Iran-Deal drückt Öl unter 90 Dollar — Gold und Kaffee suchen Halt
Die Aussicht auf ein Abkommen mit dem Iran lässt die Ölpreise einbrechen, während Gold und Kaffee nach Halt suchen.

Kurz zusammengefasst
- Ölpreise stürzen nach Trump-Ankündigung ab
- Gold nähert sich überverkauftem Niveau
- Silber erholt sich nach heftigem Rücksetzer
- Kaffee leidet unter Rekordernte-Prognose
Trumps Ankündigung eines möglichen Abkommens mit Teheran hat am Donnerstag eine Schockwelle durch die Rohstoffmärkte geschickt. Brent und WTI brachen um mehr als vier Prozent ein, während Gold auf ein Sechsmonatstief rutschte. Gleichzeitig versucht Arabica-Kaffee, sich nach wochenlangen Verlusten zu stabilisieren. Ein Freitag mit fünf Rohstoffen, die unterschiedlicher kaum reagieren könnten.
Gold: Krisenmetall im Zinswürgegriff
Der Goldpreis hat sich am Freitagmorgen im asiatischen Handel auf knapp 4.240 USD erholt. Am Vortag war das Edelmetall noch auf 4.174 USD gefallen — ein Minus von gut zwei Prozent an nur einem Tag. Trump hatte geplante Militärschläge gegen den Iran abgesagt und Hoffnungen auf ein Friedensabkommen geweckt.
Was auf den ersten Blick paradox wirkt, hat einen klaren Mechanismus: Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar hat Gold fast 20 Prozent verloren. Der Krieg trieb die Inflation an, nicht die Goldkäufe. Steigende Preise schwächten die Argumente für geldpolitische Lockerungen weltweit. Händler preisen inzwischen eine fast 67-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine US-Zinserhöhung im Dezember ein.
Strukturell bleibt die Unterstützung intakt. Chinas Zentralbank stockte ihre Bestände im April um 8,1 Tonnen auf — der höchste Monatswert seit Dezember 2024. Goldman Sachs hält an einem Kursziel von 5.400 Dollar je Feinunze bis Jahresende fest. J.P. Morgan senkte zwar seine Durchschnittsprognose für 2026, behielt aber ein Basisszenario von rund 6.000 Dollar zum Jahresende bei.
Der RSI liegt bei knapp 31 — technisch betrachtet nähert sich Gold überverkauftem Territorium. Ein rasanter Anstieg wie im zweiten Halbjahr 2025 ist vorerst allerdings nicht in Sicht.
Silber: Sechs-Prozent-Sprung nach dem EZB-Schock
Silber legte am Donnerstag um 6,3 Prozent auf 67,42 USD je Feinunze zu und hielt sich am Freitag über der 67-Dollar-Marke. Der wachsende Optimismus rund um ein Iran-Abkommen milderte die Sorgen über Inflation und mögliche Zinserhöhungen.
Die Erholung kam nach einem heftigen Rücksetzer. Noch am Mittwoch war Silber auf 63 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit Dezember 2025. Drei Belastungsfaktoren trafen gleichzeitig auf den Markt:
- US-Erzeugerpreise stiegen im Mai um 6,5 Prozent im Jahresvergleich — der stärkste Anstieg seit November 2022
- Die EZB hob die Zinsen zum ersten Mal seit 2023 an und erhöhte ihre Inflationsprognosen für 2026 und 2027
- Die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten verschärften die Unsicherheit zusätzlich
Fundamental steht Silber auf solidem Grund. Der Markt steuert auf sein fünftes Defizitjahr in Folge zu. Von 2021 bis 2026 summiert sich der kumulierte Fehlbetrag auf 820 Millionen Feinunzen. Allein die Solarzellenproduktion verschlingt jährlich 230 Millionen Feinunzen — über die Hälfte der gesamten Nachfrage entfällt mittlerweile auf industrielle Anwendungen.
UBS hat ihre Prognosen dennoch nach unten korrigiert. Das Ziel für Ende Juni liegt nun bei 85 Dollar je Unze statt zuvor 100 Dollar. Für Dezember erwartet die Bank 80 Dollar, für März 2027 nur noch 75 Dollar.
Kaffeepreis: Rekordernte trifft auf Regen und Zurückhaltung
Arabica-Kaffee kletterte am Donnerstag auf 251 US-Cent pro Pfund, ein Plus von 2,6 Prozent. Im Monatsvergleich steht allerdings ein Minus von gut 15 Prozent, seit Jahresbeginn hat der Preis fast 30 Prozent verloren.
Der fundamentale Hintergrund erklärt den Abwärtstrend. Das USDA prognostiziert Brasiliens Ernte 2026/27 auf einen Rekordwert von 71,9 Millionen Säcken — 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Wert liegt deutlich über der offiziellen Schätzung der brasilianischen Behörde Conab von 66,7 Millionen Säcken.
