
ISIN: NL0010273215 WKN: A1J4U4

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