ITM Power im MSCI-Index, Plug Power vor Millionen-Deal — fünf H2-Aktien im Juni-Check
ITM Power steigt in den MSCI-Index auf, Plug Power steht vor einem Millionen-Deal. Fünf H2-Werte im Überblick.

Kurz zusammengefasst
- ITM Power in MSCI-Index aufgenommen
- Plug Power vor 142-Millionen-Dollar-Deal
- SunHydrogen mit positiven Felddaten aus Texas
- HydrogenPro setzt auf Asset-Light-Strategie
Der Aufstieg in einen globalen Aktienindex, ein anstehender Millionen-Deal mit einem Rechenzentrumsbetreiber und frische Felddaten aus Texas: Die Wasserstoff-Branche geht mit handfesten Katalysatoren in den Juni. Zwischen den fünf Werten ITM Power, Plug Power, SunHydrogen, HydrogenPro und PowerCell Sweden zeigt sich dabei eine klare Abstufung — von beschleunigtem Turnaround bis stiller Konsolidierung.
Sektorüberblick: Drei Geschwindigkeiten im Wasserstoff-Markt
Die globale Elektrolyseur-Kapazität ist seit 2021 von 0,5 GW auf 7,9 GW gestiegen. Gleichzeitig wurden rund 90 % der für 2023 und 2024 geplanten Wasserstoffprojekte um mindestens ein Jahr verschoben. Die EU hat zuletzt knapp eine Milliarde Euro für 15 Projekte zur Erzeugung von grünem Wasserstoff bereitgestellt. Was bleibt, ist eine Branche, in der die Kluft zwischen Ankündigung und Umsetzung enorm ist — und in der genau jene Unternehmen davonziehen, die Meilensteine bereits in Umsatz umwandeln.
Die aktuelle Lage lässt sich grob in drei Tempi einteilen:
- Vorderes Feld: ITM Power und Plug Power mit beschleunigtem Umsatzwachstum, institutionellem Kapitalzufluss und anstehenden binären Katalysatoren
- Mittleres Feld: HydrogenPro und PowerCell Sweden — operativ auf dem Weg der Besserung, aber ohne den entscheidenden Impuls für eine Neubewertung
- Entwicklungsstadium: SunHydrogen als vorkommerzieller Technologieentwickler mit ermutigenden, aber noch weit von der Skalierung entfernten Ergebnissen
ITM Power: MSCI-Aufnahme krönt die Rally
ITM Power hat Ende Mai die Aufnahme in den MSCI United Kingdom Small Cap Index vollzogen — ein struktureller Meilenstein, der passive Fonds zum Kauf zwingt. Die Aktie markierte im Zuge dessen ein 52-Wochen-Hoch bei 194,70 Pence, nachdem sie vor genau einem Jahr noch bei 46 Pence notierte. Am Spitzentag wechselten 9,7 Millionen Aktien den Besitzer, deutlich über dem Tagesdurchschnitt von 6,58 Millionen.
Die operative Grundlage stimmt: Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet ITM Power einen Umsatz zwischen 40 und 43 Millionen Pfund, ein Plus von 35 % gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Halbjahr stand bereits ein Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund zu Buche, während sich der bereinigte EBITDA-Verlust von 16,8 auf 11,9 Millionen Pfund verengte. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 152 Millionen Pfund — 71 % davon gelten als reife Verträge.
Rheinmetall-Partnerschaft und Juni-Katalysatoren
Strategisch öffnet ITM Power ein neues Kapitel. Die Partnerschaft mit Rheinmetall zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe für NATO-Streitkräfte erschließt einen angrenzenden Markt jenseits des industriellen Kerngeschäfts. Rheinmetalls Giga-PtX-Projekt sieht mehrere hundert dezentrale Produktionsstandorte in Europa mit jeweils bis zu 50 Megawatt Elektrolysekapazität vor.
