Iran-Krise erschüttert Märkte
Trumps Ablehnung des iranischen Friedensangebots treibt Ölpreise und Dollar. Fokus liegt nun auf dem Trump-Xi-Gipfel in Peking.

Kurz zusammengefasst
- Ölpreise steigen nach Trumps Ablehnung
- Friedensgespräche mit Iran gescheitert
- Trump-Xi-Gipfel rückt in Fokus
- Inflationssorgen belasten weltweite Märkte
Der Nahe Osten bleibt das alles bestimmende Thema der globalen Finanzmärkte. Trumps harsche Ablehnung des iranischen Friedensangebots als „völlig inakzeptabel“ hat am Montag Ölpreise nach oben getrieben, den Dollar gestützt und die Hoffnungen auf eine schnelle Beilegung des mittlerweile zehn Wochen andauernden Konflikts vorerst zunichte gemacht.
Brent-Rohöl kletterte im frühen Handel um mehr als drei Prozent auf rund 104,70 Dollar je Barrel. Der US-Dollarindex hielt sich stabil bei knapp 98 Punkten. US-Futures gaben leicht nach, während der breite S&P 500 und der Nasdaq zuletzt noch auf Rekordniveau notierten – getragen von ungebrochenem Optimismus rund um künstliche Intelligenz.
Friedensgespräche vorerst gescheitert
Teheran hatte am Wochenende einen Gegenvorschlag zu den US-Friedensplänen eingereicht. Der Iran bestand auf Kompensationszahlungen für Kriegsschäden und betonte seine Souveränität über die Straße von Hormus – jene strategische Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt und die seit Beginn des Konflikts faktisch gesperrt ist. Washington hatte hingegen eine Waffenruhe vor Verhandlungen über das Nuklearprogramm vorgeschlagen. Zu weit auseinander, wie Trumps knappe Reaktion auf Truth Social unmissverständlich zeigte.
„Die Ölpreise bleiben hochsensibel gegenüber Schlagzeilen rund um Iran, was die Bedeutung der anhaltenden Lieferunterbrechungen im Persischen Golf unterstreicht“, kommentieren Analysten der ING. Tatsächlich haben höhere Energiepreise inzwischen ihre Spuren hinterlassen – von chinesischen Fabriken bis zu australischen Zapfsäulen.
Trump in Peking – die eigentliche Schlüsselrolle
Dennoch geben die Märkte die Hoffnung nicht auf. Der entscheidende Grund: Trump reist vom 13. bis 15. Mai nach Peking für ein Gipfeltreffen mit Präsident Xi Jinping – das erste bedeutende Besuch eines US-Präsidenten in China seit fast einem Jahrzehnt. Auf der Agenda stehen neben Iran auch Handelsstreitigkeiten, Taiwan, KI und Nuklearwaffen.
„Das Gipfeltreffen mit China und den USA ist für mich das Hauptereignis der Woche“, sagt Kenneth Broux, Devisenstratege bei Société Générale. Er verweist auf den erheblichen Einfluss beider Länder im Nahen Osten. China ist ein Großabnehmer iranischen Öls, und Peking hat ein genuines Interesse an stabilen Energielieferketten. Barclays-Strategen sehen sogar die Möglichkeit, dass der Durchbruch zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus genau mit dem Trump-Xi-Treffen zusammenfallen könnte.
Neben der Iranfrage dürfte das Duo voraussichtlich die im Oktober unterzeichnete Handelsvereinbarung verlängern. Chinas Exporte legten im April um 14,1 Prozent im Jahresvergleich zu – weit über den erwarteten 7,9 Prozent. Angetrieben wurde das Wachstum von der globalen Nachfrage nach KI-Komponenten, die chinesische Fabriken unter Hochdruck produzieren.
Inflationsdruck wächst weltweit
Der Konflikt hinterlässt indes immer deutlichere Spuren in den Preisdaten. Chinas Erzeugerpreise stiegen im April um 2,8 Prozent – erwartet worden war ein Plus von 1,7 Prozent. Das ist der stärkste Anstieg seit Juli 2022, getrieben vor allem durch höhere Petrochemie- und Treibstoffkosten infolge der Lieferunterbrechungen. Gleichzeitig zog die Verbraucherpreisinflation auf 1,2 Prozent an. Ökonomen warnen: Eine kostengetriebene Inflation trifft Unternehmensmargen und engt den Spielraum für Konjunkturstimuli in Peking ein.
In den USA steht am Dienstag der Verbraucherpreisindex für April auf dem Programm. Ökonomen erwarten eine Jahresrate von 3,7 Prozent, nach 3,3 Prozent im März. Der starke US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag – Non-Farm-Payrolls stiegen um 115.000 und damit fast doppelt so stark wie erwartet – bestätigt indes die Erwartung, dass die Federal Reserve die Zinsen vorerst unverändert lässt. Die Fed hatte im vergangenen Monat ihren tiefsten internen Dissens seit Jahrzehnten offenbart: Drei Mitglieder sprachen sich gegen Signale künftiger Zinssenkungen aus.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mahnte unterdessen zu fiskalischer Disziplin. BIZ-Chef Pablo Hernández de Cos warnte in einem Interview mit der Nikkei, breite und dauerhafte Konjunkturprogramme könnten die Inflation anheizen und Notenbanken zu weiteren Zinserhöhungen zwingen. „Wenn diese Erwartungen sich als falsch erweisen, kann ich mir leicht das Potenzial für abrupte Marktkorrekturen vorstellen“, sagte er mit Blick auf den derzeit verbreiteten Optimismus.
Währungen und Stimmung
An den Devisenmärkten zeigte der Dollar breite Stärke. Euro, Pfund, Yen und Australischer Dollar gaben jeweils zwischen 0,1 und 0,3 Prozent nach. Der Chinesische Yuan festigte sich hingegen auf das stärkste Niveau seit mehr als drei Jahren – ein Zeichen für robuste Wirtschaftsdaten und steigende Erwartungen an den Ausgang des Gipfeltreffens.
Australien bereitet sich derweil auf einen Haushalt vor, der die Auswirkungen des Konflikts direkt adressiert: Zehn Milliarden Australische Dollar sollen in eine strategische Treibstoffreserve fließen, nachdem der Krieg zu lokalen Engpässen geführt hat.
Ausblick
Die Woche steht unter einem klaren Leitmotiv: Wie weit ist eine Lösung im Nahen Osten tatsächlich entfernt – und was bedeutet das für Inflation, Zinsen und Märkte? Während der KI-Boom Aktien vorerst stützt, könnten enttäuschende CPI-Daten oder ein Scheitern des Trump-Xi-Gipfels die Stimmung rasch kippen. Die Straße von Hormus bleibt der eigentliche Schlüssel.