Intel sprengt die Erwartungen — Nvidia, AMD und TSMC auf Allzeithoch-Kurs

Intels Quartalszellen übertreffen Erwartungen und treiben den gesamten Chipsektor auf neue Höchststände. CPU-Nachfrage für KI wird zum Treiber.

Dr. Robert Sasse ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Intel übertrifft Gewinnerwartungen um das 28-Fache
  • AMD, Nvidia und TSMC erreichen neue Rekordkurse
  • CPU-Nachfrage für KI-Anwendungen steigt massiv
  • Halbleiterindex mit 17. grünen Handelstag in Folge

Intels Quartalszahlen vom Donnerstagabend haben eine Kettenreaktion ausgelöst, wie sie der Chipsektor seit Jahren nicht erlebt hat. Ein Gewinn je Aktie von 0,29 Dollar statt der erwarteten 0,01 Dollar — eine Überraschung um den Faktor 28. Die Schockwelle erfasste binnen Stunden den gesamten Halbleitersektor.

AMD schloss am Freitag mit einem Plus von fast 14 Prozent auf einem neuen Allzeithoch. TSMC erreichte ebenfalls Rekordniveau. Nvidia durchbrach erstmals seit Oktober die Marke von 5 Billionen Dollar Marktkapitalisierung. Der Philadelphia Semiconductor Index verzeichnete seine 17. grüne Handelssitzung in Folge — ein neuer Rekord, der den bisherigen Bestwert aus dem Jahr 2014 deutlich übertrifft.

Der Treiber hinter der breiten Neubewertung ist struktureller Natur: Agentische KI-Systeme verlagern den Rechenbedarf zunehmend von reinem GPU-Training hin zu CPU-intensiver Inferenz. Die einst verschlafene CPU-Sparte wird plötzlich zum unverzichtbaren Fundament der KI-Ära.

Intel: Die unwahrscheinlichste Comeback-Story des Jahres

Intel lieferte am 23. April die wohl überraschendsten Quartalszahlen der jüngeren Chipgeschichte. Der Umsatz im ersten Quartal 2026 lag bei 13,6 Milliarden Dollar — rund 1,4 Milliarden über dem Konsens. Besonders das Rechenzentrumsgeschäft stach heraus: Die Sparte wuchs um 22 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar, getrieben von der steigenden CPU-Nachfrage für KI-Anwendungen.

Die Aktie schoss am Freitag um knapp 20 Prozent nach oben und markierte bei 69,09 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Ein bemerkenswerter Turnaround für ein Unternehmen, das lange als Verlierer der KI-Revolution galt.

CEO Lip-Bu Tan bestätigte einen wichtigen Meilenstein: Intel 18A, der erste Angström-Prozessknoten des Unternehmens mit RibbonFET und rückseitiger Stromversorgung, ging im ersten Quartal in die Großserienproduktion. Panther-Lake-Prozessoren werden bereits in Vorserienmengen an OEM-Partner ausgeliefert.

Politischer Rückenwind kommt aus Washington. Die Trump-Administration wandelte im August 2025 einen Teil der ungenutzten CHIPS-Act-Zuschüsse in eine Beteiligung von rund 10 Prozent am Unternehmen um — die US-Regierung gehört damit zu Intels größten Aktionären.

Die Euphorie hat allerdings Grenzen. Intel schreibt weiterhin rote Zahlen: Der Nettoverlust weitete sich auf 4,28 Milliarden Dollar aus. Der Konsens von 33 Analysten liegt mit einem durchschnittlichen Kursziel von 61,23 Dollar deutlich unter dem aktuellen Handelsniveau. Die Bewertung spiegelt eher die Geschwindigkeit der Rally als fundamentale Überzeugung wider.

Nvidia: Zurück auf dem Thron der 5-Billionen-Klasse

Nvidia schloss am Freitag bei 208,27 Dollar — ein neues Rekordhoch. Die Marktkapitalisierung stieg auf über 5,12 Billionen Dollar. Damit ist Nvidia wieder das wertvollste Unternehmen der Welt, mit rund einer Billion Dollar Vorsprung auf Alphabet.

Der Weg dorthin war keineswegs geradlinig. In den ersten drei Monaten des Jahres lag die Aktie noch 6,4 Prozent im Minus. Erst der April brachte die Wende: Über 20 Prozent Kursgewinn in einem einzigen Monat, befeuert durch die Breite der Chipsektor-Rally.

