Inflation in Europa klettert im September wieder an
Höhere Energiepreise treiben die Teuerung; Zinsängste drücken den STOXX 600 auf einen möglichen Monatsverlust.

Kurz zusammengefasst
- Frankreichs Inflationsrate steigt auf 3,4 Prozent
- Fünf deutsche Bundesländer melden höhere Teuerung
- Eurozonen-Prognose sieht 3,6 Prozent Inflation
- STOXX 600 steuert auf Monatsminus zu
Die Teuerung in der Eurozone kehrt im September mit spürbarem Schwung zurück. Ursache dafür sind vor allem kletternde Energiepreise infolge des Kriegs im Iran. Für die europäische Geldpolitik bedeutet das eine neue Bewährungsprobe, auch wenn die Europäische Zentralbank vorerst an einem moderaten Kurs festhält.
Regionaldaten aus Deutschland und Frankreich verdeutlichen den Trend. In Frankreich zog die harmonisierte Inflationsrate im September auf 3,4 Prozent an, nachdem sie im Vormonat noch bei 2,6 Prozent gelegen hatte. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 3,1 Prozent gerechnet.
Teuerungswelle erfasst Kernmärkte
Verantwortlich für den französischen Preisschub waren in erster Linie teurere Erdölprodukte und steigende Gaspreise. Zudem zogen die Kosten für frische Lebensmittel wieder an, während der saisonale Preisrückgang im Transportgewerbe schwächer ausfiel als im Vorjahresmonat.
Parallel dazu zeichnet sich auch in Deutschland ein deutlicher Anstieg ab. In fünf großen Bundesländern legte die Inflationsrate im September zu. In Bayern kletterte die Teuerungsrate von zuvor 2,9 auf 3,2 Prozent, in Nordrhein-Westfalen sogar auf 3,3 Prozent. Ökonomen rechnen daher für die größte Volkswirtschaft des Euroraums mit einer nationalen Teuerungsrate von 3,2 Prozent.
Auf Ebene des gesamten Euroraums gehen Prognosen von einer Inflationsrate von 3,6 Prozent im September aus, nach 3,2 Prozent im Vormonat. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte jedoch klar, dass der diesjährige Preisschub bisher keine gefährlichen Zweitrundeneffekte ausgelöst habe. Eine moderate geldpolitische Reaktion bleibe deshalb vorerst angemessen.
Anleihemärkte belasten Aktien
An den Finanzmärkten hinterlässt die Entwicklung dennoch deutliche Spuren. Globale Anleiherenditen stiegen zuletzt auf Mehrjahreshochs, da Investoren höhere Fremdkapitalkosten infolge der Energiepreisrisiken einpreisen.
Der europäische Leitindex STOXX 600 steuert infolge der Zinsängste auf einen Monatsverlust von 1,5 Prozent zu. Es ist der erste monatliche Rückschlag für das Barometer seit sechs Monaten, womit das dritte Quartal nahezu unverändert abschließt.
Klarheit über das tatsächliche Ausmaß des Preisdrucks im gesamten Währungsraum bringen die offiziellen Inflationsdaten für die Eurozone am Freitag.