Gegen einen weiteren freien Fall sprechen mehrere Faktoren. Anhaltende Regenfälle in Brasiliens Anbaugebieten drohen die Ernte zu verzögern. Die ICE-Arabica-Bestände fielen auf ein Sechseinhalb-Monatstief von rund 403.000 Säcken. Und die NOAA sieht eine 62-prozentige Wahrscheinlichkeit für ein El-Niño-Ereignis bis Mitte 2026, das die nächste Ernte empfindlich treffen könnte.
Hinzu kommt ein psychologischer Faktor: Brasilianische Bauern halten Bohnen zurück. Sie spekulieren auf höhere Preise und schaffen damit Engpässe am physischen Kassamarkt — selbst wenn die Futures längst auf eine Überversorgung hindeuten. Rabobank sieht den Markt bei ausbleibendem Wetterereignis allmählich in eine Phase großer Überschüsse eintreten.
Brent Crude: Unter 90 Dollar — der Iran-Effekt
Brent fiel am Donnerstag um mehr als vier Prozent in Richtung 89 Dollar je Barrel und erreichte damit den tiefsten Stand seit März. Der aktuelle Kurs liegt bei 89,94 USD. Auslöser war Trumps Aussage, die USA und der Iran stünden kurz vor einer Einigung. Ein Abkommen würde die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz wieder öffnen und iranische Verpflichtungen zum Atomwaffenverzicht beinhalten.
Die Hormuz-Blockade dauert nun über drei Monate an. Seit Beginn der Militäraktionen am 28. Februar ist der Schiffsverkehr durch die strategische Meerenge extrem eingeschränkt. Im Mai lag der Brent-Durchschnitt bei 107 Dollar je Barrel, zehn Dollar unter dem April-Wert — ein erster Hinweis auf nachlassende Kriegsprämie.
Händler blieben trotz der Friedenssignale vorsichtig. Selbst bei einem Durchbruch stünden erhebliche Hindernisse vor der vollständigen Normalisierung der Ölflüsse. Die EIA erwartet, dass die OECD-Lagerbestände bis Jahresende auf 50 Tage sinken — der niedrigste Stand seit Januar 2003.
Die Prognosen klaffen weit auseinander. Die EIA rechnet im Juni und Juli mit durchschnittlich 105 Dollar unter anhaltenden Störungsannahmen. J.P. Morgan erwartet dagegen Jahresdurchschnitte nahe 60 Dollar, sobald die Ölflüsse wieder aufgenommen werden. Eine Spanne von 45 Dollar zwischen zwei renommierten Prognosen — selten war die Unsicherheit so greifbar.
Rohöl WTI: Trumps Tweets im Stundenrhythmus
WTI rutschte auf 85,94 USD je Barrel, den niedrigsten Stand seit April. In vier Wochen verlor die US-Ölsorte knapp 16 Prozent. Am Mittwoch hatte WTI noch über zwei Prozent zugelegt, nachdem Trump sofortige Angriffe auf den Iran angekündigt hatte. Einen Tag später folgte die Kehrtwende mit dem Friedenssignal. Die Volatilität ist brutal.
Trump deutete an, dass ein Abkommen möglicherweise bereits an diesem Wochenende in Europa unterzeichnet werden könnte. Irans halboffizielle Nachrichtenagentur Fars berichtete, Teheran werde das Abkommen wahrscheinlich billigen — eine formelle Antwort steht aber noch aus.
Auf der Angebotsseite zeigen sich strukturelle Verschiebungen. Die Rohöllagerbestände in den USA sanken in der Woche bis zum 5. Juni um 7,2 Millionen Barrel. Die OPEC-Produktion fiel im März auf den niedrigsten Stand seit Juni 2020. Ein besonders deutliches Signal: Chinas Importe von saudischem Rohöl dürften bis Ende Juni auf 333.000 Barrel pro Tag sinken — von 1,4 Millionen Barrel Ende vergangenen Jahres.
Die prognostizierte Handelsspanne für Juni reicht von rund 72 bis 107 Dollar. Kein anderer Rohstoff hängt derzeit so sehr an einer einzigen Variablen: der Frage, ob und wann die Straße von Hormuz wieder passierbar wird.
Hormuz als Dreh- und Angelpunkt für alle fünf Rohstoffe
Die nächsten 48 Stunden könnten den Rohstoffmarkt grundlegend neu ordnen. Die USA erwarten eine iranische Antwort auf ein einseitiges Memorandum of Understanding, das beide Seiten zur Aufhebung der Hormuz-Beschränkungen verpflichten würde.
Für Öl wäre ein Abkommen ein massiver Belastungsfaktor — Minenräumung, Infrastrukturreparaturen und die Wiederherstellung der Ölproduktion dürften aber Monate dauern. Gold und Silber könnten mittelfristig profitieren, wenn nachlassender Energiepreisdruck den Inflationsdruck mindert und die Zinserhöhungsfantasie dämpft. Die großen Investmentbanken halten an Goldkurszielen jenseits der 5.000-Dollar-Marke fest.
Beim Kaffee bleibt die Lage gespalten zwischen Rekordangebot und Wetterrisiken. Der Rohstoffmarkt insgesamt tanzt nach wie vor nach der Melodie aus Washington und Teheran — und die kann sich im Stundenrhythmus ändern.
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