Der Juni bringt gleich mehrere potenzielle Wendepunkte: Die finale Investitionsentscheidung zum Chronos-Projekt steht an, die Ergebnisse der britischen Hydrogen Allocation Round 2 (HAR2) werden erwartet, und Unipers Humber H2ub-Projekt in Killingholme rückt einer Entscheidung näher. ITM ist dort für sechs 20-MW-Poseidon-Module der ersten 120-MW-Phase vorgesehen.
Jefferies hat das Kursziel zuletzt von 115 auf 200 Pence angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Von zwölf Analysten raten sieben zum Kauf, vier zum Halten. Morgan Stanley sieht den EBITDA-Breakeven bereits im Geschäftsjahr 2028 — ein Jahr früher als bisher angenommen, vorausgesetzt, ITM bucht rund 200 MW an Neuaufträgen.
Plug Power: Turnaround nimmt Fahrt auf
Plug Power lieferte im ersten Quartal 2026 eine Überraschung ab, die den Ton für die kommenden Monate setzt. Der Umsatz stieg um 22 % auf 163,5 Millionen Dollar und übertraf die Erwartungen um 10,5 %. Der Verlust je Aktie fiel mit minus 0,08 Dollar ebenfalls geringer aus als die prognostizierten minus 0,10 Dollar. Die GAAP-Bruttomarge verbesserte sich von minus 55 % im Vorjahr auf minus 13 % — ein Fortschritt um 42 Prozentpunkte.
Das Management bekräftigte das Ziel, im vierten Quartal 2026 ein positives EBITDA zu erreichen. Die Gesamtliquidität lag zum Quartalsende bei über 802 Millionen Dollar.
Millionen-Deal mit Stream Data Centers
Ein weiterer Liquiditätsschub steht unmittelbar bevor: Aus Initiativen zur Monetarisierung von Wasserstoff-Projektanlagen erwartet Plug Power Erlöse von rund 275 Millionen Dollar. Die erste Transaktion — ein Abkommen mit Stream Data Centers über etwa 142 Millionen Dollar — soll noch im Juni abgeschlossen werden.
Plug Power notierte am Freitag bei 3,40 Euro, nach einem Rücksetzer von gut 4 % gegenüber dem Vortag. Der RSI von 20,4 signalisiert eine kurzfristig überverkaufte Situation. Auf Monatssicht liegt das Plus dennoch bei über 16 %. Oppenheimer-Analyst Colin Rusch hob zuletzt die Fortschritte beim Kostenmanagement und der Margenverbesserung hervor und erwartet weitere Liquiditätszuflüsse aus Vermögensverkäufen im zweiten und dritten Quartal.
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SunHydrogen: Felddaten aus Austin bestätigen Labormessungen
SunHydrogen bewegt sich in einer gänzlich anderen Gewichtsklasse. Am 29. Mai meldete das Unternehmen die erfolgreiche Installation verbesserter Wasserstoffmodule am Pilotstandort der University of Texas in Austin. Die 1,92 m² großen Module — ausgestattet mit optimierter Katalysatorintegration und verbesserten Beschichtungsstrategien — erreichten im Feld Wirkungsgrade, die den Laborergebnissen der kleineren 100 cm²- und 1.200 cm²-Module entsprechen.
Die Konsistenz zwischen Labor und Feld ist ein wichtiger technischer Meilenstein. Über 100 weitere verbesserte Module sollen nun Reproduzierbarkeits- und Ertragstests durchlaufen. Die Pilotphase in Austin wurde um sechs Monate verlängert, um zusätzliche Betriebsdaten unter realen Bedingungen zu sammeln.
An der Bewertung ändert das vorerst wenig. SunHydrogen notiert bei 0,03 Dollar, die Marktkapitalisierung liegt bei rund 158 Millionen Dollar. Institutionelle Analystenabdeckung existiert nicht. Der Kurs bewegt sich im Jahresverlauf seitwärts — seit Jahresanfang steht ein Minus von knapp 4 %. Der Weg zur kommerziellen Produktion bleibt ein Mehrjahresprojekt.
