Intel Aktie: 16,13 Milliarden Dollar Umsatz im Q2
Intel profitiert von staatlicher Beteiligung und günstigerer Chip-Technologie. Trotz Kurskorrektur sehen Analysten weiteres Potenzial von rund 27 Prozent.

Kurz zusammengefasst
- US-Regierung hält zehn Prozent an Intel
- EMIB-T-Technologie 50 Prozent günstiger als TSMC
- Umsatzplus von 25 Prozent im zweiten Quartal
- Analysten sehen Kursziel von 100 Euro
Ein Kursrutsch von fast 30 Prozent innerhalb eines Monats wirkt wie ein Alarmsignal. Bei Intel ist er das meiner Ansicht nach nicht. Wer nur auf die Charttechnik der letzten Wochen schaut, verpasst die eigentliche Geschichte: einen Konzern, der gerade zum strategischen Aktivposten der USA wird und dabei fundamentale Fortschritte macht, die der aktuelle Kurs nicht widerspiegelt.
Intel schloss am Freitag bei 78,42 Euro, ein Minus von 0,78 Prozent zum Vortag. Der 30-Tage-Rückgang von 28 Prozent hat viele Privatanleger verunsichert. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von fast 150 Prozent zu Buche – die Korrektur relativiert sich, sobald man sie in den größeren Zusammenhang stellt.
Der Staat als Anker
Der wichtigste Baustein meiner These: Die US-Regierung hält inzwischen rund 10 Prozent an Intel, ein Anteil im Wert von etwa 36 Milliarden Dollar. Dazu kommen CHIPS-Act-Zuschüsse von rund 8,5 Milliarden Dollar und Kredite über 11 Milliarden Dollar. Diese Konstellation nimmt dem Ausbau der heimischen Fertigung einen Großteil seines finanziellen Risikos.
In Ohio treibt Intel auf einem tausend Hektar großen Gelände den Ausbau seiner EMIB-T-Verpackungstechnologie voran. Die internen Ausbeuten nähern sich bereits 90 Prozent. Entscheidend ist der Kostenvorteil: EMIB-T soll rund 50 Prozent günstiger sein als TSMCs konkurrierendes CoWoS-L-Verfahren. Das ist ein struktureller Hebel, den der Markt meiner Einschätzung nach noch nicht einpreist.
Technologie und Nachfrage ziehen an
Mit der Core Ultra Series 3 auf Basis des 18A-Fertigungsprozesses liefert Intel den Beweis, dass der Konzern bei der Transistortechnologie wieder aufholt. Eine neue Absichtserklärung mit Lens Technology zu Glas-Substrat-Verpackungen soll den Vorsprung gegenüber TSMC und Samsung bei kommenden Chip-Architekturen sichern.
Auch operativ überzeugt das Bild. Im zweiten Quartal 2026 meldete Intel einen Umsatz von 16,13 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent zum Vorjahr, bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von 0,42 Dollar. Beide Werte lagen deutlich über den Erwartungen der Analysten.
Treiber war eine kräftig steigende Nachfrage nach Server-Prozessoren. Intel konnte die Durchschnittspreise für diese Chips um 48 Prozent anheben. Das Segment Data Center and AI erwirtschaftete allein 6,26 Milliarden Dollar Umsatz – ein Beleg dafür, dass Intels Produkte im globalen Ausbau der KI-Infrastruktur weiterhin unverzichtbar sind.
Chart zeigt Erschöpfung, nicht Bruch
Technisch befindet sich die Aktie nach einer kräftigen mehrmonatigen Rally in einer Abkühlungsphase. Sie notiert 20,5 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und liegt 37 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 124,58 Euro. Der 14-Tage-RSI von 39,2 nähert sich der überverkauften Zone – historisch oft ein Vorbote einer Stabilisierung.
Auch die Foundry-Sparte bleibt ein Belastungsposten: Im zweiten Quartal stand dort ein operativer Verlust von 2,089 Milliarden Dollar zu Buche. Allerdings schrumpfen diese Verluste allmählich. Die Zertifizierung der Design-Tools für die 14A- und 18A-Knoten deutet darauf hin, dass der schwierigste Teil des Fertigungsumbaus hinter Intel liegt.
Der Analystenkonsens sieht ein Kursziel von rund 100 Euro – das entspräche einem Potenzial von gut 27 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Für mich überwiegen die Argumente für eine Fortsetzung der Erholung. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt ist aus meiner Sicht eher ein Reset überzogener Erwartungen als das Ende der Wende-Story. Wer die kommenden Quartale mit Geduld begleitet, dürfte dafür belohnt werden.
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