  • Analystenkonsens: 38 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“ mit einem Kursziel von 266,24 Dollar — rund 28 Prozent über dem aktuellen Niveau
  • Umsatzerwartung: Wall Street rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit etwa 370 Milliarden Dollar Umsatz, nach 215,9 Milliarden im Vorjahr
  • Marktanteil: Geschätzt 84 Prozent bei High-End-KI-GPUs

Die Dominanz bleibt nicht unangefochten. Alphabet kündigte eigene Chips an, die noch in diesem Jahr Cloud-Kunden zur Verfügung stehen sollen. Und Regulierungsbehörden weltweit nehmen Nvidias Quasi-Monopol zunehmend ins Visier. Anleger blicken nun auf den 20. Mai, wenn Nvidia die Zahlen zum ersten Fiskalquartal 2027 vorlegt.

AMD: Rekordhoch und das Versprechen der CPU-Renaissance

Kein anderer Chipwert lieferte am Freitag eine derart explosive Kursbewegung wie AMD. Ein Plus von fast 14 Prozent katapultierte die Aktie auf 294,95 Euro — ein neues Allzeithoch. Die Marktkapitalisierung überschritt erstmals die Schwelle von 500 Milliarden Dollar.

Auslöser war nicht nur die Intel-Euphorie, sondern ein gezieltes Upgrade. D.A.-Davidson-Analyst Gil Luria stufte AMD von Neutral auf Kaufen hoch und hob sein Kursziel in einem einzigen Schritt um 70 Prozent an — von 220 auf 375 Dollar. Seine Begründung: Intels Ergebnisse seien ein Vorbote für einen massiven Wachstumsschub bei AMDs CPU-Franchise. Die CPU werde zum unverzichtbaren Fundament der KI-Ära. Auch Stifel erhöhte das Kursziel von 280 auf 320 Dollar.

Die Fundamentaldaten untermauern den Optimismus. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte AMD den Umsatz um 34 Prozent auf 34,64 Milliarden Dollar, der Gewinn legte um 164 Prozent zu. Am 5. Mai stehen die Zahlen zum ersten Quartal 2026 an. Analysten erwarten rund 9,84 Milliarden Dollar Umsatz — ein Wachstum von etwa 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Konsens von rund 40 Analysten liegt mit einem durchschnittlichen Kursziel von knapp 290 Dollar allerdings deutlich unter dem aktuellen Kurs. Luria steht mit seinen 375 Dollar als Einzelstimme weit darüber — eine klare Wette auf den CPU-Zyklus.

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TSMC: Rekordquartal und Prozess-Roadmap bis 2029

TSMC untermauerte seine Position als unverzichtbarer Fertigungspartner der KI-Industrie. Die Aktie erreichte am Freitag bei 402,46 Dollar ein neues Allzeithoch und legte auf Monatssicht rund 34 Prozent zu.

Die Grundlage lieferte ein Rekordquartal: 35,9 Milliarden Dollar Umsatz im ersten Quartal, ein Plus von 40,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn stieg um 58,3 Prozent. Die Bruttomarge erreichte 66,2 Prozent und übertraf damit die eigene Prognose. Für das zweite Quartal stellt das Management 39,0 bis 40,2 Milliarden Dollar in Aussicht.

Auf dem North America Technology Symposium am 22. April stellte TSMC den neuen A13-Prozessknoten vor — eine direkte Verkleinerung des A14-Knotens mit sechs Prozent Flächeneinsparung und voller Rückwärtskompatibilität. Produktionsstart: 2029, ein Jahr nach A14. Gleichzeitig erreicht die hauseigene Co-Packaged-Optics-Lösung TSMC-COUPE einen Meilenstein: Die Technologie geht 2026 in Produktion und verspricht doppelte Energieeffizienz bei zehnfach geringerer Latenz gegenüber herkömmlichen Lösungen.

Barclays hob das Kursziel von 450 auf 470 Dollar, Needham setzt auf 480 Dollar. TSMCs 3nm- und 2nm-Kapazitäten sind bis 2027 vollständig ausgebucht. Das Unternehmen peilt eine jährliche Wachstumsrate von 54 bis 56 Prozent beim KI-Beschleuniger-Umsatz bis 2029 an.

ASML: Angehobene Prognose, aber High-NA-Fragezeichen

ASML profitierte vom Sektorwind und legte zuletzt rund 3 Prozent zu auf 1.240,80 Euro. Die Aktie notiert damit rund 25 Prozent über dem Jahresanfangswert und hat sich seit dem 52-Wochen-Tief im April 2025 mehr als verdoppelt.

