IREN Aktie: KI-Cloud überflügelt Mining erstmals
IREN steigert den KI-Cloud-Umsatz über das Mining-Niveau, während Analysten den Umbau und den Milliarden-Auftragsbestand unterschiedlich bewerten.

Kurz zusammengefasst
- KI-Erlöse übertreffen erstmals Bitcoin-Mining
- Quartalsumsatz liegt über Analystenschätzung
- Bernstein bestätigt 100-Dollar-Kursziel
- J.P. Morgan bleibt bei Underweight
Die IREN-Aktie hat sich am heutigen Montag stabilisiert und legt um 2,6 Prozent zu. Damit setzt sich eine Erholung fort, die bereits am vergangenen Freitag mit der Auslieferung eines KI-Rechenzentrums an Microsoft begonnen hatte.
Auslöser der neuen Kaufbereitschaft ist jedoch eine andere Nachricht: Bernstein und H.C. Wainwright bezeichneten den vorangegangenen Kurseinbruch von 13 bis 15 Prozent nach den jüngsten Geschäftszahlen explizit als Kaufgelegenheit.
Kern ihrer Argumentation ist eine Zahl aus dem gestern veröffentlichten Quartalsbericht: Die Erlöse aus dem KI-Cloud-Geschäft übertrafen mit 70,5 Millionen US-Dollar erstmals die Einnahmen aus dem klassischen Bitcoin-Mining, die bei 66,7 Millionen US-Dollar lagen. Für die Analysten markiert dieser Punkt den Beweis, dass sich der Umbau von IREN vom Krypto-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter tatsächlich in den Zahlen niederschlägt.
Milliardenschwerer Netto-Verlust überschattet operative Fortschritte
Der Kurssturz vom Freitag war durch einen Nettoverlust von 684 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr ausgelöst worden, der maßgeblich auf eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 639 Millionen US-Dollar zurückgeht.
Der Grund: IREN stilllegt ältere Bitcoin-Mining-Hardware im Zuge seiner Umstrukturierung. Bis zum 31. Dezember 2026 will das Unternehmen sämtliche verbliebenen Mining-Aktivitäten endgültig abschalten und den Fokus vollständig auf KI-Cloud-Dienste legen.
Operativ zeigte sich das Unternehmen dagegen robuster als erwartet: Der Quartalsumsatz lag bei 137,2 Millionen US-Dollar und übertraf die Analystenschätzung von 132,3 Millionen US-Dollar. Zugleich gab das Management eine Investitionsplanung von 25 bis 30 Milliarden US-Dollar für das kommende Geschäftsjahr aus – ein Betrag, der die Dimension des angestrebten Ausbaus verdeutlicht.
Vertragsbestand als zentrales Argument der Optimisten
Bernstein-Analyst Gautam Chhugani bekräftigte am Montag sein „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 100 US-Dollar und verwies auf einen mittlerweile vollständig kontrahierten jährlichen Umsatz von 4 Milliarden US-Dollar.
H.C. Wainwright bestätigte am selben Tag seine „Buy“-Einstufung mit Kursziel 90 US-Dollar und betonte, dass dieser Auftragsbestand für 2026 vollständig unter Vertrag stehe. Beide Häuser stützen ihre Zuversicht auf dieselbe Kennziffer, die auch die neuen Mehrjahresverträge mit Kunden wie Cohere, Perplexity, Figure AI, Fal.ai und Higgsfield AI mit einschließt.
Nicht alle Marktbeobachter teilen diesen Optimismus. J.P. Morgan hält nach den Geschäftszahlen an einer „Underweight“-Einstufung mit einem Kursziel von 46 US-Dollar fest – deutlich unter den Zielmarken der optimistischeren Häuser.
Der Konsens aus mehreren Analysehäusern liegt bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 81,57 US-Dollar, was die Spannbreite der Einschätzungen zwischen skeptisch und sehr zuversichtlich widerspiegelt.
Charttechnisch angeschlagen, fundamental im Umbruch
Die Aktie notiert derzeit rund 54 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, das Anfang November erreicht wurde, hat sich aber seit dem September-Tief um 47 Prozent erholt. Der relative Stärke-Index von 42 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen, während die annualisierte Volatilität von 125 Prozent die Nervosität rund um den Titel unterstreicht.
Für Anleger bleibt IREN damit ein Wert im Spannungsfeld zwischen milliardenschweren Wachstumswetten auf KI-Infrastruktur und den bilanziellen Lasten des laufenden Geschäftsmodellwechsels.
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