Iran-Sanktionen schicken Ölpreise auf Talfahrt, Gold bleibt gefragt
Neue US-Sanktionen gegen den Iran drücken Brent und WTI deutlich, während Gold nahe seiner Höchststände verharrt. Silber und Kaffee geben ebenfalls nach.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis bleibt nahe Rekordhoch
- Silber scheitert erneut an 70-Dollar-Marke
- Brent fällt nach moderaten Iran-Sanktionen
- Kaffeepreis korrigiert nach starker Rally
Fünf Rohstoffe, fünf Richtungen: Der Handelstag zeigt den Markt so uneinheitlich wie selten. Während Brent Crude und Rohöl WTI nach der jüngsten US-Sanktionsoffensive gegen den Iran spürbar nachgeben, hält sich Gold nahe seinen jüngsten Höchstständen. Silber kämpft weiterhin mit einer psychologischen Hürde, und der Kaffeepreis gerät nach wochenlanger Rally ins Straucheln.
Gold: Nahe der Bestmarke trotz überkauftem Signal
Der Goldpreis notiert bei 4.696,20 US-Dollar je Feinunze und gibt damit leicht um 0,3 Prozent nach, nachdem er gestern noch bei 4.709,00 US-Dollar geschlossen hatte. Der Rücksetzer fällt kaum ins Gewicht angesichts der Dynamik der vergangenen Wochen.
Auf Wochensicht steht ein Plus von 7,0 Prozent zu Buche, über die vergangenen 30 Handelstage sogar ein Zuwachs von 15 Prozent. Der technische Indikator RSI liegt bei 71 und signalisiert damit eine überkaufte Lage.
Seit Jahresbeginn hat sich Gold um 8,6 Prozent verteuert, verglichen mit dem Vorjahresniveau liegt der Zuwachs sogar bei gut einem Drittel. Zum bisherigen Jahreshoch, aufgestellt Ende Januar bei rund 5.586 US-Dollar, fehlen dennoch weiterhin 16 Prozent. Verglichen mit dem Tief vom vergangenen August hat sich der Kurs bereits um 40 Prozent erholt.
Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf den Juli-PCE-Preisindex am Mittwoch sowie die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Symposium am Freitag. Beide Termine dürften über die Zinserwartungen und damit über den Dollar entscheiden – und damit auch über die nächste Richtung im Goldpreis.
Silber Preis: Zweiter Rückschlag an der 70-Dollar-Hürde
Silber gibt nach, nachdem es der psychologischen Marke von 70 US-Dollar zuletzt zweimal in Folge nicht gelungen ist, sich nachhaltig zu etablieren. Das Edelmetall wird bei 67,82 US-Dollar je Feinunze gehandelt, ein Minus von 0,97 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 68,48 US-Dollar.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Ein nachhaltiger Bruch unter die Zone von 66,50 bis 66,60 US-Dollar wäre nötig, um den negativen Ausblick zu bestätigen. Bemerkenswert bleibt trotz der jüngsten Schwäche die Wegstrecke der vergangenen 30 Tage: ein Zuwachs von fast 20 Prozent, der die enorme Volatilität im Silbermarkt unterstreicht.
Brent Crude: Kräftiger Rücksetzer nach Sanktionsankündigung
Brent Crude fällt deutlicher als die meisten anderen Rohstoffe in diesem Umfeld. Der Preis notiert bei 88,05 US-Dollar je Barrel und verliert damit 4,3 Prozent gegenüber dem gestrigen Schluss von 91,99 US-Dollar. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,6 Prozent zu Buche, während sich der 30-Tage-Vergleich mit einem Plus von 0,4 Prozent nahezu unverändert zeigt.
Der Grund für den Rückgang liegt paradoxerweise in der als moderat empfundenen US-Sanktionsankündigung gegen den Iran. Die Verschiebung von einer möglichen militärischen Eskalation hin zu wirtschaftlichem Druck nimmt dem Markt einen Teil der eingepreisten Risikoprämie – und das, obwohl US-Finanzminister Scott Bessent die Maßnahmen selbst als eine der größten Finanzoffensiven bezeichnet hatte, die je aufgelegt wurden.
Auf Jahressicht bleibt Brent trotz des aktuellen Rücksetzers mit 45 Prozent im Plus, gegenüber dem Vorjahresniveau beträgt der Zuwachs 28 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von gut 126 US-Dollar, erreicht Ende April, fehlen mittlerweile 30 Prozent, während der Kurs gegenüber dem Dezember-Tief von knapp 59 US-Dollar um die Hälfte zugelegt hat.
Die scheinbare Entspannung verdeckt jedoch ein strukturelles Angebotsrisiko. Vom Konflikt betroffene Länder stehen für einen erheblichen Teil der weltweiten Ölförderung, während ein zweistelliger Prozentsatz der globalen Raffineriekapazität derzeit stillliegt. Der Iran hat bereits Vergeltung angekündigt und signalisiert, Wege zu suchen, sich der Sanktionswirkung zu entziehen.