Auf der Hauptversammlung am 22. April in Veldhoven genehmigten Aktionäre zentrale Kapitalmaßnahmen: eine Gesamtdividende von 7,50 Euro je Aktie und ein neues Aktienrückkaufprogramm von bis zu 12 Milliarden Euro bis 2028. Das Management hob die Umsatzprognose für 2026 auf 36 bis 40 Milliarden Euro an — eine Spanne, die bis zu 22 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahresumsatz von 32,7 Milliarden Euro impliziert.

Im ersten Quartal 2026 erzielte ASML einen Umsatz von 8,8 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,8 Milliarden Euro. Die EUV-Wafer-Kapazität stieg um über 30 Prozent. Bemerkenswert: ASML investierte 1,3 Milliarden Euro in eine Partnerschaft mit Mistral AI zur Beschleunigung von Diagnostik und Feldoperationen.

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt: TSMC bestätigte auf seinem Symposium, dass für die Knoten A13 und A12 bis 2029 kein High-NA-EUV zum Einsatz kommen soll. Das bremst die kurzfristige Nachfrage nach ASMLs neuester Werkzeuggeneration, während die konventionelle EUV-Franchise stark nachgefragt bleibt. Hinzu kommt das China-Risiko: Der Umsatzanteil sank von 41 Prozent im Jahr 2024 auf 33 Prozent in 2025 und soll 2026 auf rund 20 Prozent zurückgehen. Mögliche Verschärfungen der Exportkontrollen bleiben ein latenter Belastungsfaktor.

CEO Christophe Fouquet bezifferte die erwarteten KI-Infrastrukturinvestitionen auf über 2,5 Billionen Dollar in den nächsten zwei bis drei Jahren, wobei 60 bis 70 Prozent in den USA anfallen dürften. Diese Zahl erklärt, warum der gesamte Sektor gleichzeitig neu bewertet wird.

Halbleitersektor zwischen CPU-Revival und Bewertungsdisziplin

Die Woche markiert einen Paradigmenwechsel in der Halbleiter-Erzählung. Jahrelang drehte sich alles um Nvidias GPU-Monopol beim KI-Training. Jetzt zeigt sich: Agentische Workloads brauchen massiv mehr CPU-Zyklen als reine Trainingsaufgaben. Intels Ergebnis lieferte den ersten harten Beleg für diese These — und der Markt extrapolierte sofort auf AMD.

Die Lieferkette erzählt eine ähnlich bullische Geschichte. Jeder fortschrittliche KI-Chip von Nvidia, AMD oder Apple durchläuft ASMLs Lithographiesysteme. Die angehobene Prognose des niederländischen Konzerns signalisiert, dass TSMC, Samsung und Intel den Fabrikausbau schneller vorantreiben als selbst die optimistischsten Schätzungen nahelegten.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Rally Substanz hat:

  • 5. Mai: AMD-Quartalsbericht — Bestätigung des CPU-Momentum?
  • 20. Mai: Nvidia-Quartalsbericht — Hält die GPU-Nachfrage Schritt?
  • TSMC Q2: Realisierung der Umsatzprognose von 39 bis 40 Milliarden Dollar bei stabilen Margen
  • ASML: Beobachtung der Exportkontroll-Gesetzgebung und High-NA-Nachfrage
  • Intel: Nachweis, dass der operative Turnaround die GAAP-Verluste überlagern kann

Fünf Vektoren, eine Rally — und offene Fragen

Der Halbleitersektor erlebt eine Phase, in der KI-Training, Inferenz, agentische Workloads und physische KI gleichzeitig Nachfrage erzeugen. Die Breite der Rally — 17 grüne Tage in Folge beim SOX-Index — spricht gegen eine einzelne Aktien-Story und für eine strukturelle Neubewertung.

Die entscheidende Frage hat sich verschoben: Nicht mehr ob der Zyklus real ist, sondern wie breit die Gewinne über das Chipökosystem verteilt werden. Intel muss beweisen, dass der operative Fortschritt die Milliardenverluste ausgleichen kann. AMD muss am 5. Mai liefern. Und Nvidia steht vor der Herausforderung, bei einer Bewertung von über 5 Billionen Dollar die Erwartungen erneut zu übertreffen. Die nächsten vier Wochen werden darüber entscheiden, ob aus der Frühlings-Rally ein dauerhaftes Regime wird.

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Nvidia Aktie

179,24 EUR

+ 6,36 EUR +3,68 %
KGV 41,33
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 4,92 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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