Iran-Deal entfesselt KI-Rallye — Micron, AMD und SoftBank auf Rekordjagd

Geopolitische Entspannung treibt Kurse von Micron, AMD und SoftBank. Nvidia setzt auf Anleihen, Oracle kämpft mit hohen Investitionen.

Andreas Sommer ·
Micron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Micron erreicht neues Allzeithoch
  • AMD übernimmt Speicher-Spezialist MEXT
  • Nvidia platziert 25-Milliarden-Anleihe
  • SoftBank führt asiatische Tech-Rallye an

Ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hat am Montag eine sektorweite Neubewertung bei KI-Aktien ausgelöst. Während Micron ein Allzeithoch markierte, AMD mit einer Übernahme punktete und SoftBank Asiens Tech-Rallye anführte, ging Nvidia mit einer milliardenschweren Anleihe einen ganz anderen Weg. Oracle blieb trotz Rekordauftragsbestand der große Außenseiter.

Micron: Allzeithoch und Analystenziele jenseits der 1.500 Dollar

Der Speicherchip-Hersteller legte am Montag über 10 % zu und schloss bei 1.088 Dollar — ein neues Rekordhoch. Die Kombination aus geopolitischer Entspannung und einer Welle an Kurszielerhöhungen trieb die Aktie in unerforschtes Terrain.

TD Cowen, RBC Capital Markets und Aletheia Capital hoben ihre Zielmarken auf 1.500, 1.200 beziehungsweise 1.600 Dollar an. Die These dahinter: Die Nachfrage nach KI-optimiertem Speicher ist strukturell, nicht zyklisch. Die Angebotslücke bei High Bandwidth Memory (HBM) dürfte die Preise weiter nach oben treiben — Aletheia erwartet eine Verdopplung der HBM-Durchschnittspreise bis 2027.

TD-Cowen-Analyst Krish Sankar rechnet mit einem Gewinn von rund 23 Dollar je Aktie im dritten Quartal, deutlich über dem Konsens von etwa 20 Dollar. Am 24. Juni legt Micron die Quartalszahlen vor. Die Aktie notiert aktuell nur gut 1 % unter dem 52-Wochen-Hoch und hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Mit einer Marktkapitalisierung von über einer Billion Dollar spielt Micron mittlerweile in einer Liga, die vor zwölf Monaten kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Parallel treiben die Amerikaner den Ausbau ihrer Fertigungskapazitäten voran. Bechtel wurde als Partner für den ersten Bauabschnitt eines neuen Speicherchip-Werks im Bundesstaat New York ausgewählt.

Nvidia: 25 Milliarden Dollar Anleihe, 85 Milliarden Nachfrage

Nvidia wählte am selben Tag einen anderen Hebel. Statt Kursfeuerwerk setzte der Chipgigant auf den Anleihemarkt — mit einer Investment-Grade-Emission über 25 Milliarden Dollar. Die Nachfrage übersteigt das Angebot um mehr als das Dreifache: Über 85 Milliarden Dollar an Orders liefen ein.

Das Paket umfasst sieben Tranchen mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren. Für die längste Tranche wird ein Aufschlag von rund 0,9 Prozentpunkten über US-Staatsanleihen erwartet. Es ist Nvidias erste Investment-Grade-Emission seit fünf Jahren, als das Unternehmen lediglich 5 Milliarden Dollar einsammelte.

Die Erlöse fließen in allgemeine Unternehmenszwecke, darunter die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten. J.P. Morgan, Morgan Stanley und Goldman Sachs begleiten die Transaktion. Die Nvidia-Aktie legte am Montag um 3,5 % zu und notiert bei 183,14 Euro — rund 10 % unter dem 52-Wochen-Hoch.

Die schiere Dimension der Anleihenachfrage sendet ein klares Signal: Auch der Rentenmarkt wettet auf den KI-Infrastrukturausbau. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Nvidia einen Umsatz von knapp 216 Milliarden Dollar bei einem Gewinn von rund 120 Milliarden — jeweils ein Plus von rund 65 % gegenüber dem Vorjahr. 62 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“ mit einem Kursziel von knapp 299 Dollar.

Oracle: Rekordzahlen, Rekordausgaben — und ein Kursrutsch

Oracle lieferte ein starkes Quartal ab und wurde dafür bestraft. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 2,03 Dollar über den erwarteten 1,96 Dollar. Der Umsatz kletterte um 21 % auf 19,18 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn stieg auf 4,22 Milliarden Dollar.

Was Anleger verschreckte, war der Blick auf die Bilanz dahinter. Oracle kündigte an, weitere 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapital aufzunehmen — zusätzlich zu den bereits im Geschäftsjahr 2026 platzierten 43 Milliarden an Anleihen und 5 Milliarden an Aktien. Der freie Cashflow rutschte für das Gesamtjahr auf minus 23,7 Milliarden Dollar ab, die Investitionsausgaben explodierten um 162 %.

Der Auftragsbestand (Remaining Performance Obligations) erreichte 638 Milliarden Dollar — eine gewaltige Pipeline an vertraglich gesichertem künftigem Umsatz. Die Jahresprognose für 2027 bestätigte Oracle mit 90 Milliarden Dollar Umsatz und hob die bereinigte Gewinnerwartung leicht auf 8,05 Dollar je Aktie an.