HydrogenPro: Asset-Light-Modell und Milliarden-Pipeline
HydrogenPro hat einen radikalen Strategieschwenk vollzogen. Nach einer Restrukturierung mit knapp 40 % Stellenabbau und Kostenreduzierungen von 40 Millionen NOK jährlich setzt das Unternehmen auf ein Asset-Light-Modell. Die eigene Fertigung im chinesischen Tianjin wurde stillgelegt, stattdessen sicherte sich HydrogenPro eine strategische OEM-Partnerschaft mit LONGi — inklusive Zugang zu einem Gigawatt an Fertigungskapazität für Elektrolyseur-Komponenten.
Der Umsatz im ersten Quartal 2026 lag bei 16 Millionen NOK, die Bruttomarge erreichte 62 %. Das ACES-Projekt in Utah — eine der weltweit größten Installationen alkalischer Druckelektrolyseure — läuft mit allen 40 Elektrolyseuren im Vollbetrieb, abgesichert durch einen zehnjährigen Servicevertrag.
Der entscheidende Katalysator liegt in der Pipeline: Projekte im Volumen von rund einer Milliarde NOK stehen in Europa, Indien und der MENA-Region vor finalen Investitionsentscheidungen in den Jahren 2026 und 2027. Analysten empfehlen die Aktie aktuell mehrheitlich zum Halten, das Kursziel liegt bei 27,00 NOK — bei einer enormen Spanne zwischen 4 und 50 NOK.
PowerCell Sweden: Technischer Ausbruch, aber Q1 mit Dämpfer
PowerCell Sweden lieferte im Mai ein markantes charttechnisches Signal. Die Aktie durchbrach am 22. Mai ihren 200-Tage-Durchschnitt nach oben und legte innerhalb einer Woche um 31 % zu. Zum Wochenschluss notierte sie bei 3,25 Euro — ein Plus von über 44 % auf Monatssicht und rund 125 % über dem 52-Wochen-Tief.
Das fundamentale Bild fällt gemischter aus. Im ersten Quartal sank der Umsatz auf 46,95 Millionen SEK, der Verlust betrug 39,76 Millionen SEK. Hauptursache war der Rückgang bei IP- und Lizenzeinnahmen, die zuvor durch einen Bosch-Deal inflationiert worden waren. Die Bruttomarge verbesserte sich dennoch.
Langfristig stützen zwei Segmente die Wachstumsstory: Maritim und Stromerzeugung. Das Geschäftsjahr 2025 brachte bereits Rekordmargen, ein positives Ganzjahres-EBITDA und 24 % organisches Wachstum. Der Analysten-Konsens liegt bei einem Kursziel von 33,00 SEK — rund 26 % über dem letzten Schlusskurs. Die Einstufung lautet mehrheitlich auf Halten.
Fünf Werte, ein Schlüsselmonat
Der Juni wird zum Lackmustest für den Wasserstoff-Sektor. Für ITM Power steht mit dem Chronos-FID, der HAR2-Entscheidung und dem Uniper-Projekt gleich ein dreifacher Prüfstein an. Plug Power muss den Stream-Data-Centers-Deal über die Ziellinie bringen und demonstrieren, dass der EBITDA-Pfad hält. HydrogenPro wartet auf die Konversion seiner Milliarden-Pipeline in feste Verträge.
PowerCell Sweden braucht steigende Auftragseingänge in den Segmenten Maritim und Stromerzeugung, um den Einnahmerückgang bei Lizenzen zu kompensieren. SunHydrogen hat mit der Pilotverlängerung in Austin den Zeitrahmen für das nächste technische Update gesetzt.
Die zentrale Frage über alle fünf Werte hinweg bleibt dieselbe: Welche Unternehmen schaffen es, ihre Pipeline in vertraglich gebundenen Umsatz umzuwandeln — bevor die Geduld des Marktes aufgebraucht ist.
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