Intel verneunundzwanzigfacht die Erwartungen – und spaltet den Tech-Sektor

Intel verneunundzwanzigfacht die Analystenerwartungen, während Softwaretitel wie ServiceNow einbrechen. Der Kapitalfluss verlagert sich von Software zu Hardware.

Eduard Altmann ·
Intel verneunundzwanzigfacht die Erwartungen – und spaltet den Tech-Sektor

Kurz zusammengefasst

  • Intel übertrifft Gewinnerwartungen massiv
  • ServiceNow verliert nach Margensenkung
  • Tech-Riesen investieren 300 Milliarden in KI
  • SAP überzeugt mit starkem Cloud-Wachstum

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schrieb ich, diese Berichtssaison sortiere nach Bilanzen, nicht nach Branchen. Die Nacht von Donnerstag auf Freitag hat diese These verschärft – und ihr eine neue Dimension gegeben. Die Sortierung verläuft jetzt nicht mehr nur zwischen starken und schwachen Bilanzen. Sie verläuft zwischen den Etagen der Technologiebranche selbst: unten die Hardware, oben die Software. Und die beiden Stockwerke driften auseinander wie tektonische Platten.

Intels Quartal der Superlative

Intel meldete am Donnerstagabend einen bereinigten Gewinn von 29 US-Cent pro Aktie. Analysten hatten einen Cent erwartet. Das ist keine Überraschung, das ist eine Verneunundzwanzigfachung der Konsensschätzung. Der Umsatz stieg auf 13,6 Milliarden Dollar. Die Aktie legte am Freitag vorbörslich um bis zu 29 Prozent zu und erreichte Kurse um 85 Dollar – ein Niveau, das Intel zuletzt im Jahr 2000 gesehen hat, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase.

Was diesen Sprung antreibt, ist keine Nostalgie, sondern nackte Nachfrage. Die KI-Inferenz – also der produktive Einsatz trainierter Modelle – verschlingt Rechenkapazität in einem Ausmaß, das selbst Intels CPUs wieder attraktiv macht. Elon Musk plant laut übereinstimmenden Berichten, Intels neue 14A-Prozesstechnologie für sein Terafab-Projekt in Texas einzusetzen. Wer vor einem Jahr Intel abgeschrieben hat, bekommt gerade die Quittung.

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Die Software-Etage verliert den Boden

Eine Etage höher sieht die Welt anders aus. ServiceNow, dessen Kursverfall ich gestern beschrieben habe, beendete die Woche mit einem Verlust von 18 Prozent bei knapp 85 Dollar. Der Umsatz wuchs um 22 Prozent, die Margenprognose wurde gesenkt. Offiziell kosteten Projektverzögerungen durch den Nahost-Konflikt 75 Basispunkte Marge.

Die tiefere Frage stellt der Markt inzwischen offener: Brauchen Unternehmen noch teure Software-Abonnements, wenn KI-Agenten zunehmend Aufgaben übernehmen, für die bisher spezialisierte Plattformen nötig waren? Die Antwort geben die Tech-Konzerne selbst – allerdings nicht mit Worten, sondern mit Kündigungen. Meta streicht 10 Prozent seiner Belegschaft, rund 8.000 Stellen. Microsoft bietet 7 Prozent seiner US-Mitarbeiter freiwillige Abfindungen an. Die Milliarden für neue Rechenzentren müssen irgendwo eingespart werden.

300 Milliarden Dollar Capex – die Dimension der KI-Wette

Und diese Milliarden sind gewaltig. Alphabet plant für 2026 Investitionsausgaben von 175 bis 185 Milliarden Dollar. Microsoft veranschlagt 80 Milliarden, Meta 60 bis 65 Milliarden. Allein diese drei Konzerne stecken mehr als 300 Milliarden Dollar in Rechenzentren, Kühlung und Glasfaser. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt Finnlands.

Die Frage, ob diese Summen jemals einen angemessenen Ertrag abwerfen, wird nächste Woche konkreter. Microsoft und Meta legen am Mittwoch ihre Quartalszahlen vor, Apple folgt am Donnerstag. Dann wird sichtbar, ob die Investoren bereit sind, Capex-Budgets dieser Größenordnung weiter mitzutragen – oder ob auch auf dieser Etage die Nervosität wächst.

SAP als europäische Ausnahme

Inmitten der amerikanischen Dominanz lieferte SAP am Donnerstagabend Zahlen, die den Walldorfern einen seltenen Moment im Rampenlicht bescherten. Das währungsbereinigte Cloud-Wachstum lag bei 27 Prozent. Die Aktie zog am Freitag um über 6 Prozent auf fast 149 Euro an. SAP zeigt, dass europäische Softwarekonzerne vom KI-Rückenwind profitieren können – vorausgesetzt, sie bedienen Großkunden mit Produkten, die sich nicht so leicht durch einen KI-Agenten ersetzen lassen.

Abseits von SAP bleibt das deutsche Bild trüb. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist auf das Niveau von Mai 2020 gefallen. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent halbiert. Brent notiert hartnäckig über 105 Dollar, die Straße von Hormus bleibt blockiert, und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete europäische Beratungen über einen Marineeinsatz in der Region als „dumm“. Kanzler Merz versucht auf dem EU-Gipfel in Zypern, mit einem Angebot zur schrittweisen Lockerung der Iran-Sanktionen diplomatischen Spielraum zu schaffen. Die Arbeitsteilung ist schmerzhaft klar: Amerika investiert in die Infrastruktur der nächsten Dekade, Europa verhandelt über die Energieversorgung der laufenden.

Was nächste Woche zählt

Drei Termine bestimmen die Richtung. Am Mittwoch öffnen Microsoft und Meta ihre Bücher und damit die Frage, wie viel reales Geschäft hinter den KI-Investitionen bereits steht. Am Donnerstag folgt Apple. Parallel tagen die Bank of Japan, die Fed und die EZB. Drei Notenbanken, drei unterschiedliche Konjunkturlagen, drei Zinsentscheidungen.

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Für Anleger verdichtet sich das Bild dieser Woche zu einer klaren Erkenntnis: Das Kapital fließt nicht aus dem Technologiesektor ab. Es fließt nach unten – von der Software-Schicht in die Hardware-Schicht, von den Abonnementmodellen in die physische Infrastruktur. Wer in diesem Umfeld investiert, sollte weniger auf Wachstumsraten schauen und mehr auf die Frage, auf welcher Etage das jeweilige Unternehmen steht.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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