Inflation und Geopolitik erschüttern Märkte

Steigende Ölpreise und blockierte Handelswege belasten die Finanzmärkte. Die US-Notenbank könnte die Zinsen noch 2026 anheben.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Brent-Rohöl steigt auf 107 Dollar
  • Fed-Zinserhöhung wird wahrscheinlicher
  • Nvidia-Aktie legt nach Chip-Genehmigung zu
  • Britisches Pfund leidet unter politischer Krise

Steigende Ölpreise, eine blockierte Meerenge und ein Führungsstreit in London — die Finanzmärkte kämpfen dieser Woche an mehreren Fronten gleichzeitig. Das Ergebnis: US-Anleiherenditen auf Jahreshoch, ein erstarkter Dollar und wachsende Sorgen, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen noch in diesem Jahr anheben könnte.

Der Treiber hinter allem: Öl und der Hormuzkonflikt

Wer verstehen will, warum die Märkte derzeit so unter Druck stehen, muss nach Teheran blicken. Seit dem Iran-Krieg, der Ende Februar begann, ist die Straße von Hormus — eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt — faktisch gesperrt. Angriffe auf Handelsschiffe und gestörte Energielieferungen treiben den Ölpreis immer weiter nach oben. Brent-Rohöl notiert inzwischen bei rund 107 Dollar je Barrel, ein Wochenanstieg von 5,7 %.

Der IWF sieht die Weltwirtschaft damit bereits klar im mittleren seiner drei Szenarien aus dem April-Ausblick: globales Wachstum von nur noch 2,5 % in diesem Jahr, statt der 3,1 %, die bei einem raschen Ende des Konflikts möglich wären. Energiepreise über 100 Dollar das Jahr hindurch, steigende Inflationserwartungen und eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen — diese Kombination belastet Haushalte, Unternehmen und Notenbanken gleichermaßen.

Anleihen unter Druck — Zinswende in Sicht?

Die direkteste Auswirkung zeigt sich am US-Anleihemarkt. Eine Serie schwacher Auktionen — dreijährige Anleihen, zehnjährige Papiere und 30-jährige Bonds — verdeutlicht, wie nervös Investoren geworden sind. Die 30-jährige Rendite kletterte auf 5,06 %, den höchsten Stand seit Juli 2025. Die zweijährige Rendite stieg auf 4,056 %, die zehnjährige auf 4,518 %.

Der Markt zieht seine Schlüsse: Laut dem CME FedWatch Tool preisen Investoren mittlerweile eine über 44-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass die Fed die Zinsen bis Dezember anheben wird — vor einer Woche lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei 22,5 %. Robuste Einzelhandelsumsätze im April und ein stabiler Arbeitsmarkt untermauern das Bild einer widerstandsfähigen US-Wirtschaft, die Inflation nicht schnell genug abkühlen lässt.

„Unsere US-Inflationsprognosen wurden für 2026 erneut nach oben korrigiert“, sagt Alvin Liew, Senior-Ökonom bei UOB. Er rechnet nun damit, dass die Fed die Zinsen bis Ende 2026 unverändert lässt und erst 2027 wieder mit Senkungen beginnt.

Nvidia-Euphorie trifft auf Realitätscheck

Inmitten der Zinssorgen lieferte Nvidia einen der wenigen lichten Momente der Woche. Nachdem die USA den Verkauf der H200-Chips an zehn chinesische Unternehmen genehmigten, schoss die Aktie um 4,4 % nach oben und hievte S&P 500 und Nasdaq auf neue Rekordhöhen. Nvidia-Chef Jensen Huang begleitete US-Präsident Donald Trump zum zweitägigen Gipfeltreffen mit Xi Jinping in Peking — seine Anwesenheit hatte Hoffnungen auf weitere Lockerungen der Chip-Exportbeschränkungen geweckt.

