ITM Power Aktie: 46,5 Millionen Pfund für Chronos-Freigabe
ITM Power steht vor wichtigen Entscheidungen zu Förderung und Projekten. Analysten sind sich uneins, der Kurs zeigt sich volatil.

Kurz zusammengefasst
- Goldman Sachs bleibt skeptisch
- Drei Termine im Juni entscheidend
- Kurs unter 1,70 Euro gefallen
- Privatanleger kaufen verstärkt ein
ITM Power geht in eine heikle Woche. Die Aktie hat einen scharfen Rücksetzer hinter sich, Goldman Sachs bleibt skeptisch, und bis Monatsende stehen mehrere Entscheidungen an, die den nächsten Kursimpuls liefern können. Genau diese Mischung macht den Wasserstoffwert derzeit so anfällig für schnelle Richtungswechsel.
Aktuell notiert die Aktie bei 1,69 Euro, ein Plus von 1,07 Prozent am Tag. Auf Wochensicht steht jedoch ein Minus von 22,51 Prozent.
Vom Hoch bei 2,58 Euro hat sich der Kurs deutlich entfernt. Der Abstand beträgt inzwischen 34,29 Prozent, obwohl seit Jahresanfang noch immer ein Gewinn von 133,49 Prozent steht. Die Rally ist also nicht verschwunden. Sie wird nur härter geprüft.
Goldman bleibt der Gegenpol
Auslöser für den jüngsten Druck war eine frische Einschätzung von Goldman Sachs. Die US-Bank bekräftigte ihre Verkaufsempfehlung und hob das Kursziel nur leicht an. Der Kern der Kritik: ITM Power sei fundamental weiter zu hoch bewertet und erreiche die Profitabilität nicht schnell genug.
Andere Häuser sehen mehr Potenzial. Genau diese Spanne zeigt, wie stark die Aktie zwischen Turnaround-Hoffnung und Bewertungszweifel pendelt.
- Jefferies: Kursziel von 115 auf 200 Pence angehoben, weiter positiv.
- Morgan Stanley: EBITDA-Breakeven im Geschäftsjahr 2028 erwartet, ein Jahr früher als zuvor.
- Berenberg: weiter „Buy“, Kursziel auf 110 Pence gesenkt.
- UBS: neutral mit Kursziel 60 Pence.
- Goldman Sachs: „Sell“, Kursziel von 55 auf 63 Pence erhöht.
Der Abstand zwischen den Einschätzungen ist ungewöhnlich groß. Für den Markt ist ITM Power damit weniger eine klassische Wachstumsstory als ein Testfall: Kommt die Industrialisierung der Elektrolyseure schnell genug, um die Bewertung zu rechtfertigen?
Indexeffekt verstärkt den Abverkauf
Der Rückschlag hatte nicht nur mit Goldman zu tun. Ende Mai wurde ITM Power in den MSCI UK Small Cap Index aufgenommen. Solche Indexwechsel ziehen häufig kurzfristiges Kapital an, das nach der Aufnahme wieder abgebaut wird.
Genau das belastete den Handel. Hedgefonds, die im Vorfeld positioniert waren, lösten Bestände auf und drückten zusätzliche Stücke in den Markt. Der Kurs rutschte daraufhin unter 1,70 Euro.
Der Sektor half ebenfalls nicht. Ballard Power Systems verlor an einem Tag 19 Prozent, Plug Power rund 12 Prozent. Dazu kam Clean Power Hydrogen: Nach irreparablen Schäden an einer Pilotanlage wurden die Aktien ausgesetzt, das Unternehmen kündigte eine strategische Neuausrichtung an.
Das traf einen ohnehin nervösen Markt. Im Wasserstoffsektor reichen operative Probleme einzelner Anbieter oft aus, um Zweifel an Technologie, Kosten und kommerzieller Reife breiter zu schüren.
Privatanleger reagierten anders. Bei Interactive Investor entfielen am 4. Juni 63 Prozent der morgendlichen Orders in ITM Power auf Käufe. Die Aktie zählte damit zu den meistgehandelten Werten auf britischen Retail-Plattformen.
Drei Termine im Juni
Der Optimismus richtet sich vor allem auf drei mögliche Katalysatoren. Zuerst steht die Entscheidung der britischen Wettbewerbsbehörde CMA zur Chronos-Förderung an. Es geht um einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund für die nächste Stack-Generation.
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Das Management will die endgültige Investitionsentscheidung für Chronos erst treffen, wenn die Förderung bestätigt ist. Die Plattform ist zentral für den nächsten Skalierungsschritt.
Chronos soll 2,5 MW je Stack liefern. Die Kapitalkosten sollen um 40 Prozent sinken, die Stellfläche soll sich halbieren. Die automatisierte Linie ist auf eine Jahreskapazität von 1 GW ausgelegt.
Hinzu kommt die britische HAR2-Wasserstoffauktion. Sie kann Kapazitäten von bis zu 875 MW vergeben. ITM Power ist bereits als bevorzugter Lieferant für zwei Projekte genannt, beide hängen aber noch an finalen Investitionsentscheidungen der Entwickler.
Der dritte Punkt ist Unipers Humber H2ub in Killingholme. ITM Power soll für die erste Phase sechs POSEIDON-Module mit je 20 MW liefern. Die Inbetriebnahme peilt Uniper für 2029 an.
Später könnte der Umfang auf mehr als 200 MW steigen. Ein FEED-Vertrag wurde im Juni 2025 unterzeichnet, die Planungsgenehmigung folgte im März 2026. Die finale Investitionsentscheidung für die erste Stufe wird noch in diesem Monat erwartet.
Fortschritte reichen noch nicht
Operativ verbessert sich das Bild. Great British Energy hält nach einer Investition von 40 Millionen Pfund inzwischen 10,4 Prozent an ITM Power und ist damit zweitgrößter Aktionär.
Diese Mittel stärken die Bilanz. Zusammen mit der geplanten Förderung für die Automatisierung der Fabrik in Sheffield erwartet ITM Power eine Nettoliquidität zwischen 210 und 215 Millionen Pfund.
Der Umsatz im ersten Halbjahr erreichte 18 Millionen Pfund. Für das Gesamtjahr stellt das Unternehmen 40 bis 43 Millionen Pfund in Aussicht, was einem Wachstum von 35 Prozent entspräche.
Auch der Auftragsbestand wirkt solider. Er liegt bei 152 Millionen Pfund, davon gelten 71 Prozent als profitabel. Das ist wichtig, weil Wachstum ohne Margen im Wasserstoffsektor bisher selten belohnt wurde.
Die Verluste bleiben dennoch ein Bremsklotz. Der EBITDA-Fehlbetrag sank im ersten Halbjahr auf 11,9 Millionen Pfund nach 16,8 Millionen Pfund im Vorjahr. Für das Gesamtjahr rechnet ITM Power weiter mit einem Minus von 27 bis 29 Millionen Pfund.
Am 15. September 2026 legt ITM Power die Jahreszahlen vor. Bis dahin dürften Chronos, HAR2 und Humber H2ub den Rahmen setzen: Bestätigte Projekte würden die Turnaround-Story stützen, Verzögerungen würden die Goldman-Kritik am Bewertungsniveau wieder lauter machen.
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