iShares Global Semiconductors ETF: 1,7 Prozent Minus nach Burry-Warnung
Der ETF gibt nach, während höhere Renditen und Zweifel am Speicherchip-Zyklus auf die Branche treffen; Analystenschätzungen bleiben verbessert.

Kurz zusammengefasst
- ETF verliert am Donnerstag 1,7 Prozent
- Burry erweitert Short-Positionen gegen Chipwerte
- Halbleiterindex zuvor sechs Tage gestiegen
- Gewinnschätzungen seit Jahresbeginn um 113 Prozent erhöht
Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF verliert am Donnerstag 1,7 Prozent auf 18,29 Euro und gibt damit einen Teil der jüngsten Kursgewinne wieder ab. Ausgelöst wird die Schwäche von einer Mischung aus prominenter Short-Wette gegen die Speicherchip-Branche und steigenden Anleiherenditen, die Technologiewerte insgesamt belasten.
Burry stockt Shorts auf
Investor Michael Burry hat seine Short-Positionen gegen Micron, den russischen KI-Cloud-Anbieter Nebius, das Datenanalyse-Unternehmen Palantir und den US-Chip-ETF SOXX ausgebaut. Seine These: Die aktuelle Speicherchip-Knappheit sei nur vorübergehend. Über die nächsten zwei Jahre werde sich die Produktion normalisieren und der Memory-Zyklus wieder ins Minus drehen.
Gestützt wird diese Einschätzung durch Aussagen von Acer-Chef Jason Chen, der laut taiwanesischen Medien von einer kontinuierlich steigenden chinesischen Speicherkapazität spricht – ein anhaltendes Knappheitsproblem sieht er nicht. Bei DDR4-Chips gebe es inzwischen mehr Verkäufer als Käufer.
Burry warnte zusätzlich, Speicherchip-Hersteller notierten auf „lächerlichen Preisen“ und könnten „intensiv“ abverkauft werden. Zugleich favorisiert er Chip-Zulieferer und empfiehlt Short-Positionen auch bei Applied Materials und Lam Research.
Der Ökonom Sujai Shivakumar vom Thinktank CSIS ergänzte in einem Papier, chinesische Überkapazitäten bei DRAM und NAND könnten zum nächsten großen Risiko für den Memory-Markt werden – mit der Gefahr von Dumping und neuen Handelskonflikten.
Sechstägige Rally endet abrupt
Der Philadelphia Semiconductor Index, ein zentraler Gradmesser für die Halbleiterbranche, war zuvor sechs Handelstage in Folge um insgesamt 14 Prozent gestiegen, getrieben von neuer Zuversicht für KI- und Memory-Chip-Hersteller.
Am Mittwoch drehte der Index jedoch um 1,2 Prozent ins Minus. Trotz der jüngsten Erholung liegt der Index laut dem BTIG-Strategen Jonathan Krinsky weiterhin 14 Prozent unter seinem Juni-Hoch.
Nur drei der 30 Indexmitglieder – AMD, Nvidia und Taiwan Semiconductor – bewegen sich näher an ihrem eigenen Rekordhoch als der Gesamtindex. Zehn Werte liegen mehr als 30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, darunter GlobalFoundries, KLA und On Semiconductor mit jeweils über 40 Prozent Abstand.
Der Rücksetzer bei Halbleiterwerten fällt zusammen mit einem breiteren Ausverkauf an den US-Börsen. Steigende Anleiherenditen – die 10-jährige US-Staatsanleihe erreichte den höchsten Stand seit Juli 2007 – sowie eine gestiegene Wahrscheinlichkeit für eine weitere Fed-Zinserhöhung im Oktober drückten am Mittwoch auf Technologiewerte. Der Nasdaq Composite verlor rund 1,1 Prozent, nur einen Tag nachdem er ein Allzeithoch erreicht hatte.
Fundamentaldaten bleiben robust
Dem skeptischen Marktbild steht eine deutlich optimistischere fundamentale Einschätzung gegenüber. Ein Bericht von Bernstein-Analyst Stacy Rasgon zeigt, dass die Gewinnschätzungen für den Halbleitersektor seit Jahresbeginn um 113 Prozent nach oben revidiert wurden, während sich die Bewertung im gleichen Zeitraum um rund 18 Prozent verbilligte.
Der Bewertungsaufschlag des Sektors gegenüber dem S&P 500 ist von zuletzt rund 62 Prozent auf etwa 17 Prozent gefallen. Rasgon bleibt bei Nvidia, Broadcom, AMD sowie bei Ausrüstern wie Applied Materials, KLA und Lam Research auf „Outperform“ gestimmt.
Für Anleger im Global Semiconductors ETF bedeutet das eine Gemengelage: Kurzfristig belasten Zinssorgen und die Skepsis gegenüber dem Speicherchip-Zyklus die Notierung, die inzwischen 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 21,52 Euro liegt. Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt – der Kurs notiert noch immer 25 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt und hat sich seit dem Jahrestief im September vorigen Jahres mehr als verdoppelt.
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