Die Realität blieb nüchterner. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer stellte klar, dass Chip-Exportkontrollen beim bilateralen Treffen kein größeres Thema gewesen seien. Ob chinesische Firmen die genehmigten H200-Chips tatsächlich kaufen, liege letztlich an Peking selbst. Bislang wurde noch kein einziger Chip verkauft.

Die Euphorie über den Gipfel blieb in Asien ohnehin weitgehend aus. Der MSCI-Index für Asien-Pazifik ohne Japan fiel um 1,2 %, der Nikkei verlor ebenfalls 1,2 %, belastet durch die stärkste Erzeugerpreisinflation Japans seit drei Jahren — 4,9 % im April — was die Bank of Japan auf Kurs für weitere Zinserhöhungen hält. Selbst Südkoreas KOSPI, der erstmals die 8.000-Punkte-Marke überschritt, fiel am Ende des Tages um 3 %.

Was der Trump-Xi-Gipfel brachte — und was nicht

Trotz begrenzter Fortschritte beim Thema Chips signalisierte der Gipfel Bewegung an anderen Stellen. Trump berichtete, China werde 200 Boeing-Flugzeuge bestellen. US-Finanzminister Scott Bessent sprach von Gesprächen über Energie- und Agrarlieferungen sowie bilaterale Handels- und Investitionsgremien. Der IWF begrüßte den Dialog ausdrücklich: Jeder Schritt zur Reduzierung von Handelsspannungen sei gut für die Weltwirtschaft, so IWF-Sprecherin Julie Kozack.

Der Dollar profitierte von der gesamten Gemengelage und steuerte auf den stärksten Wochengewinn seit zwei Monaten zu — ein Plus von mehr als 1 % gegenüber einem Währungskorb. Der Yen rutschte auf über 158 je Dollar, was Tokio zunehmend unter Druck setzt, Interventionen zu erwägen.

Pfund unter Doppelbelastung

Besonders deutlich spürt das britische Pfund den Gegenwind — und das aus zwei Richtungen gleichzeitig. Einerseits leidet es unter dem erstarkten Dollar, andererseits unter einer handfesten politischen Krise in London.

Gesundheitsminister Wes Streeting trat zurück und forderte offen einen Machtkampf um den Parteivorsitz — ein Novum für einen amtierenden Kabinettsminister. In einem Brief an Premierminister Keir Starmer schrieb er: „Wo wir Vision brauchen, herrscht Vakuum. Wo wir Richtung brauchen, herrscht Drift.“ Das Pfund fiel auf ein Einmonatstief von 1,3385 Dollar.

Mögliche Nachfolger positionieren sich bereits: Manchesters Bürgermeister Andy Burnham, Ex-Vizeregierungschefin Angela Rayner und Rüstungsminister Al Carns. Für Unternehmen ist das ein Alarmsignal. „Es gab in meinen sechs Jahren als CEO zu viele Wechsel in der Regierungsstrategie und Führung“, sagte Aviva-Chefin Amanda Blanc. „Das schadet einer großen Volkswirtschaft.“

Die Bank of England steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Chefvolkswirt Huw Pill plädiert für eine „prompte, aber moderate“ Zinserhöhung, um inflationäre Zweitrundeneffekte zu verhindern. BoE-Gouverneur Andrew Bailey hingegen möchte abwarten. Der politische Druck hat die Renditen britischer Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit fast drei Jahrzehnten getrieben — und das dürfte die Debatte innerhalb der Notenbank weiter anheizen.

Ausblick: Viele offene Fragen

Die Märkte jonglieren dieser Tage mit ungewöhnlich vielen Unsicherheitsfaktoren zugleich: ein offener Krieg im Nahen Osten, ein fragiler Burgfrieden zwischen Washington und Peking, politisches Chaos in London und eine US-Notenbank, die zwischen Wachstum und Inflationsbekämpfung laviert. Dass der IWF trotz allem die mittelfristigen Inflationserwartungen als „gut verankert“ bezeichnet, ist vielleicht der einzige Lichtblick — vorerst.

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