Intel kratzt am Allzeithoch, LPKF steigt in den SDAX auf — Cerebras vor Feuerprobe
Intel nähert sich dem Allzeithoch dank Apple-Gerücht, LPKF steigt in den SDAX auf. Cerebras steht vor erstem Quartalsbericht als Börsenneuling.

Kurz zusammengefasst
- Intel-Kurs durch Apple-Foundry-Gerücht beflügelt
- LPKF Laser gelingt SDAX-Aufstieg
- Cerebras vor erstem Quartalsbericht
- SanDisk profitiert von Speicher-Superzyklus
Fünf Tech-Aktien, ein gemeinsamer Treiber: Der Hunger nach KI-Infrastruktur verteilt Gewinne und Risiken entlang der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette höchst unterschiedlich. Während Intel mit einem möglichen Apple-Foundry-Deal die Fantasie befeuert und LPKF Laser heute offiziell in den SDAX einzieht, steht Cerebras Systems morgen vor seinem ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen. SanDisk reitet derweil die Welle eines beispiellosen Speicherzyklus, und Fujikura erholt sich von einem Kurseinbruch nach enttäuschendem Dreijahresausblick.
Intel: Apple-Gerücht katapultiert Kurs an die 52-Wochen-Marke
Ein einziger Social-Media-Beitrag hat Intel in eine neue Bewertungssphäre befördert. US-Präsident Donald Trump verkündete am 18. Juni, Apple werde künftig Chips über Intels Foundry-Sparte fertigen lassen. Die Aktie schoss um über zehn Prozent nach oben und notiert heute bei 122,62 Euro — nur 0,2 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
Weder Apple noch Intel haben den Deal bisher offiziell bestätigt. Weder konkrete Chip-Familien noch Produktionsvolumina oder Zeitpläne sind bekannt. Die Börse preist dennoch bereits ein, was die Vereinbarung bedeuten könnte: eine fundamentale Aufwertung von Intels Fertigungskompetenz.
Technisch untermauert wird die Fantasie durch den neuen 18A-P-Fertigungsknoten, den Intel auf dem VLSI-Symposium in Honolulu vorstellte. Er liefert neun Prozent mehr Leistung bei gleichem Energieverbrauch — oder 18 Prozent weniger Stromverbrauch bei gleicher Performance. Beides auf Basis der bestehenden 18A-Designregeln, was die Migrationshürde für potenzielle Foundry-Kunden senkt.
Die Analystengemeinde reagiert gespalten. Mizuho hob das Kursziel auf 135 Dollar an, behielt aber das „Neutral“-Rating. Benchmark setzt 140 Dollar an, Melius Research sogar 150 Dollar. Der Durchschnitt aller 48 Analysten liegt allerdings bei nur 94 Dollar — rund 30 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Diese Kluft zeigt, wie schnell die Foundry-Erzählung die Aktie neu bewertet hat, während viele Häuser den Beweis in den Zahlen noch abwarten.
- Jahresperformance: +265 % seit Jahresbeginn
- Marktkapitalisierung: rund 672 Milliarden Dollar
- EBITDA-Marge: 24,9 %
CEO Lip-Bu Tan hat angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte 2026 mehrere Foundry-Zusagen einzuholen. Der nächste Quartalsbericht am 23. Juli wird zeigen, ob hinter der Euphorie bereits belastbare Finanzzahlen stecken.
SanDisk: Wenn der Speichermarkt zum Superzyklus wird
SanDisks Kursanstieg liest sich wie ein Tippfehler: über 725 Prozent seit Jahresbeginn, mehr als das 45-Fache vom 52-Wochen-Tief. Am 18. Juni kletterte die Aktie um elf Prozent auf ein neues Allzeithoch von 2.184 Dollar.
Hinter dieser Rallye stehen handfeste Fundamentaldaten. Im dritten Fiskalquartal 2026 meldete SanDisk 5,95 Milliarden Dollar Umsatz — ein Anstieg von 251 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn erreichte 3,62 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge liegt bei rund 56 Prozent, die operative Marge knapp unter 40 Prozent.
Das Rechenzentrumgeschäft und die Edge-Sparte treiben das Wachstum. Allein im abgelaufenen Quartal unterschrieb SanDisk drei sogenannte New-Business-Model-Lieferverträge mit einem verbleibenden Auftragsvolumen von etwa 42 Milliarden Dollar. Zwei weitere kamen seither hinzu.
