Intel Aktie: Großkunden-Poker entscheidend?
Der neue Fertigungsknoten verspricht bessere Leistungswerte, doch Intel fehlen bislang verbindliche Großaufträge für die Foundry.
Kurz zusammengefasst
- 14A soll TSMC-Leistung fast erreichen
- Bis zu 20 Prozent mehr Tempo
- High-NA-EUV-Systeme kosten rund 380 Millionen Dollar
- Amazon und Microsoft prüfen die Technologie
Intel will mit einem neuen Fertigungsprozess direkt zum Branchenprimus TSMC aufschließen. Intel-Foundry-Chef Naga Chandrasekaran stellte in Aussicht, dass der künftige Knoten mit dem Codenamen 14A bei der Rechengeschwindigkeit bis auf fünf Prozent an das Konkurrenzprodukt A14 von TSMC herankommen soll. An der Börse schloss die Intel-Aktie gestern mit einem Abschlag von 3,6 Prozent bei 107,90 Euro.
Technische Spezifikationen und teure Ausrüstung
Chandrasekaran bezifferte den Leistungssprung gegenüber dem Vorgänger auf ein Geschwindigkeitsplus von bis zu 20 Prozent bei gleichem Energiebedarf. Alternativ lasse sich der Stromverbrauch bei identischem Tempo um knapp ein Drittel senken. Für die Produktion setzt der US-Konzern auf moderne High-NA-EUV-Belichtungsanlagen, für die pro System rund 380 Millionen Dollar fällig werden.
Während der taiwanische Rivale TSMC den Einsatz dieser kostspieligen Belichtungstechnik erst gegen Ende des Jahrzehnts plant, investiert Intel früher in die Ausrüstung. Die Amerikaner hoffen, durch den Technologievorsprung bei den Maschinen verlorenen Boden in der Halbleiterfertigung gutzumachen. Allerdings bindet der Aufbau der eigenen Auftragsfertigung gewaltige Mittel, was den wirtschaftlichen Erfolgsdruck auf das Management erhöht.
Druck bei der Kundengewinnung
Laut dem Analysehaus Piper Sandler prüfen Großkonzerne wie Amazon oder Microsoft die neue Fertigungstechnologie, verbindliche Bestellungen liegen bisher jedoch nicht vor. Die Analysten gehen davon aus, dass Intel bis Anfang 2027 einen Großkunden binden muss, um den für 2028 geplanten Start abzusichern. Für eine entsprechende Fabrik veranschlagt Piper Sandler Kosten von rund 10 Milliarden Dollar.
Intel-Chef Lip-Bu Tan machte bereits deutlich, dass der Konzern die Weiterentwicklung künftiger Fertigungsschritte ohne entsprechende Großaufträge überdenken könnte. Ein Einstieg externer Chipentwickler ist für die langfristige Rentabilität der Fabriken unverzichtbar. Ohne eine breite Kundenbasis drohen die neuen Fertigungsstätten zu einer dauerhaften Belastung für die Bilanz zu werden.
Kapazitätsengpässe der Konkurrenz als Chance
Eine Chance für Intel könnte sich aus Engpässen beim Marktführer ergeben. Wie Reuters berichtet, führt Apple erste Vorgespräche über eine Fertigung in den USA, da TSMCs fortschrittliche Kapazitäten über mehrere Jahre hinweg knapp bleiben könnten. Konkrete Aufträge hat der Technologiekonzern bislang allerdings nicht erteilt. Branchenbeobachter sehen eine mögliche Vereinbarung daher noch in weiter Ferne.
Für die Anleger bleibt die geplante Aufholjagd ein Balanceakt zwischen technologischem Anspruch und finanzieller Disziplin. Zwar verkürzt Intel den Rückstand auf die Konkurrenz bei den Leistungswerten spürbar. Solange jedoch keine vertraglich fixierten Großaufträge von Drittkunden vorliegen, bleibt der Erfolg der Foundry-Sparte mit spürbaren Risiken behaftet.
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