iShares MSCI Global Semiconductors ETF: 52-Wochen-Hoch vom 22. Juni
Halbleiter-ETF notiert 19,5% unter Rekordhoch, doch Analysten sehen Kurseinbruch als übertrieben an.

Kurz zusammengefasst
- Chip-Index technisch im Bärenmarkt
- Analysten bewerten Ausverkauf als übertrieben
- TSMC und Micron mit starken Quartalszahlen
- Hyperscaler-Berichte als nächster Impulsgeber
Das reicht aber nicht annähernd, um die Verluste der vergangenen Wochen auszugleichen: Zum 52-Wochen-Hoch vom 22. Juni bei 21,52 Euro klafft weiterhin eine Lücke von rund 19,5 Prozent. Seit Jahresbeginn steht der Fonds dennoch mit 81,25 Prozent im Plus – ein Beleg dafür, wie extrem die Rally der Halbleiterwerte zuvor ausgefallen war, bevor die Korrektur einsetzte.
Chipsektor rutscht in den Bärenmarkt
Der Philadelphia Semiconductor Index, ein zentraler Referenzindex für die Branche, ist seit seinem Rekordhoch am 22. Juni um 21,6 Prozent eingebrochen und gilt damit technisch als Bärenmarkt. Allein seit Ende Juni haben Chipwerte weltweit rund 3 Billionen US-Dollar an Marktwert verloren. Einzelwerte traf es teils drastisch: Micron und Intel gaben seit dem 28. Juni jeweils rund 20 Prozent nach, SK Hynix verlor 43 Prozent gegenüber seinem Hoch, Samsung 34 Prozent. In Südkorea rutschte der Leitindex Kospi am 20. Juli um über vier Prozent auf 6.525 Punkte, nachdem Samsung und SK Hynix erneut deutlich nachgaben. Verstärkt wurde die Bewegung nach Einschätzung von ChosunBiz durch Hebelprodukte: Arbitragehandel zwischen ADRs und lokalen Aktien sowie das mechanische Rebalancing von 2x-gehebelten ETFs nahe Handelsschluss trieben die Ausschläge zusätzlich an. Parallel belastet der eskalierende Konflikt zwischen den USA und Iran die Stimmung, die Ölpreise kletterten über 90 US-Dollar je Barrel und sorgten für zusätzliche Risikoaversion an den Märkten.
Analysten sehen Übertreibung – Zahlen widersprechen dem Ausverkauf
Mehrere Häuser stufen den Rückgang als übertrieben ein. JPMorgan sieht laut einer Einschätzung eine deutliche Diskrepanz zwischen den gefallenen Aktienkursen und den Gewinnprognosen der Branche und bewertet den Sektor weiterhin mit Übergewichten. Die Bank verweist darauf, dass Speicherchip-Kapazitäten bei DRAM und NAND bis 2028 knapp bleiben dürften und die Branchenumsätze von 143 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf über 1,2 Billionen US-Dollar bis 2028 steigen könnten. Auch Barclays bleibt nach eigenen Angaben bullish und begründet dies damit, dass die Nachfrage nach Rechenkapazität das Angebot übersteige und sich Kapazitätsengpässe kaum schnell auflösen ließen. Hana Securities bezeichnet den Ausverkauf ebenfalls als übertrieben gegenüber den Fundamentaldaten und verweist auf steigende DRAM-Spotpreise – plus zwei Prozent binnen einer Woche, plus sieben Prozent im Monatsvergleich – sowie Nettozuflüsse von 4,5 Milliarden US-Dollar in DRAM-ETFs seit Anfang Juli.
Untermauert wird diese Sicht durch die Geschäftszahlen der Branchenschwergewichte. TSMC meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 40,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer Rekordbruttomarge von 67,7 Prozent. Der Auftragsfertiger hob seine Umsatzwachstumsprognose für 2026 auf über 40 Prozent an und erhöhte das Investitionsbudget auf 60 bis 64 Milliarden US-Dollar. Micron wiederum meldete für das dritte Fiskalquartal einen Umsatz von 41,5 Milliarden US-Dollar – das Vierfache des Vorjahreswerts – bei einer Bruttomarge von 84,9 Prozent, notiert nach Einschätzung des Motley Fool aber dennoch rund 30 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Trotz eines um 77 Prozent gestiegenen Nettogewinns bei TSMC und eines nahezu verzwanzigfachten Gewinns bei Samsung gaben beide Aktien im Anschluss an ihre Zahlen nach – ein Symptom dafür, dass Anleger inzwischen mehr als reine Gewinnsprünge verlangen.
Hyperscaler-Berichte als möglicher Wendepunkt
Als nächster Katalysator gilt die Berichtssaison der großen US-Technologiekonzerne: Alphabet legt am 22. beziehungsweise 23. Juli Zahlen vor, Intel folgt am 24. Juli, Microsoft und Meta am 29. Juli, Amazon am 30. Juli. Analyst Lee Jae-man von Hana Securities erwartet, dass Gewinnüberraschungen bei Meta und Amazon sowie ein über den Erwartungen liegendes Investitionsbudget bei Microsoft über die globale Chipbranche entscheiden. Historisch legten Samsung und SK Hynix nach positiven Überraschungen bei Alphabet im Folgemonat im Schnitt um 11 beziehungsweise 17 Prozent zu. Die kombinierten Investitionsausgaben der großen Hyperscaler sollen laut Prognosen von 80 Prozent Wachstum im ersten Quartal auf 92 Prozent im dritten Quartal 2026 zulegen.
Ein Risikofaktor bleibt das im Juli veröffentlichte chinesische KI-Modell Kimi K3 von Moonshot AI mit 2,8 Billionen Parametern, dessen offene Gewichte am 27. Juli erscheinen sollen. Das Modell erreichte Platz vier im BenchLM-Ranking und nährt Zweifel, ob die bisherigen Investitionssummen der Hyperscaler in dieser Höhe gerechtfertigt sind. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 67,39 Prozent und einem RSI von 42,1 bleibt der iShares Semiconductor-ETF ein Instrument für Anleger, die diese Schwankungsbreite bewusst in Kauf nehmen.
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