Die Angebotsseite bleibt eng. Die weltweite NAND-Nachfrage soll bis 2027 um jährlich 18 Prozent wachsen, während die Wafer-Starts 2026 sogar um fünf Prozent schrumpfen. Diese strukturelle Knappheit stützt Preise und Margen.
Für das vierte Quartal erwartet das Management einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden Dollar bei einem Gewinn je Aktie von 30 bis 33 Dollar. Morgan Stanley sieht SanDisk weiterhin als Profiteur eines verlängerten globalen Speicher-Aufwärtszyklus.
LPKF Laser: SDAX-Aufnahme trifft auf binäre Technologie-Wette
Heute ist ein besonderer Tag für LPKF Laser & Electronics. Das Garbsener Unternehmen steigt offiziell in den SDAX auf — gemeinsam mit Vincorion, Basler und Asta Energy Solutions, während Adesso und Borussia Dortmund den Index verlassen.
Die Indexaufnahme ist kein Zufall. LPKF hat seit Jahresbeginn knapp 376 Prozent zugelegt. Der Kurs liegt bei 28,60 Euro, gut 37 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Treiber der Rallye ist eine einzige Technologie: LIDE — Laser-Induced Deep Etching.
Das Verfahren bohrt mikrometergenau Kontaktlöcher in bis zu zwei Millimeter dicke Glassubstrate. Genau solche Substrate brauchen TSMC und Intel für die nächste Generation ihrer Chip-Gehäuse, um Hochleistungsprozessoren für KI-Rechenzentren zu verpacken. TSMC plant den Beginn der Massenfertigung mit Glas-Interposern für 2028. LPKF hat seine Produktionskapazitäten bereits erweitert.
Im ersten Quartal 2026 verbuchte LPKF die erste Bestellung für ein Produktionskapazitäts-Erweiterungssystem. Weitere Gespräche laufen.
Das operative Bild bleibt allerdings durchwachsen:
- Q1-Umsatz: 17,1 Millionen Euro, ein Rückgang von 32,4 Prozent
- EBIT-Verlust: minus 6,9 Millionen Euro (Vorjahr: minus 3,9 Millionen)
- Free Cashflow: minus 7,6 Millionen Euro
Für das Gesamtjahr bestätigt LPKF eine Umsatzprognose von 105 bis 120 Millionen Euro bei einer bereinigten EBIT-Marge zwischen minus 3,0 und plus 4,5 Prozent. Große Halbleiteraufträge sind bewusst nicht eingerechnet. Hauck & Aufhäuser sieht mit einem Kursziel von 30 Euro noch Luft, Montega warnt vor Restrukturierungskosten in Höhe von drei bis vier Prozent des Umsatzes. Der Halbjahresbericht am 23. Juli wird zeigen, ob die LIDE-Story Substanz hat — oder vorerst Fantasie bleibt.
Fujikura: Kräftige Erholung nach enttäuschendem Dreijahresausblick
Die Fujikura-Aktie legte heute 13,4 Prozent auf 35,28 Euro zu und hat damit in nur sieben Tagen fast 48 Prozent gutgemacht. Die Erholung folgt auf einen scharfen Rücksetzer: Nach Veröffentlichung des Dreijahresausblicks waren die Papiere um bis zu 17 Prozent eingebrochen.
Der Grund für die Enttäuschung: Fujikura peilt für das Geschäftsjahr ab April 2028 einen operativen Gewinn von 315 Milliarden Yen an. Analysten hatten im Schnitt 455 Milliarden Yen erwartet — eine Lücke von rund 30 Prozent.
Die aktuellen Geschäftszahlen erzählen eine andere Geschichte. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Fujikura einen Umsatz von 1,18 Billionen Yen, ein Plus von 21 Prozent. Der Nettogewinn sprang um 73 Prozent auf 157,2 Milliarden Yen. Allein die Sparte Informations- und Kommunikationstechnik steuerte über 80 Prozent des gesamten Betriebsgewinns bei. Glasfaserkabel und Fusionsspleißgeräte für Rechenzentren treiben die Nachfrage.
Fujikura investiert nun massiv in den Ausbau. Rund 40 Milliarden Yen fließen in ein neues Werk am Standort Sakura Works, um die Glasfaserkabelproduktion hochzufahren. Gleichzeitig hat das Unternehmen eine US-Tochtergesellschaft in Delaware gegründet — ein klares Signal, näher an die amerikanischen Hyperscaler heranzurücken.
