ITM Power Aktie: Morgan Stanley stuft auf Overweight
ITM Power profitiert von MSCI-Aufnahme und Kurserholung. Analysten uneins über Potenzial. Juni-Entscheidungen zu Chronos und HAR2 prägen die weitere Entwicklung.

Kurz zusammengefasst
- MSCI-Aufnahme treibt Kurs an
- Analysten mit geteilter Meinung
- Umsatzrekord im ersten Halbjahr
- Entscheidungen im Juni entscheidend
ITM Power hat eine der bewegtesten Wochen seiner jüngeren Geschichte hinter sich. Der britische Elektrolyseur-Hersteller schloss den Handel am Donnerstag bei 209 Pence — und das nach einem Kursanstieg von fast 16 Prozent in nur vier Handelstagen. Der eigentliche Treiber kommt allerdings nicht vom Markt, sondern aus dem Indexkalender.
MSCI-Aufnahme erzwingt institutionelles Kaufen
ITM Power wurde zum Handelsschluss am 29. Mai in den MSCI United Kingdom Small Cap Index aufgenommen. Das klingt technisch — hat aber konkrete Folgen. Passive Fonds und ETFs, die den MSCI-Benchmark abbilden, müssen die Aktie nun kaufen. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 1,1 Milliarden Pfund ist dieser mechanische Kaufdruck erheblich.
Hinzu kommt ein Sichtbarkeitseffekt. Internationale institutionelle Investoren nutzen MSCI-Indizes als Screening-Filter. Wer bisher nicht auf dem Radar war, ist es jetzt.
Kurs verdreifacht — Analysten uneins
Vom 52-Wochen-Tief bei 46 Pence hat sich die Aktie um fast 300 Prozent erholt. Am Donnerstag trieben vor allem Privatanleger den Kurs auf ein Intraday-Hoch von 217 Pence. Auf der Handelsplattform interactive investor entfielen 53 Prozent der Trades auf Käufe. Einen konkreten Unternehmensanlass gab es nicht.
Das Analysten-Bild ist gespalten. Jefferies hob das Kursziel auf 200 Pence an. Morgan Stanley stufte die Aktie auf „Overweight“ hoch — das erste positive Rating für einen britischen Wasserstoffwert seit 2021 — mit einem Ziel von 170 Pence. Berenberg bleibt bei „Buy“, senkte das Ziel aber auf 110 Pence. UBS hält an „Neutral“ mit einem fairen Wert von 60 Pence fest. Die Spanne zwischen höchstem und niedrigstem Kursziel beträgt 140 Pence. Kein Wunder, dass die Stimmung schwankt.
Morgan Stanley erwartet, dass ITM im Geschäftsjahr 2028 den EBITDA-Breakeven erreicht — ein Jahr früher als bisher gedacht. Voraussetzung: rund 200 MW neue Aufträge.
Fortschritt, aber noch rote Zahlen
Die Zahlen zeigen Bewegung in die richtige Richtung. Der Umsatz im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 erreichte mit 18 Millionen Pfund einen Rekordwert. Die Jahresprognose wurde auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben — ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Auftragsbuch umfasst 152 Millionen Pfund, 71 Prozent davon gelten als profitabel.
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Der EBITDA-Verlust schrumpfte im ersten Halbjahr auf 11,9 Millionen Pfund, nach 16,8 Millionen im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Verlust zwischen 27 und 29 Millionen Pfund. Der Netto-Kassenbestand soll bis Jahresende auf 170 bis 175 Millionen Pfund steigen — genug Spielraum, um die nächsten Schritte zu finanzieren.
Juni wird zur Bewährungsprobe
Drei Entscheidungen bestimmen, ob der Kursanstieg fundamentale Substanz hat oder nur Erwartungen vorwegnimmt.
Erstens: die finale Investitionsentscheidung zum Chronos-Elektrolyseur-Programm. Das neue System liefert dreimal mehr Leistung als der Vorgänger, kostet 40 Prozent weniger und braucht halb so viel Platz. Die neue Gigawatt-Fabrik in Sheffield hat bereits einen staatlichen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund gesichert.
Zweitens: die Ergebnisse der zweiten britischen Wasserstoff-Ausschreibungsrunde (HAR2). 27 Projekte stehen auf der Shortlist — darunter Unipers Humber H2ub-Standort, wo ITM sechs 20-Megawatt-Module liefern soll.
Drittens: Unipers eigene Investitionsentscheidung für das Humber-Projekt. Die Baugenehmigung liegt vor. Der Startschuss fehlt noch.
Die Jahreszahlen folgen am 15. September.
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