Die Aktie gab dennoch weiter nach und verlor in der vergangenen Woche rund 7 %. Bei einem Kurs von 165,94 Euro liegt Oracle fast 41 % unter seinem 52-Wochen-Hoch. RBC Capital Markets erhöhte das Kursziel auf 190 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Sector Perform“ — ein Signal, dass die Wall Street den langfristigen Wert sieht, kurzfristig aber skeptisch bleibt.

AMD: MEXT-Übernahme trifft ins Herz des Speicherengpasses

AMD setzte am Montag mit der Übernahme des Start-ups MEXT ein strategisches Ausrufezeichen. Das junge Unternehmen hat sich auf KI-gestützte Speicheroptimierung für Rechenzentren spezialisiert — genau jener Engpass, der aktuell die gesamte KI-Infrastruktur bremst.

MEXT entwickelt prädiktive Speicherverwaltungssoftware, die Flash-Speicher so performant wie teuren DRAM-Arbeitsspeicher macht. Selten genutzte Daten werden automatisch auf kostengünstigeren NAND-Flash verlagert. Das senkt Kosten und erhöht die nutzbare Speicherkapazität — ein kritischer Vorteil bei großskaligen KI-Workloads.

Die Aktie sprang nach der Ankündigung um mehr als 6 % nach oben. Bereits wenige Tage zuvor hatte Citigroup AMD auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel angehoben. Die Begründung: Der Markt habe AMDs wachsende Rolle als ernstzunehmender Zweitanbieter von KI-Chips noch nicht vollständig eingepreist. Bank of America bestätigte ebenfalls eine Kaufempfehlung.

AMD notiert bei 472,50 Euro und liegt nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs fast verfünffacht. 51 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“.

SoftBank: Geopolitik als Turbo für Japans KI-Flaggschiff

SoftBank war der größte Profiteur der Iran-Nachricht in Asien. Die Aktie legte am Montag mehr als 12 % zu und führte die Tech-Rallye an der Tokioter Börse an.

Der japanische Konzern hat sich in den vergangenen Jahren vom Telekom-Konglomerat zum KI-Investmentvehikel gewandelt. Anfang Juni überholte SoftBank Toyota als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Japans. Die Treiber:

  • Beteiligung an Arm Holdings
  • Geplantes 100-Milliarden-Dollar-Joint-Venture „Stargate“ mit OpenAI für KI-Rechenzentren
  • Investition von 7,5 Milliarden Dollar in Nvidias GB200-NVL72-Server

Im Geschäftsjahr 2026 erwirtschaftete SoftBank einen Umsatz von 7,8 Billionen Yen bei einem Gewinn von knapp 5 Billionen Yen — ein Ergebnissprung um über 339 %. Das KGV von 7,4 wirkt angesichts dieser Dynamik niedrig.

Ein Warnsignal gibt es allerdings: Die Gespräche über eine mindestens 6 Milliarden Dollar schwere Kreditlinie, besichert durch SoftBanks OpenAI-Anteil, sind ins Stocken geraten. Ursprünglich hatte der Konzern sogar 10 Milliarden Dollar angepeilt.

Fünf KI-Aktien, ein Auslöser — und grundverschiedene Signale

Der Iran-Deal war der gemeinsame Katalysator. Die Reaktionen offenbarten jedoch fünf völlig unterschiedliche Geschichten:

  • Micron profitiert als Speicherzulieferer direkt von der strukturellen KI-Nachfrage — Analysten sehen weiteres Kurspotenzial von über 40 %
  • AMD setzt mit der MEXT-Übernahme auf Software-Intelligenz, um den Speicherengpass zu entschärfen
  • Nvidia nutzt seine Marktstellung, um sich über den Anleihenmarkt langfristig günstig zu finanzieren
  • SoftBank funktioniert als gehebelter KI-Proxy und reagiert besonders empfindlich auf Makro-Signale
  • Oracle ringt mit der Frage, ob massive Investitionen in KI-Infrastruktur kurzfristig zu viel Kapital verbrennen

Das Muster ist eindeutig: Unternehmen im Zentrum der physischen KI-Lieferkette — Chips, Speicher, Server — werden als strukturelle Wachstumswerte bewertet. Die zyklische Brille hat der Markt abgelegt.

KI-Sektor zwischen Euphorie und Kapitaldisziplin

Die Woche ab dem 16. Juni bringt gleich mehrere Weichenstellungen. Microns Quartalszahlen am 24. Juni werden zeigen, ob die Analystenhochstufungen gerechtfertigt sind. Für AMD hängt viel davon ab, wie schnell die MEXT-Technologie ins bestehende Rechenzentrumsportfolio integriert wird.

Nvidias Anleiheemission hat bereits ihr Urteil bekommen — mit überwältigender Nachfrage. SoftBank wiederum steht und fällt mit der Frage, ob das 60-tägige Interimsabkommen zwischen den USA und dem Iran in ein dauerhaftes Friedensabkommen mündet. Die offizielle Unterzeichnung ist für den 19. Juni in der Schweiz geplant.

Oracle verkörpert das Dilemma des Sektors am schärfsten: Ein Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar ist beeindruckend. Die Antwort darauf, ob die aggressiven Kapitalausgaben den erhofften freien Cashflow tatsächlich liefern, steht noch aus. Der Markt hat seine Skepsis deutlich zum Ausdruck gebracht — und genau darin könnte für mutige Anleger auch eine Chance liegen.

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Micron Aktie

922,20 EUR

+ 57,60 EUR +6,66 %
KGV 46,30
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,05 %
Marktkapitalisierung 1,11 Bio. EUR
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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