Der Analystenkonsens liegt bei einem Kursziel von 5.859 Yen, gut 13 Prozent über dem letzten Schlusskurs. Die jüngste Einzelanalyse setzt sogar 6.800 Yen an. Ob der Markt über die konservative Dreijahresplanung hinwegsehen kann, hängt davon ab, wie nachhaltig die explosive Nachfrage nach KI-tauglicher Glasfaserinfrastruktur tatsächlich ist.
Cerebras Systems: Morgen kommt der Realitätscheck
Cerebras Systems steht vor seiner bisher größten Prüfung als börsennotiertes Unternehmen. Am Dienstag nach Börsenschluss veröffentlicht der KI-Chip-Spezialist seine ersten Quartalszahlen. Die Erwartungen: ein Verlust von 0,14 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 56,65 Millionen Dollar.
Die Aktie handelte heute zwischen 215 und 245 Dollar, zeigt also eine enorme Bandbreite. Seit dem Börsengang, bei dem Cerebras rund 6,4 Milliarden Dollar einnahm, pendelt der Kurs weit unter dem 52-Wochen-Hoch von 386 Dollar.
Im Gesamtjahr 2025 erzielte Cerebras einen Umsatz von 510 Millionen Dollar — ein Anstieg von 76 Prozent — bei einer Nettomarge von 47 Prozent. Getrieben wurde das Wachstum maßgeblich durch einen 750-Megawatt-Rechenvertrag mit OpenAI. Genau hier liegt das Risiko: Fast 80 Prozent des Auftragsbestands von bis zu 24,6 Milliarden Dollar hängen an einem einzigen Kunden.
Auf der SuperAI-Konferenz in Singapur demonstrierte Cerebras die Leistungsfähigkeit seiner WSE-3-Chips — die größten KI-Halbleiter, die je gebaut wurden. Sie nehmen jeweils einen kompletten Silizium-Wafer ein und reduzieren durch sogenannte Wafer-Scale-Integration Latenz und Engpässe gegenüber herkömmlichen GPU-Clustern.
Alle zehn Analysten, die das Papier abdecken, empfehlen den Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 294 Dollar, rund 25 Prozent über dem aktuellen Niveau. Die Spanne reicht von 250 bis 340 Dollar. Ob dieses Vertrauen gerechtfertigt ist, wird sich morgen Abend zeigen.
Fünf Glieder einer KI-Lieferkette — unterschiedliche Risikoprofile
Die fünf Aktien bilden zusammen fast die gesamte KI-Infrastrukturkette ab:
- Rohstoffschicht: SanDisk (NAND-Speicher) und Fujikura (Glasfaser) profitieren von physischer Knappheit und explodierten Margen
- Fertigungsschicht: Intel setzt auf sein Foundry-Geschäft und die Hoffnung auf Apple als Ankerkunden
- Packaging-Schicht: LPKF Laser besetzt mit seiner LIDE-Technologie eine Nische, die zur Schlüsselposition werden könnte
- Compute-Schicht: Cerebras Systems bietet einen einzigartigen Ansatz mit Wafer-Scale-Chips, ringt aber mit extremer Kundenkonzentration
Der globale NAND-Markt hat laut Counterpoint-Daten im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 46 Milliarden Dollar erreicht — das 3,5-Fache des Vorjahreswerts und bereits mehr als der gesamte Jahresumsatz 2023. Die Halbleiter-Lieferkette wird in Echtzeit neu bepreist.
Katalysator-Kalender: LPKF, Intel und Cerebras im Juli-Fokus
Der Terminkalender ist dicht. Morgen liefert Cerebras den ersten Härtetest für seine Bewertung. Am 23. Juli folgen gleich zwei Berichte: LPKF legt Halbjahreszahlen vor, Intel den nächsten Quartalsbericht. Beide Termine dürften darüber entscheiden, ob die jeweiligen Kurserzählungen auf solidem Fundament stehen.
Für Fujikura wird entscheidend sein, ob der Markt die konservative Dreijahresplanung als kaufmännische Vorsicht interpretiert — oder als Signal nachlassender Dynamik. Bei SanDisk bleibt die strukturelle Angebotsknappheit der zentrale Stützpfeiler. Solange die NAND-Nachfrage das Angebot übersteigt, spricht wenig gegen eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.
Eines verbindet alle fünf Titel trotz ihrer unterschiedlichen Risikoprofile: Der KI-Superzyklus ist der gemeinsame Motor. Wie viel davon bereits eingepreist ist, unterscheidet sich allerdings erheblich — von LPKFs binärer Technologie-Wette bis zu SanDisks margengetriebener Dynamik.
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