Rohöl WTI: Konsolidierung im engen Preiskorridor
Rohöl WTI bewegt sich ähnlich zurückhaltend wie Brent und pendelt nahe der 85-Dollar-Marke, nachdem es in der vorangegangenen Handelssitzung um mehr als 2 Prozent nachgegeben hatte. Charttechnisch beschreibt sich die Lage als Verdichtung: Der Preis bewegt sich innerhalb eines symmetrischen Dreiecks und nähert sich dessen Spitze, wobei die Tiefs seit dem Sommertief höher und die Hochs zunehmend niedriger ausgefallen sind – ein Muster, das häufig eine deutliche Bewegung ankündigt.
Die zentrale Unsicherheit bleibt politisch begründet. Die Commonwealth Bank of Australia rechnet für die zweite Jahreshälfte mit einer Brent-Spanne zwischen 70 und 100 US-Dollar je Barrel, wobei die Preise Richtung Untergrenze fallen könnten, sollten die Ölflüsse durch die Straße von Hormus auch nur moderat wieder aufleben. Ob die US-Politik zur wirtschaftlichen Isolation des Iran tatsächlich greift, bleibt unklar – gelingt sie, könnte eine iranische Reaktion über verstärkte Gewalt die Energiemärkte erneut in Bewegung versetzen.
Kaffeepreis: Korrektur nach wochenlanger Rally
Während sich die Ölpreise unter Druck bewegen, zeigt der Kaffeemarkt eine eigene Dynamik – diesmal jedoch nach unten. Der Kaffeepreis notiert bei 337,30 US-Dollar und gibt um 1,3 Prozent nach, nachdem er gestern noch bei 341,80 US-Dollar gestanden hatte. Auf Wochensicht beläuft sich der Rückgang bereits auf 7,2 Prozent.
Der Rücksetzer relativiert sich allerdings im etwas längeren Zeitfenster: Über die vergangenen 30 Tage steht noch immer ein Plus von 3,9 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn liegt der Preis jedoch mit 3,3 Prozent im Minus, gegenüber dem Vorjahresniveau sogar mit 11 Prozent.
Der aktuelle Kurs bewegt sich damit weit entfernt von beiden Extremen des Jahres. Zum Hoch von rund 438 US-Dollar aus dem Oktober fehlen noch mehr als 20 Prozent, während der Preis gegenüber dem Junitief bereits deutlich höher notiert. Die Erntesituation in Brasilien bleibt angespannt – Verzögerungen bei der Ernte 2026/27 und niedrige Lagerbestände hatten den Kurs zuvor kräftig angetrieben. Der aktuelle Rückgang deutet nun auf Gewinnmitnahmen hin, nachdem der Markt einen Großteil dieser Sorgen bereits eingepreist hatte.
Zinsfantasie trifft auf Angebotsschocks
Der heutige Handelstag offenbart eine klare Trennlinie zwischen zwei Erzählsträngen im Rohstoffsektor:
- Gold und Silber folgen primär der US-Geldpolitik. Die anstehenden Termine rund um Fed-Chef Warsh und den PCE-Index dominieren die Kursfantasie.
- Brent und WTI bewegen sich im Spannungsfeld geopolitischer Risiken – diesmal jedoch mit fallenden statt steigenden Notierungen, ein Zeichen dafür, wie stark der Markt bereits eine Deeskalation einpreist.
- Kaffee folgt einer eigenen Logik, in der reale Angebotsengpässe aus Brasilien und nicht Zentralbanken oder Sanktionsregime den Ton angeben.
Die geringe Korrelation zwischen den fünf Rohstoffen zeigt, dass Anleger derzeit fünf unterschiedliche Geschichten parallel verfolgen müssen, statt sich auf einen gemeinsamen Treiber wie zuletzt den schwachen Dollar verlassen zu können.
Rohstoffmärkte zwischen Zinswende und Sanktionspoker
Die kommenden Tage dürften für alle fünf Preise richtungsweisend bleiben. Bei Gold und Silber rücken der PCE-Preisindex und die Jackson-Hole-Rede in den Mittelpunkt, da beide Ereignisse die Zinserwartungen und damit den Dollar bewegen könnten. Bei Brent und WTI bleibt entscheidend, ob die USA tatsächlich einzelne Finanzinstitute sanktionieren und wie Teheran darauf reagiert. Der Kaffeemarkt dürfte weiter von den letzten Erntemeldungen aus Brasilien geprägt bleiben, auch wenn der jüngste Rücksetzer zunächst für Beruhigung sorgt. Angesichts der divergierenden Preistreiber bleibt eines sicher: Die Volatilität im Rohstoffsektor dürfte hoch bleiben.
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